Abmahnungen von Verbraucherschützern Teure Basiskonten – Banken unter Druck

Zu den teuersten Produkten vieler Geldinstitute zählt ein Produkt für Arme: das Basiskonto. Nun haben Verbraucherschützer sechs Banken wegen zu hoher Gebühren abgemahnt – unter ihnen ist auch die Deutsche Bank.
Update: 20.09.2016 - 10:58 Uhr 9 Kommentare
Das Basiskonto war dafür gedacht, Menschen in finanziell schwierigen Lagen die Teilhabe am bargeldlosen Geldverkehr zu ermöglichen. Doch die hat ihren Preis. Quelle: dpa
Sparkassen Filiale für Flüchtlinge

Das Basiskonto war dafür gedacht, Menschen in finanziell schwierigen Lagen die Teilhabe am bargeldlosen Geldverkehr zu ermöglichen. Doch die hat ihren Preis.

(Foto: dpa)

BerlinDas Basiskonto sollte eigentlich mehr Teilhabe ermöglichen. So sollten Menschen Zugang zu bargeldlosen Bankgeschäften bekommen, die zuvor von den Banken wegen zu geringen Einkommens oder eines fehlenden Wohnsitzes als Kontoinhaber abgelehnt worden waren – etwa Asylbewerber, Obdachlose oder überschuldete Menschen. Doch die Geldinstitute haben die neue Regelung offenbar zu ihrem Vorteil genutzt und kassieren gerade bei den Basiskonto-Kunden unverhältnismäßig viel ab. Nun hat die Verbraucherzentrale hat sechs Kreditinstitute wegen zu hoher Gebühren beim Basiskonto abgemahnt. Das teilte die Organisation am Montag mit.

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale verstoßen die Deutsche Bank, die Postbank, die Targobank, die Sparkasse Holstein, die Volksbank Karlsruhe und die BBBank gegen die im Zahlungskontengesetz festgelegten Richtlinien. Diese besagen unter anderem, dass die Gebühren „angemessen und marktüblich“ sein müssen.

„Basiskonten sollten vor allem Verbrauchern, die wenig Geld haben, den Zugang zu bargeldlosem Zahlungsverkehr ermöglichen“, sagt Christina Buchmüller, Finanzexpertin vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Dieser Zweck wird unterlaufen, wenn Verbraucher gerade für Basiskonten mehr zahlen müssen als andere Kunden für vergleichbare Konten“.

Die Institute erheben dem Bericht zufolge für das Basiskonto teilweise ein hohes monatliches Grundentgelt, teilweise hohe Kosten für Einzelposten wie beleghafte Überweisungen. Zudem bemängele die Verbraucherzentrale, dass es für internetaffine Kunden bei den meisten Banken kein gesondertes, günstigeres Online-Basiskonto gibt. Hierdurch werde das Nutzerverhalten nicht hinreichend berücksichtigt, so die Verbraucherschützer.

Angesichts niedriger Zinsen kämpfen immer mehr Banken mit sinkenden Erträgen. Um die sinkende Zinsmarge aus dem Einlage- und Kreditgeschäft zu kompensieren, sind viele Institute dazu übergegangen, Kontogebühren einzuführen. Leistungen, die früher kostenlos waren – zum Beispiel Überweisungen, die man am Bankschalter macht – kosten nun Geld. Ein vom Verbrauchermagazin „Finanztest” am Montag veröffentlichter Vergleich hat gezeigt, dass kostenlose Konten „ohne Wenn und Aber“ noch kaum zu finden sind. So waren von 200 verglichenen Banken gerade einmal 25 Konten tatsächlich kostenlos.

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9 Kommentare zu "Abmahnungen von Verbraucherschützern: Teure Basiskonten – Banken unter Druck"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Diese sog. Basiskonten für Arme - auch für Asylbewerber - wurden per Gesetz den Banken aufgedrückt.
    Es war vollkommen klar, dass Kosten entstehen und diese Kosten weitergegeben werden.
    Eine Bank ist nicht das Sozialamt oder eine Unterabteilung des BAMF.

