Alte Sparbücher
Bei Reichsmark haben Sie Pech

In vielen deutschen Häusern liegen in irgendwelchen Kartons oder Matratzen noch Jahrzehnte alte Sparbücher und Aktien. Vergessene Schätze. Viele Banken weigern sich, das Geld auszuzahlen. Was Sparer tun können.
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FrankfurtHier ein altes Tagesgeldkonto, dort ein Depot, in dem noch ein paar hoffnungslose Aktien ihr Dasein fristen, dazu noch ein Sparbuch, das ein Guthaben in D-Mark ausweist. Bei so manchem Anleger tummeln sich ein paar längst vergessene Schätze. Die gute Nachricht: Guthaben bei einer Bank können in der Regel nicht verfallen. Die schlechte: Manchmal versuchen die Institute trotzdem, sich vor einer Auszahlung zu drücken.

Grundsätzlich gilt: Nur weil der Kunde sein Geld oder seine Wertpapiere lange nicht angerührt hat, kann die Bank sie nicht einfach einbehalten. "Sparkonten dürfen auch "bewegungslos" sein, das heißt, es gibt keine Fristen, die eingehalten werden müssten. Das Guthaben verfällt nicht", sagt Tanja Beller, Sprecherin beim Bundesverband deutscher Banken.

Verschiedene Gerichtsurteile belegen dies. Sie zeigen aber auch, dass die Banken manchmal versuchen, die Kunden abzuwimmeln. So musste eine Frau vor Gericht einklagen, dass sie eine Auszahlung von ihrem Sparbuch erhält, das sie 38 Jahre lang nicht in Anspruch genommen hatte. Die Bank hatte alle Unterlagen nach Ablauf der handelsrechtlichen Aufbewahrungsfrist von 30 Jahren vernichtet und sich auf eine Verjährung berufen, auch weil sie davon ausging, dass das Guthaben längst ausgezahlt worden sei. Solch einen Automatismus aber gibt es nicht. Das Gericht gab daher der Frau recht (Aktenzeichen: 2 U 12/04).

Wichtig ist, dass der Kunde einen Nachweis über seine Forderung gegenüber der Bank hat - zum Beispiel ein nicht entwertetes Sparbuch. Die Bank wiederum müsste beweisen, dass die Forderung nicht mehr besteht, also das Guthaben ausgezahlt wurde. Verfügt sie nicht mehr über ausreichende Unterlagen, mit denen sie die Auszahlung beweisen kann, darf dies nicht zulasten des Kunden gehen, entschied zuletzt das Oberlandesgericht Frankfurt (Aktenzeichen: 19 U 180/10).

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  • Ich finde, Banken sollten zu hohen Strafen verurteilt werden wenn Sie versuchen Geld zu unterschlagen. Das 100 oder gar 1000 fache des Betrages um den es auf dem Sparbuch geht als Schadensersatz wäre eine vernünftige Lösung, dann wäre es mit dem Versteckspiel ganz schnell vorbei. Wenn man was erreichen will, muss man Strafen so ansiedeln das ein derartiges Verhalten definitv höchst unrentabel ist. Aktuell rechnen die einfach so: Von 100 Kunden kreiden evtl. 10 die Entscheidung an, passieren tut uns gar nichts, von den 10 Kunden versterben auch noch die Hälfe bevor irgendwas ausgezahlt werden muss. Schon ist es ein profitables Geschäft. Also untrentabel machen um das Geschäft zu zerstören.

  • Vielen Dank für Ihren Hinweis. Der Fehler wurde behoben. Mit freundlichen Grüßen die Redaktion

  • Bei Banken im Ausland sei man jedoch vorsichtig. Manchmal haben die eine "Dormant-Gebuehr", die in Rechnung gestellt wird, wenn das Konto fuer laengere Zeit keine Bewegung hat. Sinn dieser Gebuehr ist es, ein nicht genutztes Konto irgendwann auf 0 zu bringen, wonach es automatisch aufgeloest wird.

    Auch ueber Mindesteinlagebestaende sollte man sich informieren, da beim Unterschreiten auch hier oft Gebuehren verrechnet werden. Mir ist trotz aller Vorsicht und Information einmal passiert, dass der Mindesteinlagebestand nachtraeglich wesentlich erhoeht wurde und ich dies nicht wusste. Mein Konto war wegen der verrechneten Spesen sehr bald ohne Bestand und aufgeloest.

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