3. Teil: Basisrenten im Vergleich : Das Rürup-Rentchen

3. Teil: Basisrenten im Vergleich
Das Rürup-Rentchen

Der Steuer-Turbo macht Rürup-Renten vor allem für Selbstständige interessant. Trotzdem haben nur 1,9 Millionen eine Police. Eine Analyse zeigt, wie sich die staatlich geförderte Vorsorge im Zinstief schlägt.
  • 9

DüsseldorfBert Rürup ist ziemlich zufrieden damit, wie die Sache mit seiner Basisrente damals gelaufen ist: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Kommissionsvorschlag derart eins zu eins umgesetzt worden ist“, offenbart der Ökonom im Interview mit Handelsblatt Online. Das Ziel, eine Vollversicherung für Selbstständige zu schaffen, die keinem eigenen Versorgungswerk angehören, habe man erreicht.

Dass seine Rente im elften Jahr nach der Einführung nicht gerade als „Verkaufsschlager“ gewertet wird, stört ihn daher wenig. Obwohl faktisch jeder eine Basisrente abschließen könnte, stieg die Anzahl der Policen 2014 lediglich um 100.000 auf nun 1,9 Millionen.

Rürup kennt die Klagen der Versicherungswirtschaft und Sparer. Die Basisrenten seien zu starr konzipiert, heißt es da oft. In der Tat können Vorsorger zwar recht flexibel in einen Basisrentenvertrag einbezahlen – und jährlich bis zu 22.172 Euro von der Steuer absetzen. Allerdings bleibt die Möglichkeit verwehrt, sich das angesparte Kapital später auf einen Schlag auszahlen zu lassen. Anspruch besteht nur auf eine lebenslange Rente. „Makler berichten davon, dass diese Tatsache potenzielle Basissparer regelrecht abschreckt. Die Versicherungswirtschaft dürfte sich mehr versprochen haben“, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen.

„Wenn man die Basisrente flexibler gestalten und zum Beispiel ein Kapitalwahlrecht zulassen würde, würde sich das Produkt sicher besser verkaufen“, räumt auch Rürup ein. Trotzdem lehnt es der Erfinder der Rente ab, nachträglich etwas zu ändern – weder an der Ausgestaltung, noch an der Höhe der steuerlichen Förderung. „Mit der Basisrente sollte eine Gleichstellung erfolgen und keine Privilegierung der nicht in obligatorischen Systemen Abgesicherten. Insofern ist die Basisrente, so wie sie konzipiert ist, richtig konzipiert.“

Was sich Vorsorge-Sparer erhoffen können, wenn sie heute eine Basisrentenvertrag abschließen, hat Morgen & Morgen für Handelsblatt Online analysiert. Die Auswertung bezieht sich in erster Linie auf die Effektivkosten der Basisrenten. Es sind die Kosten, um die sich die Rendite des Produkts jährlich mindert. Im Vergleich von Morgen & Morgen sind aber keine Gesamtrenditen ausgewiesen, weil bei Basisrenten keine Ausschüttung des Gesamtkapitals aus der Ablaufleistung möglich ist. Sparer können nur Renten vereinbaren. Die kürzeste vom Analysehaus betrachtete Ansparzeit für die Policen sind zwölf Jahre, die längste 30 Jahre.

Aktuell haben die allermeisten Versicherer verschiedene Policen im Angebot – trotz des eher schleppenden Absatzes. „Versicherer wollen Lücken im Portfolio vermeiden und dem Kunden möglichst alles anbieten können, wonach er verlangt“, erklärt Joachim Geiberger von Morgen & Morgen. Ob die Basisrente einen späten Schub bekommt, kann er nicht sagen.

Auszuschließen sei es aber nicht. Denn das Zinstief macht andere Sparformen – allen voran die Lebensversicherung – so unattraktiv wie nie. Der Rürup-Rente könnte es zugutekommen, dass ihr großer Vorteil weniger die Rendite des angesparten Kapitals ist, sondern eher die Steuervorteile sind, die Sparer zusätzlich mitnehmen können. „Ein großer Vorteil der Basisrente ist ihr Steuerturbo“, sagt Geiberger.

Kommentare zu " 3. Teil: Basisrenten im Vergleich : Das Rürup-Rentchen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Noch etwas !

    Unterhaltet euch doch mal mit Betroffenen, wie aus den USA, die privat vorgesorgt haben und nicht in den Ruhestand gehen können, wegen der so tollen "Gewinnerwartung" fürs Alter !

    Seit Ende der 90' jahre aufwärts hörte ich in meinem Umfeld, in 10 Jahren bin ich saniert, meine Aktien und Co. haben hohe Rendite-Erwartungen ! Bis das Jahr 2001 kam, die IT-Blase platzte !

    Von 2001 bis 2008 hatten wir 5 Börsenschwankungen, 2 heftige, 3 mittelprächtige !

    Viel Glück bei der "sicheren", voraussehbaren und privaten Altersvorsorge und ich meine, der Zeitraum ist länger als 7 Jahre von Nöten, oder ???
    Da braucht man Weitsicht, die keiner hat !

    Lasst euch nicht verars..en ! Es profiteren nur wenige und das nur mit viel Glück !



  • Herr Michael Müller01.04.2015, 16:16 Uhr
    Zitat :
    "Letztendlich sind sie es, die den Wohlstand unseres Staates vorantreiben, was man von unseren Beamten, Pensionären, Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern nicht behaupten kann."

    Schade, Sie haben es scheinbar noch nicht verstanden !

    Es gab/gibt Selbstständige und nicht wenige, die durch nicht bezahlte oder das weit nach hinten geschobene Zahlungsziel von Kunden (u.a. auch durch viele Kommunen verursacht) unschuldig in die Insolvenz getrieben/katapultiert wurden !
    Danach ging es mit Schulden in HartzIV !!! Oder Selbstmord !

    Es gibt/gab Arbeitnehmer, auch nicht wenige, die weit mehr als 30 Jahre fleißig Steuern in dieses mittlerweile unseriöse System bezahlt haben und unschuldig Arbeitslos/HartzIV " "ertragen müssen und dann in eine Zwangs- Verrentung mit vielen Abzügen "verabschiedet" werden ! Ein Dankeschön für die nicht anerkannte Lebensleistung und zukünftige Lebensqualität !

    Es gibt/gab Beamte, die Ihr Leben einsetzen oder verloren haben, um uns Bürger/Land zu schützen !
    Es gibt auch Beamte, nicht wenige, die bringen fleißig Ihren wichtigen Beitrag für die Gesellschaft/Land !

    Ein Pensionär hat bereits seine Lebensleistung erbracht und auch die Märkte profitieren weiterhin an IHM ! Wie u.a. Urlaub/Textil/Auto.......und STEUERN (MwST & Co.)

    Wer bringt den Wohlstand ?

    Und in unsrem Land ist eine seriöse Reform in RENTE und Gesundheit überfällig !

  • Bei den staatlich geförderten Rentenbeiträgen langen die Versicherungen unverhältnismäßig zu und zocken den Sparer ab. Riestern lohnt sich nur für junge Leute, Rürup nur zur momentanen Steuerersparnis. Die Finanzinstitute sind unfähig ein langfristiges Konzept für Rentner zu schaffen, weil ihnen der kurzfristige Gewinn wichtiger ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%