Altersvorsorge
Absatz von Lebenpolicen bricht ein

Der Branchenverband der Versicherer stellt neue Zahlen vor. Die Lebensversicherer verwalten zwar soviel Geld wie nie zuvor. Immer weniger Kunden möchten aber eine Police abschließen.
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Das Ritual ist jedes Jahr das gleiche. Mitten im Hochsommer, wenn die Temperaturen ihren Höhepunkt erreichen und die Schulferien in den meisten Bundesländern beginnen, stellt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) seine Jahresstatistik vor.

In diesem Jahr lässt ein Blick in das 34 Seiten dicke Heftchen „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2014“ nicht nur Branchenkenner aufhorchen. Denn im vergangenen Jahr ist die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge eingebrochen. 5,5 Millionen neue Verträge schlossen die Versicherten im vergangenen Jahr ab. Der Rückgang zum Vorjahr beträgt 13 Prozent. Wie der Einbruch auf die Branche wirkt, zeigt ein Blick auf die entgangenen Beiträge. Die Beitragssumme des Neugeschäfts sank um 20 Milliarden Euro auf 149 Milliarden Euro.

Besonders drastisch brach der Verkauf von Riester-Renten auf Basis von Lebenpolicen ein. Nur 453.000 neue Verträge wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen. Das Minus zum Vorjahr beträgt rund 26 Prozent. Sogar der Gesamtbestand an Riester-Renten der Versicherer sank um rund 100.000 Verträge auf 10,8 Millionen. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise im Jahr 2007 schlossen noch mehr als zwei Millionen Kunden eine Riester-Rente bei den Lebensversicherern ab. „Offensichtlich gelingt es den Versicherern nicht, trotz neuer Konzepte mit ihren Produkten zu überzeugen", sagt Axel Kleinlein, Vorstand beim Bund der Versicherten. „Es spricht für die Klugheit der Verbraucher, wenn sie mehr und mehr Abstand zu den Angeboten der Versicherer nehmen. Umso mehr ist die Politik gefordert, vernünftige Lösungen zur Altersvorsorge zu forcieren.“

Auch wenn das verwaltete Kunden-Vermögen der Versicherten erstmals über 900 Milliarden einen Rekordwert erreicht, zweifeln viele Kunden an der Attraktivität der klassischen Lebensversicherung. „Wir raten von dem Abschluss einer Kapitallebenpolice aktuell ab,“ sagt Rita Reichard, Referentin für Versicherungen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Verbraucherschützer empfehlen stattdessen alternative Sparprodukte und raten dazu Risikoleben-Policen besser getrennt abzuschliessen. „Sinkende Garantiezinsen und mögliche nachteilige Regelungen bei den Bewertungsreserven verunsichern die Verbraucher“, sagt Reichard.

Die langsam sinkenden Kosten - die Verwaltungskostenquote sank 2013 zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent – kann die sinkenden Renditen im Zeiten des Zinstief kaum wettmachen. Auch die in Zeiten des Wirtschaftsbooms mit sinkenden Arbeitslosenzahlen um 0,16 Prozentpunkte zum Vorjahr sinkende Stornoquote von 3,32 Prozent bedeutet noch keine Entwarnung. Bei einer Laufzeit von 15 Jahren und einer jährlichen Kündigungsquote von 3,32 Prozent würden nur vier von zehn Versicherten vorzeitig kündigen und auf einen großen Teil ihrer Rendite verzichten.

Die Stornoquote weise den niedrigsten Wert seit 1993 aus, rechtfertigt sich der GDV: „Im aktuell schwierigen Umfeld ist dies als Vertrauensbeweis der Kunden in ihre Lebensversicherung zu werten“. Der Verband erklärt weiter: „Die deutschen Lebensversicherer tragen bereits heute erhebliche Verantwortung für die Sicherung der Alterseinkünfte“. Im vergangenen Jahr wurden laut GDV Leistungen von mehr als 80 Milliarden Euro an die Kunden ausgezahlt. „Tag für Tag zahlen die Lebensversicherer damit über 200 Millionen Euro aus“, erklärt der GDV.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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  • ick habe schon mal n problem
    bei diesen finanzkonstruktionen von produkten zu reden
    denn erstellt wurde zumeist kein werkstück mit bestand
    sondern ein virtuelles konstrukt an das "mann und frau" glauben muss und nur solang existiert als der glaube anhält oder die steuerersparnislücke nicht geschlossen ist
    es ist doch toll und bezeichnend das die "topprodukteentwickler" der vergangenheit samt und sonders entzaubert wurden

  • ... aber auch die klassischen Produkte bringen für die heutige Zeit akzeptable Renditen.
    Es gibt wohl kein Produkt, bei dem der Kunde so sehr nicht als erstes seinen Nutzen, sondern den Verdienst des Vermittlers hinterfragt. Beim Auto-, Hosen-, Brötchen-, Handykauf ist es mir doch auch egal, was der Verkäufer dran verdient... Hauptsache, für mich ist die Kosten-/ Nutzenrelation i.O.

  • In meiner Bank haben wir sehr viele Kunden, die in den letzten Jahren gerade fondsgebundene Rentenversicherungen abgeschlossen haben. Die Verträge weisen alle 2 stellige Jahresrenditen (nach Kosten) auf und verfügen über ein LockIn Prinzip. Den Kunden ist es völlig egal, was die Bank daran verdient hat. Die kündigen die Verträge nicht, sondern schießen Kapital nach!!!

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