Aktuelle Umfragen
Vorsorgen statt konsumieren

Dies ist keine Zeit für Anschaffungen und Vergnügungen, glauben viele Deutsche. Das geht jedenfalls aus aktuellen Umfragen hervor. Hoch im Kurs steht hingegen die Vorsorge - für schlechte Zeiten und den Ruhestand.

STUTTGART/BERLIN. Die Deutschen wollen wegen der angespannten Wirtschaftslage und des kräftigen Abschwungs den Gürtel enger schnallen und auf größere Anschaffungen verzichten. Dies geht aus einer am Donnerstag in Stuttgart veröffentlichten repräsentativen Umfrage unter 3 000 Verbrauchern der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Eine ebenfalls gerade veröffentlichte Erhebung der Dresdner Bank kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Bei der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen wurden 1 300 Erwachsene befragt.

Nach der Ernst & Young-Befragung planen viele Bundesbürger, vermehrt bei Discountern einzukaufen. Zwei von drei Verbrauchern achten stärker auf den Preis und auf Sonderangebote, 45 Prozent kaufen häufiger bei Discountern ein, jeder fünfte legt mehr Geld zurück, hieß es. Große Anschaffungen wie ein Autokauf werden der Umfrage zufolge besonders häufig vertagt (44 Prozent), jeder dritte verzichtet häufiger auf den Restaurantbesuch. Am Urlaub will ebenfalls jeder dritte Befragte sparen.

Fast die Hälfte der Deutschen sei der Meinung, dass ihr Lebensstandard in den vergangenen zehn Jahren gesunken sei nur jeder vierte sehe eine Verbesserung seines Lebensstandards, teilte Ernst & Young mit. Vor allem ältere Personen beklagten eine Verschlechterung ihrer Situation. "Obwohl die Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren deutlich zurück ging und die Wirtschaft florierte, haben viele Menschen in Deutschland das Gefühl, dass sie sich weniger leisten können", erklärte Thomas Harms von Ernst & Young.

Auch nach der Umfrage der Dresdner Bank wollen die Deutschen vor allem bei größeren Anschaffungen sparen. Jeder Dritte will hier laut dieser Erhebung zurückstecken. Den Urlaub halten 27,6 Prozent am ehesten für verzichtbar. Weniger sparen wollen nur 14,2 Prozent. Das sei ein Zeichen dafür, dass die Vorsorge für schlechtere Zeiten und das Alter weiterhin hoch im Kurs stehen, hieß es. Nur 6,5 Prozent gaben an, am ehesten bei den Weihnachtsgeschenken sparen zu wollen.

Der Bank zufolge befürchtet jeder zweite Deutsche, den Gürtel im kommenden Jahr enger schnallen zu müssen. 47,6 Prozent rechnen mit einem geringeren Einkommen, ergab die Befragung. 41,5 Prozent erwarten unveränderte Finanzen, nur 9,6 Prozent gehen von einem steigenden Einkommen aus.

Der Volkswirt Rolf Schneider von der Dresdner Bank warnte jedoch vor einem übertriebenen Pessimismus: "Preissenkungen bei Heizöl und Benzin entlasten schon heute die Haushaltskasse." Mehr Spielraum für den privaten Konsum entstehe nächstes Jahr durch Preissenkungen auch bei anderen Gütern. Schneider rechnete zudem schon im Verlauf des Jahres 2009 mit einem Ende der Rezession in Deutschland.

Das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geht davon aus, dass die Reallöhne 2009 bei einer erwarteten Teuerungsrate von etwa einem Prozent erstmals seit 2004 wieder erkennbar steigen.

Grund für die weit verbreitete Skepsis ist den Angaben der Dresdner Bank zufolge die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Fast jeder Fünfte hält demnach seinen Job für gefährdet. Umgekehrt sehen nur noch 72,1 Prozent der Berufstätigen ihre Position als gesichert an - vor einem Jahr waren es noch 74,3 Prozent. "Und die Sorgen werden noch größer, wenn die Bürger auch an Freunde und Verwandte denken", hieß es. Dann sehen 55,1 Prozent die Arbeitsplätze als gefährdet an. Auch die meisten Experten erwarten Jobverluste. Die Industrieländer-Organisation OECD rechnet bis Ende 2010 mit 700 000 Arbeitslosen mehr.

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