Abmahnungen von Verbraucherschützern
Teure Basiskonten – Banken unter Druck

Zu den teuersten Produkten vieler Geldinstitute zählt ein Produkt für Arme: das Basiskonto. Nun haben Verbraucherschützer sechs Banken wegen zu hoher Gebühren abgemahnt – unter ihnen ist auch die Deutsche Bank.
  • 9

BerlinDas Basiskonto sollte eigentlich mehr Teilhabe ermöglichen. So sollten Menschen Zugang zu bargeldlosen Bankgeschäften bekommen, die zuvor von den Banken wegen zu geringen Einkommens oder eines fehlenden Wohnsitzes als Kontoinhaber abgelehnt worden waren – etwa Asylbewerber, Obdachlose oder überschuldete Menschen. Doch die Geldinstitute haben die neue Regelung offenbar zu ihrem Vorteil genutzt und kassieren gerade bei den Basiskonto-Kunden unverhältnismäßig viel ab. Nun hat die Verbraucherzentrale hat sechs Kreditinstitute wegen zu hoher Gebühren beim Basiskonto abgemahnt. Das teilte die Organisation am Montag mit.

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale verstoßen die Deutsche Bank, die Postbank, die Targobank, die Sparkasse Holstein, die Volksbank Karlsruhe und die BBBank gegen die im Zahlungskontengesetz festgelegten Richtlinien. Diese besagen unter anderem, dass die Gebühren „angemessen und marktüblich“ sein müssen.

„Basiskonten sollten vor allem Verbrauchern, die wenig Geld haben, den Zugang zu bargeldlosem Zahlungsverkehr ermöglichen“, sagt Christina Buchmüller, Finanzexpertin vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Dieser Zweck wird unterlaufen, wenn Verbraucher gerade für Basiskonten mehr zahlen müssen als andere Kunden für vergleichbare Konten“.

Die Institute erheben dem Bericht zufolge für das Basiskonto teilweise ein hohes monatliches Grundentgelt, teilweise hohe Kosten für Einzelposten wie beleghafte Überweisungen. Zudem bemängele die Verbraucherzentrale, dass es für internetaffine Kunden bei den meisten Banken kein gesondertes, günstigeres Online-Basiskonto gibt. Hierdurch werde das Nutzerverhalten nicht hinreichend berücksichtigt, so die Verbraucherschützer.

Angesichts niedriger Zinsen kämpfen immer mehr Banken mit sinkenden Erträgen. Um die sinkende Zinsmarge aus dem Einlage- und Kreditgeschäft zu kompensieren, sind viele Institute dazu übergegangen, Kontogebühren einzuführen. Leistungen, die früher kostenlos waren – zum Beispiel Überweisungen, die man am Bankschalter macht – kosten nun Geld. Ein vom Verbrauchermagazin „Finanztest” am Montag veröffentlichter Vergleich hat gezeigt, dass kostenlose Konten „ohne Wenn und Aber“ noch kaum zu finden sind. So waren von 200 verglichenen Banken gerade einmal 25 Konten tatsächlich kostenlos.

Seite 1:

Teure Basiskonten – Banken unter Druck

Seite 2:

Für viele ist das Basiskonto alternativlos

Kommentare zu " Abmahnungen von Verbraucherschützern: Teure Basiskonten – Banken unter Druck"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese sog. Basiskonten für Arme - auch für Asylbewerber - wurden per Gesetz den Banken aufgedrückt.
    Es war vollkommen klar, dass Kosten entstehen und diese Kosten weitergegeben werden.
    Eine Bank ist nicht das Sozialamt oder eine Unterabteilung des BAMF.

    Wenn der Gesetzgebers es so wichtig erachtet, dass Jeder ein Basiskonto haben muss, dann soll der Finanzminister dem Sozialministerium entsprechende Mittel zuweisen, die dieses den Banken gibt.

  • Wechseln und entspannt bleiben. Hier mal eine Auswahl an kostenfreien Girokonten, die sogar verzinst oder mit einem Startguthaben belegt sind:
    https://goo.gl/4Mbjp3
    und
    https://goo.gl/KieFBc

  • @Herr J-Fr. Pella
    Diese Diskussion könnten wir ewig weiterführen ... aber meine Kunden warten ....

    a) gibt es nicht "die Banken" ich hoffen Sie sehen einen Unterschied zwischen Zockerbuden mit angehängtem Kundengeschäft und Banken, die versuchen mit ihren Kunden "Geschäft" zu machen, das beide Parteien weiterbringt (z.B. Volksbanken und Sparkassen).
    b) Nach der Logik: Milliardengewinne aus früheren Zeiten verzockt = Jetzt darf per Gesetz nichts mehr verdient werden: Bedeutet das für wohl nach dem Abgasskandal bei VW, dass demnächst doch ein Gesetz kommt, was alle (auch die "unschuldigen") Autohersteller zu einem kostenlosen Auto für jedermann verpflichtet. Ich freue mich schon drauf ....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%