    Wenn der Gesetzgebers es so wichtig erachtet, dass Jeder ein Basiskonto haben muss, dann soll der Finanzminister dem Sozialministerium entsprechende Mittel zuweisen, die dieses den Banken gibt.

  • Wechseln und entspannt bleiben. Hier mal eine Auswahl an kostenfreien Girokonten, die sogar verzinst oder mit einem Startguthaben belegt sind:
    https://goo.gl/4Mbjp3
    und
    https://goo.gl/KieFBc

  • @Herr J-Fr. Pella
    Diese Diskussion könnten wir ewig weiterführen ... aber meine Kunden warten ....

    a) gibt es nicht "die Banken" ich hoffen Sie sehen einen Unterschied zwischen Zockerbuden mit angehängtem Kundengeschäft und Banken, die versuchen mit ihren Kunden "Geschäft" zu machen, das beide Parteien weiterbringt (z.B. Volksbanken und Sparkassen).
    b) Nach der Logik: Milliardengewinne aus früheren Zeiten verzockt = Jetzt darf per Gesetz nichts mehr verdient werden: Bedeutet das für wohl nach dem Abgasskandal bei VW, dass demnächst doch ein Gesetz kommt, was alle (auch die "unschuldigen") Autohersteller zu einem kostenlosen Auto für jedermann verpflichtet. Ich freue mich schon drauf ....

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 
    Wo sind denn die Milliardengewinne hin? In den Taschen der Vorstände, der Investment-. Angestellten, der Aufsichtsräte usw.
    Anno 2007/8 mußte der Staat (also der Bürger) mit Steuergelder dafür sorgen, dass
    etliche Banken nicht pleite gingen, weil sie mit dem Geld anderer Leute gezockt haben, schlimmer als auf der Rennbahn. Diese Banken müssen vom Markt verschwinden, genauso wie die ehemaligen Stahlwerke und Steinkohlengruben.
    Das Ruhrgebiet verlor über 130 000 Arbeitsplätze, ohne Zulieferanten.
    Aber dies ist alles Schnee von gestern.

  • .... und wieder mal stelle ich mir die Frage: Warum sollen Banken alles kostenlos machen? Gibt es eigentlich ein Gesetz, für ein kostenloses Basis iPhone oder ein Basis Auto, selbst der sogenannte "öffentliche" Nahverkehr darf verlangen was er will und keiner regt sich darüber auf, dass die "Ärmsten der Armen" sich eine Zugfahrt nicht leisten können.
    Der Staat / die EU und die EZB nehmen sich das Recht heraus, den Banken auf der einen Seite mit Negativ-Zinsen die Luft abzugraben und auf der anderen Seite auch noch eine ordentliche Bepreisung von Leistungen zu verbieten. Ist das noch "freie Marktwirtschaft.

    Ein Handelsblatt bekomme ich auch nur, wenn ich was dafür zahle. Dabei hab ich doch ein Recht auf Information .... warum nicht ein Basis-Handelsblatt, das nichts kosten darf. Die Redakteure verzichten bestimmt gerne auf ihr Gehalt, denn die Abo-Preise für die anderen dürfen ja nicht erhöht werden ... oder war das nur bei den Banken so strikt geregelt ... ?

    Ach so ... bevor der Shit-Storm kommt ... ja ich bin Banker und ja, ich hab auch ein Anrecht auf a) freie Meinung und b) dass mir der Staat nicht meinen Arbeitsplatz mit völlig unnötigen Gesetzen weg reguliert und sich die Banken bald kein Personal mehr leisten können.

  • Sepp Tember@
    weil Ihre Einlage Sie zum Gläubiger macht und der Betrag um das zig-fache gehebelt wird.

  • das ist völig richtig, einen Bank ist ein Wirtschaftsunternehmen und kein Sozialinstitut, wenn der Staat den Armen helfen will, muß er den H4 Satz erhöhen

  • Warum soll eine Bank umsonst , auf anderer Leute Geld aufpassen ?

  • Banken unter Druck ............
    und der oberste Aufseher der Banken, insbesonders der Präsident der BAFIN,
    ermuntert in seiner Rede die Banken den Kleinanlegern und kleinen Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dieser Mann wird von unseren Steuergeldern bezahlt.!!
    Schon merkwürdig oder?

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