Absicherung der Hinterbliebenen
Klassiker ist auf dem Weg in die Nische

Der Verkaufsboom der Kapitallebensversicherungen zu alten steuerlichen Vorzugsbedingungen zum Jahresende 2004 hat eins gezeigt: Eine Lebensversicherung, über die bei Ablauf frei verfügt werden darf, deckt offenbar den Bedarf vieler Nachfrager.



HB DÜSSELDORF. Steuerliche Anreize können es beim Abschluss nicht gewesen sein, denn da bieten die neuen Rürup-Rentenversicherungen deutlich mehr; im übrigen fördert der Staat nach Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes zum 1. Januar 2005 ohnehin nur noch Renten.

Die meisten Lebensversicherer erwarten denn auch, dass die kapitalbildende Lebensversicherung nach Wegfall des Steuerprivilegs an Bedeutung verlieren, nicht aber vom Markt verschwinden wird. Dafür gibt es gute Gründe. Denn diese Versicherung verbindet zwei wesentliche Aspekte, die keine Rente bieten kann. Sie leistet im Todesfall die volle Versicherungssumme an die Hinterbliebenen, wobei deren Alter, Ehedauer oder Verwandtschaftsgrad keine Rolle spielen. Und sie bietet im Alter eine Leistung, die nicht zweckgebunden ist. So unterlegt sie das - vielleicht eher konsumorientierte - Eigeninteresse des Nachfragers mit dem Motiv des Hinterbliebenenschutz. Ein Gedanke, mit dem die Werbung für diese Art der Altersvorsorge schon vor rund einhundert Jahren erfolgreich Kunden köderte.

Tatsächlich bietet eine kapitalbildende Lebensversicherung (KLV) den Todesfallschutz preiswerter an, als zwei einzelne Verträge zur eigenen Altersvorsorge und zur Absicherung der Hinterbliebenen. Denn der Beitrag zu einer gemischten Lebensversicherung, wie die KLV einst genannt wurde, ist wie eine feste Bankannuität kalkuliert. Die einzelnen Bestandteile variieren zueinander im Laufe der Jahre. Eigentlich müsste der Todesfallanteil mit dem Alter der versicherten Person steigen. Doch da das riskierte Kapital des Versicherers in Folge des steigenden Geldvermögens des Versicherten, Deckungskapital genannt, konstant fällt, bleibt der Todesfallschutz relativ preiswert.

Allerdings ist diese Form der Lebensversicherung, die erstmals um 1872 auf dem deutschen Markt auftauchte, inzwischen etwas in die Jahre gekommen. Dieses leicht altbackene Image wirkte sich auf das Neugeschäft aus. Das heißt: Die Kapitallebensversicherung hat in den vergangenen Jahrzehnten konstant an Bedeutung eingebüßt. So machte sie im Jahr 1960 - gemessen an der Zahl abgeschlossener Verträge - 77,8 Prozent des gesamten Neugeschäfts der deutschen Lebensversicherungswirtschaft aus. Bereits zwanzig Jahre später, also 1980, lag der Anteil der kapitalbildenden Verträge einschließlich der Fondspolicen bei nur noch 56,4 Prozent. Weitere zwanzig Jahre danach - im Jahr 2000 - war ihr Anteil am Neugeschäft auf 36,4 Prozent abgesackt. Ohne die fondsgebundenen Verträge wäre der Einbruch noch wesentlich stärker ausgefallen. Und 2003, im letzten Normaljahr vor dem großen Schlussverkauf, waren gerade noch 24,6 Prozent aller neu abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge Kapital-Lebenspolicen.

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