500-Euro-Schein
EZB-Expertin steht zum Cash

Doris Schneeberger leitet die Bargeld-Abteilung der EZB. Sie stellt sich gegen die Meinung von Kriminalitätsbekämpfern – und sieht keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Banknoten und Kriminalität.
  • 6

ParisBeruht die ganze Debatte über eine angeblich sinnvolle Einschränkung der Nutzung von Bargeld mehr auf Vorurteilen und Emotionen als auf sachlichen Informationen? Den Erkenntnissen der Europäischen Zentralbank zufolge gibt es jedenfalls „keinen statistisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen Kriminalität und Bargeldnutzung oder auch zwischen dem Umfang der Schattenwirtschaft und Bargeld“, sagte Doris Schneeberger, Leiterin der Abteilung Banknotenmanagement in der EZB, auf einer Konferenz über die Zukunft des Bargelds am Montag in Paris.

Derselbe Nicht-Zusammenhang gelte für die Verwendung von Noten mit hohem Wert wie dem 500-Euro-Schein. Frankreich hat die Obergrenze für Bargeldzahlungen auf 1000 Euro gesenkt, Deutschland erwägt eine Obergrenze. Italien hat sie gesenkt, dann aber wieder von 1000 auf 3000 Euro erhöht. Aus der Politik kommen Forderungen nach Abschaffung der 500-Euro-Note. Für die europäische Polizeiorganisation Europol ist jedoch Bargeld als gängiges Mittel bei der Geldwäsche.

 

Die Schattenwirtschaft mache in einem Land wie Schweden einen größeren Teil des Bruttoinlandsproduktes aus als in Deutschland, der Bargeldeinsatz sei aber wesentlich geringer, führte Schneeberger aus. Manche Akteure geben dort bereits die Losung von der „bargeldlosen Wirtschaft“ aus.

Auch in anderen Ländern zeige sich keine Korrelation zwischen der Bedeutung des Bargelds im Zahlungsverkehr und dem Umfang der Kriminalität. Schneeberger zog deshalb die Berechtigung der Debatte über das Bargeld im Kontext der Kriminalitätsbekämpfung in Zweifel: „Kriminelle nutzen auch Autos und Handys, aber niemand denkt deshalb ernsthaft daran, deren Gebrauch einzuschränken.“ Man müsse sich daher die Frage stellen, „ob es sich lohnt, die Verwendung von Bargeld zu verringern.“

Die Verwendung der 500-Euro-Note haben im Kontext der Lehman-Krise und der Griechenland-Krise jeweils stark zugenommen, erläuterte Schneeberger. Das weise darauf hin, dass diesem größten Euro-Schein wohl vor allem die Funktion zukomme, in Zeiten des Zweifels an der Solidität des Bankensystemse persönliche Vermögenswerte zu sichern. „Die Wertaufbewahrungsfunktion des Bargeldes ist legitim und sie gewinnt an Bedeutung“, stellte die EZB-Expertin fest. Alain Gerbier von der Banque de Franc bestätigte, dass insgesamt die Nachfrage nach Bargeld in der Euro-Zone wie auch in Frankreich steigt. Die jährliche Wachstumsrate liegt in Frankreich bei 6,1 Prozent (bezogen auf den Wert), in der Eurozone bei 5,1 Prozent. „Wir sind zuversichtlich, was die Zukunft des Bargeldes angeht.“

Kommentare zu " 500-Euro-Schein: EZB-Expertin steht zum Cash"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Fortsetzung meines Beitrags: Ein weiterer Grund für die Bargeldabschaffung dürfte die gewünschte totale Kontrolle der Bürger sein.

    Wenn man nur noch unbar zahlen könnte, würde jede Transaktion in den zentralen Datenbanken des Überwachungsstaates gespeichert werden könnte. Was gäbe es da nicht alles für Möglichkeiten für die Überwacher!

    Übergewichtige könnte man an der Supermarktkasse daran hindern, fette und kalorienreiche Nahrung zu kaufen, Alkoholikern könnte man den Kauf von Schnaps unmöglich machen. Politisch mißliebige Personen könnte man gar auf Sparflamme setzen und ihnen nur noch 1000 Kalorien am Tag zugestehen. Was wäre das für eine "schöne neue Welt"!

  • Man sollte sich hüten, die Debatte als eine bloße Scheindebatte zu unterschätzen.

    Es steht ganz handfeste finanzpolitische und gesellschaftspolitische Interessen hinter dem von der Politik losgetretenen Kampf gegen das Bargeld.

    Der naheliegendste und kurzfristige Grund für die Bargeldabschaffung ist natürlich, daß die Flucht vor den Negativzinsen verhindern will. Schon die Abschaffung des 500-Euroscheins zielt in diese Richtung:

    Für die großen Finanzinstitute wie z.B. Versicherungen ist die Haltung von Bargeld in eigenen Tresoren natürlich auch mit Kosten verbunden. Und es ist völlig klar, daß diese Kosten höher sind, je kleiner die Geldscheine sind. Eine Million etwa in 500-Euronoten verursacht nur ein Zehntel der Kosten einer Tresorlagerung desselben Betrags in 50-Euronoten. Die Zentralbank kann also mit ihrem Negativzins tiefer gehen, wenn es die großen Banknoten nicht mehr gibt, ohne daß die Versicherungen ihre Konten leeräumen und ihre Tresore füllen.

    Ein weiterer

  • Es verblüfft immer wieder, mit welcher Leichtigkeit solche Scheindebatten losgetreten werden können, und wieviel Aufwand es kostet, sie zu beenden. Wer sind eigentlich die Schwachköpfe, die sich in solche Aktionen engagieren?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%