Altersvorsorge: „Es ist fahrlässig, auf Aktien zu verzichten“

Altersvorsorge
„Es ist fahrlässig, auf Aktien zu verzichten“

Die Zinsen sind so niedrig wie niemals zuvor, und die Börsen feiern eine Hausse. Trotzdem meiden die Deutschen Aktien bei der Vorsorge fürs Alter. Warum Finanzprofis das für einen Fehler halten.
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Die Börsenbilanz kann sich sehen lassen. Im vergangenen Jahr legte der Deutsche Aktienindex (Dax) knapp 30 Prozent zu. Seit dem Tief von 3.588 Punkten im März 2009 ging es hoch auf zuletzt 7.716 Punkte - damit haben sich die Aktienkurse hierzulande mehr als verdoppelt.

Privatanleger lässt die Hausse der vergangenen fünf Jahre aber kalt. Selbst bei langfristigen Investments, bei denen vorübergehende Kursverluste nicht ins Gewicht fallen, setzen die Anleger nicht auf Aktien.

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag der Postbank zeigt: Nur sieben Prozent der Deutschen planen, im Ruhestand auf Aktienerträge zuzugreifen. Das ist ein Drittel weniger als noch 2003.

Der Ruf der Aktie hat laut Umfrage in den vergangenen Jahren gelitten. Nur noch zehn Prozent der Deutschen halten diese Anlageklasse für eine „ideale Vorsorgeform“. Gerade einmal jeder achte Deutsche schätzt, dass Aktien oder Aktienfonds „hohe Erträge und eine gute Rendite“ bringen. Zum Vergleich: Goldmünzen halten 21 Prozent der Deutschen für renditestark, vermietete Immobilien sogar 32 Prozent.

„Es wäre bedauerlich, wenn die Bundesbürger bei der langfristigen Anlage - etwa zur Vorsorge - das Vertrauen in die Börse verlieren“, sagt Susanne Klöß, Generalbevollmächtigte Produkte bei der Postbank. „Ein der persönlichen Situation angemessener Aktien-Anteil im Depot kann bei einer seriösen Finanzplanung durchaus sinnvoll sein.“ Nach Jahres-Prognosen der Postbank sollen die vier Indizes Dax, Eurostoxx 50, S&P 50 und Topix bis Ende 2013 über den aktuellen Niveaus liegen.

Finanzprofis raten zum Kauf von Aktien. „Es ist fahrlässig bei der langfristigen Vermögensplanung auf Aktien zu verzichten“, sagt Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. Er verweist auf die höheren laufenden Erträge im Vergleich zu Zinsprodukten. Aktien seien derzeit noch niedrig bewertet und die Aussicht auf Kursgewinne deshalb gut. „Nicht zuletzt bieten Aktien eine Absicherungsfunktion gegen eine zinslose Inflation“, sagt Flossbach.

Viele Verbraucherschützer bemängeln bei den klassischen Altersvorsorgeprodukten wie Rentenversicherungen niedrige Zinsen, hohe Kosten, mangelnde Transparenz und kundenunfreundliche Sterbetafeln. „Aktien oder Aktienfonds sind zwar kein Altersvorsorgeprodukt, taugen aber zum Ansparen sehr gut“, sagt Axel Kleinlein, Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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  • Aktienfonds sind keine Aktien, schreiben Sie sich das hinter die Ohren.

    Aktiensparen ist ganz einfach, wenn man sich an ein paar Grundregeln hält. Das Unternehmen sollte etabliert sein, das Produkt muss man verstehen und es muss zukunftsfähig sein und das KGV sollte unter 15 sein, denn man soll ja nicht zu teuer einkaufen. Und dann kauft für jeweils 2000 € Nestle, BASF, GlaxoSmithKline, Coca Cola und Enel und fertig ist die Laube. So sind dann 10000 € zukunftsfest angelegt.

    Aktienfonds taugen deshalb nichts, weil da viel zu viel Aktivität vorherrscht, um Gebühren zu generieren. Fondsmanager sind aber samt und sonders übergezahlt. Wenn ein Fondsmanager mehr Gehalt bezieht als Warren Buffet, dann soll er auch besser sein als Warren Buffet. Buffet gönnt sich lediglich 100000 $ Privatentnahme pro Jahr.

  • Ich frage mich, wie die Beliebtheit der Altersvorsorge gemessen wurde und warum die staatliche Rente auf Platz 1. Das ist eine Zwangsrente und es gibt keine freie Wahl zu dieser Rente, deshalb sollte sie hier auch nicht aufgeführt werden.

  • Moneymaker
    Was heisst hier Rente und dazu Altervorsorge. Warúm versucht die Politik die private Altersvororge in den Vordergrund zu stellen, damit die Banken und Versicherungen die Anleger abzocken können. Dazu kommt die softy eggs Gruppe "unabhängige Richter" dazu. Siehe auch Handelsblatt vom 15. Jänner 2013 auf Seite 13 (Compliance als Fundgrube" - Schmeichelkurs zwischen Kapital und Justiz gerade nicht sonderlich hervorgehoben, aber das war Realität. Da zeigen auch viele Urteile vor dem BGH. Ausnahmen bestätigen die Regeln, wie in dem Lehman & Brothers Fällen die Anleger leer ausgingen. Da braucht man doch nicht allerlei Kleinkram argumentieren, solange die "Softy's" "unhabhängige Rechtsprechung" für die Banken sind, werden noch viele Anleger ihr Geld nicht wiedersehen. Ich denke nur an die Deutsche Telekom und an den Anbzocker Manfred Krug, der für die Telekom geworben hat. Demnach ist die Justiz dran, die müüste man "b"packen.

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