Altersvorsorge-Experte im Interview
„Vielen droht im Alter Hartz-IV-Niveau“

Ein Leben von Hartz IV ist für viele ein Schreckgespenst. Doch im Alter werden viele über dieses Niveau nicht hinauskommen, sagt Frank Breiting. Der Altersvorsorgeexperte erklärt, warum wir das Problem unterschätzen.
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Altersarmut ist ein großes Problem und es wird immer größer. Denn viele Deutschen glauben zu Unrecht, genügend für das Alter vorzusorgen. Frank Breiting, Leiter private Altersvorsorge bei der Deutschen Asset & Wealth Management, rechnet vor, wie wenig von der gesetzlichen Rente übrig bleibt und erklärt, wie Sparer gegensteuern sollten.

Herr Breiting, warum glauben immer noch so viele Deutsche, ihre Rente sei sicher?

Die Wenigsten haben ein Gefühl dafür, wie viel Geld sie im Alter wirklich zur Verfügung haben und was ihre Rente dann noch wert ist. Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung Bund ist da leider wenig hilfreich, eher im Gegenteil: sie verschärft das Problem sogar noch.

Warum?
Wenn dort steht, Ihre künftige Regelaltersrente würde 2.000 Euro betragen, dann fühlt sich das erstmal gut an. Diese Summe beruhigt. Doch leider führt sie auch in die Irre. 2.000 Euro mögen sich bei heutiger Kaufkraft gut anhören, aber wenn Sie die Inflation berücksichtigen, dann ist das Geld später natürlich viel weniger wert.

Eine schleichende Wertvernichtung, die vielen nicht bewusst ist.
Der Kaufkraftverlust ist ein häufig verdrängtes Problem bei der Altersvorsorge. 2.000 Euro heute sind eben nicht 2.000 Euro zu Rentenbeginn. Da braucht es keine Hyperinflation. Selbst bei einer jährlichen Teuerungsrate von zwei Prozent, wie sie die Europäische Zentralbank anstrebt, halbiert sich die Kaufkraft nach 35 Jahren. Und das ist nicht das einzige Problem.

Sondern?
Viele wissen gar nicht, dass auf ihre Rente Steuern zahlen müssen. Wer beispielsweise 2027 in den Ruhestand tritt und dann 2.050 Euro bekommt, müsste gut 200 Euro Steuern zahlen.

Auch die Krankenkasse schmälert die Rente.
Auch da erleben viele eine böse Überraschung, weil sie nicht wissen, dass sie im Alter beide Teile der Krankenversicherung bezahlen müssen. Wenn es keinen Arbeitgeber mehr gibt, kann dieser natürlich auch seinen Anteil an den Krankenversicherungsbeiträgen nicht mehr weiterzahlen.

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  • Die Rentner welche in 2013 eine Rente beantragten, haben im Schnitt eine Rente von € 937,- mtl. Bei einem Durchschnittseinkommen von derzeit € 35.000 jährlich erwirbt man einen Rentenpunkt= € 28,60 d.h. wenn ein AN 40 Jahre gut verdient, hat er einen Rentenanspruch von ca. 1.120,- mtl.
    Dagegen beträgt die Durchschnittspension € 2.840,- mtl. ohen eigene Beitragsleistung

  • Danke Herr Martell: endlich jemand der die Zahlen kennt. Die Unterschiede Rente versus Pension sind ein Skandal!

  • Herr Gramm: Und wieder vergessen Sie die größte Gruppe, welche sich mit fetten Pensionen die Tasche vollstopft, es sind die Beamten bzw. Pensionäre! Natürlich auch die Politiker, welche Sie erwähnen, aber diese sind absolut wesentlich weniger!

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