Altersvorsorge
Die Lücken bleiben groß

Wie groß sind die Rentenlücken in Deutschland? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, hat das Institut der deutschen Wirtschaft auf Grundlage von Einkommens- und Verbrauchsstichproben die Vermögenssituation deutscher Haushalte untersucht. Das Ergebnis: Viele kümmern sich zu spät um ihre Altersvorsorge.

KÖLN. Für alle Haushalte, in denen ein Arbeiter oder Angestellter der Hauptverdiener ist und nach 1943 und vor 1979 geboren wurde, wurde das Vermögen berechnet, über das der Haushalt in 2003 hätten verfügen sollen, um unbesorgt in die Zukunft zu schauen. Um herauszubekommen, wie viel angespart sein sollte, um daraus im Alter ausreichende Einnahmen zu beziehen, wurde unterstellt, dass die Haushalte im Ruhestand einen bestimmten Anteil des früheren Bruttoeinkommens mit Erspartem ersetzen wollen. Die Rentenlücken werden also als Vermögenslücken ausgewiesen.

Zwar scheint es auf den ersten Blick keine Rentenlücke zu geben. Allerdings verstellt der statistische Mittelwert den Blick auf die Realität. Vermögen sind nicht gleichmäßig verteilt. Für viele sieht es nämlich mau aus: Die Hälfte aller Haushalte, deren Hauptverdiener zwischen 1964 und 1968 zur Welt kam, hatte im Jahr 2003 mindestens knapp 30 000 Euro zu wenig auf der hohen Kante, um im Alter ab 65 Jahren ohne größere Einschnitte leben zu können. Würden die Betroffenen ein Jahr länger arbeiten und sparen, würden ihnen noch immer fast 24 000 Euro fehlen. Die Lücken bei den jungen Haushalten mit einem Hauptverdiener, der nach 1974 geboren wurde, sind kleiner.

Dies hat jedoch zwei Gesichter: Einerseits hat ein junger Mensch noch relativ viel Zeit, Lücken zu schließen. Andererseits bedeutet eine Lücke von beispielsweise 10 000 Euro für jemanden, der in zehn Jahren in Rente geht, einen Fehlbetrag von nur 45 Euro pro Monat, während mit der gleichen Vermögenslücke jemand, der noch 40 Jahre zu arbeiten hat, später einmal monatlich 126 Euro zu wenig im Geldbeutel haben wird. Denn lägen die 10 000 Euro bereits heute auf der hohen Kante, würden sie sich bis zum Jahr 2047 mit Zins und Zinseszins entsprechend vermehren. Gerade junge Menschen sollten sich deshalb mit dem Thema Vermögensbildung beschäftigen.

Manfred Jäger ist Experte für Finanzmarktökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft.

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