Altersvorsorge im Zinstief
Schäuble sieht keinen Spielraum für staatliche Förderung

Bei seinem Neujahrsempfang hat der Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zusätzliche Anreize für die Altersvorsorge gefordert. Adressat war Finanzminister Schäuble – und der winkt ab.
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BerlinDie Flutung des Euroraumes mit Liquidität durch die Europäische Zentralbank (EZB) bedroht die Altersvorsorge. Nun fordert der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, die Politik auf, Anreize für die Vorsorge zu schaffen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reagiert reserviert.

Auf dem Neujahrsempfang des Branchenverbands GDV am heutigen Freitag trommelt Erdland in eigener Sache. Er machte folgende Rechnung auf: Die Senkung des durchschnittlichen Zinsniveaus um einen Prozentpunkt bedeutet, dass ein Bürger 15 Prozent mehr aufwenden muss, um im Alter auf das gleiche Vorsorgeniveau zu kommen.

Trotz der relativ guten wirtschaftlichen dürften dazu die wenigsten Bürger in der Lage sein. Erdland appellierte an den anwesenden Bundesfinanzminister, die Vorsorge zu fördern. Das könnte beispielsweise durch eine Prämie für das Sparen im Alter geschehen oder durch eine Dynamisierung der Riester-Förderung. „Wir haben zwar großen Respekt für die schwarze Null im Bundeshaushalt, aber dies sei auch durch die niedrigen Zinsen möglich geworden“, so Erdland. Die dadurch gewonnen Spielräume sollte die Regierung nutzen, damit die Vorsorgelücke nicht noch größer werde.

Bundesfinanzminister ging nicht direkt auf die Forderungen ein, unterstrich aber: „Wir werden alle finanziellen Spielräume nutzen, um die Investitionen zu verstärken.“ Von einer Förderung der Vorsorge war nicht die Rede. Allerdings sieht Schäuble eine andere Chance für Versicherer: Sich an den Investitionen für die öffentliche Infrastruktur zu beteiligen. Er begrüße die Ankündigung der EU-Kommission, dass die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa Wege auslotet, um die Branche an solchen Projekten besser zu beteiligen.

Aber die Branche müsse sich auch an die eigene Nase fassen. „Wir vertrauen darauf, dass die Branche neue Produkte entwickelt“, sagte Schäuble mit Verweis auf Bafin-Präsidentin Elke König, die auch auf dem Empfang war. König hatte Mitte des Monats die Branche aufgefordert, Produkte zu entwickeln, „die dem Marktumfeld – sprich: den niedrigen Zinsen – ebenso gerecht werden wie den künftigen regulatorischen Anforderungen“.
König sieht die Lebensversicherer in einer schwierigen Lage. Die Stresstest- und Prognoseberechnungen würden zwar noch zeigen, dass die Unternehmen kurz- bis mittelfristig ihre Leistungsversprechen erfüllen können. Aber die Erträge der Kapitalanlagen gehen schneller zurück als die garantierten Zinsen im Bestand.

Seit 2011 müssen die Versicherer eine Zinszusatzreserve aufbauen, um die Deckungsrückstellung zu stärken. Diese Reserve beläuft sich mittlerweile auf 20 Milliarden Euro. Zum 1.1.2016 tritt zudem das Regulierungsvorhaben Solvency II in Kraft, das mit zusätzlichen Kapitalanforderungen für Lebensversicherer einhergeht.

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  • Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Ich biete hier natürlich unentgeltlich eine selbst erstellte Excel-Tabelle an, die die Netto-Rente unter einbeziehung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge berechnet. Ich verkaufe keine Beratungsleistung oder irgend welche Produkte. Was Sie mit der Erkenntnis anfangen entscheiden Sie ganz alleine! Die Bberrechnung stellt auch keine Beratung dar sondern wurde für mich allgemeingültig erstellt und kann gerne von Ihnen für Ihre Belange verändert und erweitert werden!

  • Ich kann nur jedem Abraten in solche Produkte zu "Investieren". Auf die Spielregeln kann man sich nicht verlassen! Jeder KANN seine Vorsorge selbst managen wenn er sich etwas mit dem Thema befasst und konsequent handelt. Dazu braucht es keine teuren "Berater" denen der eigene Geldbeutel über alles geht.

  • Ist doch klar, nachdem die Griechen jetzt wieder Geld ausgeben wollen, bleibt halt hier nix übrig!

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