Altersvorsorge

Niedrigzinsen gefährden Betriebsrenten

Im Euro-Raum sind die Zinsen so niedrig wie nie. Das birgt Vorteile für Unternehmen, die investieren wollen. Aber es wird auch für viele schwieriger, die Pensionslasten zu finanzieren. Die Folgen spüren die Mitarbeiter.
18 Kommentare
Beispiel Lufthansa: Europas größte Fluggesellschaft garantiert ihren Mitarbeitern im Inland bisher eine Verzinsung von sechs bis sieben Prozent der eingezahlten Beiträge. Quelle: dpa

Beispiel Lufthansa: Europas größte Fluggesellschaft garantiert ihren Mitarbeitern im Inland bisher eine Verzinsung von sechs bis sieben Prozent der eingezahlten Beiträge.

(Foto: dpa)

Frankfurt/MainDas Dauertief bei den Zinsen nagt nicht nur am Ersparten, es bereitet auch Unternehmen Probleme bei der betrieblichen Altersvorsorge. Um das Versprechen eines auskömmlichen Ruhestandbeitrags für die Mitarbeiter zu halten, muss manche Gesellschaft Geld zuschießen. Immer weniger Firmen, die für die Altersversorgung geradestehen, garantieren ihren Beschäftigten daher ein festes Versorgungsniveau.

Schwierig ist die Lage vor allem für Unternehmen, die eigene Pensionskassen unterhalten. „Pensionskassen haben oft noch eine garantierte Verzinsung von 3,5 bis 4 Prozent der Beiträge zugesagt. In Zeiten anhaltend niedriger Zinsen kann es schwierig werden, diese garantierten Zinsen erwirtschaften“, sagt Stefan Oecking, Partner bei dem Beratungsunternehmen Mercer. Im Zweifelsfall müsse das Trägerunternehmen Geld nachschießen.

Nach Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags droht in den kommenden 15 Jahren allein bei den Betriebsrenten der Mittelständler eine Deckungslücke von 4,1 Milliarden Euro. Die Pensionsverpflichtungen des Mittelstands belaufen sich dem DIHK zufolge auf insgesamt 24 Milliarden Euro, die eigentlich durch Kapitalanlagen abgesichert sein sollten.

Da die Zinseinnahmen niedriger ausfallen dürften als erwartet, müssten die Firmen die fehlenden 4,1 Milliarden Euro ausgleichen, warnte der DIHK im Frühjahr. Auf den Rekordwert von 311 Milliarden Euro beziffert Mercer die Pensionsverpflichtungen der 30 Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr, 55 Milliarden mehr als 2011. Dem steht ein Pensionsvermögen von 193 Milliarden Euro gegenüber.

Maßstab für die Berechnung von Pensionslasten ist die Rendite von Unternehmensanleihen mit guter Bonität, die seit geraumer Zeit rückläufig ist. Sinkt die Rendite der Anleihen, steigt der in der Bilanz anzusetzende Gegenwert der Pensionsverpflichtungen. Seit 2008 hat sich Oecking zufolge dadurch der Verpflichtungsumfang um 30 bis 40 Prozent erhöht.

Die Folge: die Unternehmen müssen mehr Rückstellungen bilden, was am Eigenkapital nagt.

Mitarbeiter werden stärker an Kapitalmarktschwankungen beteiligt
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Altersvorsorge - Niedrigzinsen gefährden Betriebsrenten

18 Kommentare zu "Altersvorsorge: Niedrigzinsen gefährden Betriebsrenten"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @alexx

    TOLL!!!!!!! DER BESTE BEITRAG AUF DEM HB!!!

    ALLE WOLLEN DEN KAPITALISMUS. HABEN BESTENS DAVON PROFITIERT!! SICH NICHT GEGEN DIE GLOBALISIERUNG GESTELLT. SICH NICHT BEI EINFÜHRUNG VON HARTZ 4 MIT DEN ANDEREN SOLIDARISIERT. UND JETZT JAMMERN DIESE DÄMLICHEN MENSCHEN. DA KANN ICH NUR NOCH DRÜBER LACHEN!!

    DIE MEIßTEN SCHWACHMATEN HABEN KAPITALISMUS, MIT PRIVATBESTZ UND VERMEHRUNG DES SPIELGELDES (ZINS) EBEN NOCH NIE BEGRIFFEN!!!!

  • Nun, deren "Rente" nicht vom Zinssatz und vom Beitrag abhängig ist: Die Beamten und Politiker...

  • Es ist immer wieder erschreckend, besonders auch hier auf dem HB, wie Menschen das System Kapitalsimsu nicht verstehen!! Und warum war denn KEINER bei der einführung des Euro, bei der Übernahme der DDR auf der Straße?!

    jetzt bekommt ihr Dummpfacken, die jahrelang nur an sich gedacht haben, endlich mal die längst überfällige Quittung! Und der Faschismus, und zwar der extreme (modern verpackt) steht auch schon wieder vor der Türe. Die Amerikaner machen es uns vor, wie man den Faschismus im 21. Jahrhundert lebt. Massenslams, prekäre Beschäftigung, Kontrolle der Massen, Kiregsspiele, private Gefängnisse usw.

    Es lebe die Kapitalistische Herrschende Klasse und mit ihr ein verblödetes Wahlvieh, welches sich in einem angeblich aufgeklärten Zeitalter nur noch verarschen lässt!

    Wie war das doch gleich mit der Menschlichen Dummheit?! Die endet IMMER IN EINEM WK!!

  • @Eddie: Ich habe keine Ahnung, aber gake dumm 'rum.

  • @alexx
    "Ihr seid doch alle Kapitalisten?"
    -----

    Was hat staatlich sanktionierte Enteignung, und die EZB ist staatlich, mit Kapitalismus zu tun?

    Gar nichts, das ist pure geldsozialistische zentrale Planwirtschaft und nichts anderes.

    Und wie wir ex DDR-Bürger wissen, zentrale Planwirtschaft funktioniert immer in der Aktuellen Kamera äh Tagesschau, aber niemals in der Realität...

  • Das ist die Folge von ständigen Rettungsschirmen mit Niedrigzinsen. Die Altparteien haben die europäische Wirtschaftskrise unter der Gemeinschaftswährung zu verantworten:

    01. Abgabe deutscher Souveränitäten an Brüssel.
    02. Bevormundung unserer südlichen Nachbarn und Versklavung der europäischen Bevölkerung.
    03. Verstöße gegen die Maastrichter Verträge.
    04. Staatsverschuldung in Deutschland mit 2,1 Billionen Euro.
    05. Verschuldung der Kommunen mit 130 Milliarden Euro.
    06. Permanente Verschuldungspolitik durch Rettungsschirme.
    07. Verabschiedung des ESM im deutschen Parlament.
    08. Einführung einer Fiskalunion (Europäischer Länderfinanzausgleich)
    09. Kapitalenteignung der deutschen Bevölkerung.
    10. Nachhaltige Senkung des Rentenniveaus in Deutschland.
    11. Erhebliche Zinsminderung sämtlicher Anlageformen.
    12. Verstöße gegen Gleichheitsgrundsätze, z. B. unterschiedliches Renteneintrittsalter in der EU und niedrige Löhne in Deutschland.
    13. Brüssel verweigert die Einführung von nationalen Währungen in den EU-Ländern um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
    14. Einführung vom Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Brüssel, das die Strompreise für viel Bürger in Deutschland unbezahlbar macht.
    15. Während die Bevölkerung zunehmend verarmt, werden die Banken gerettet und aufgebläht.
    16.
    Grundsätzlich: Seit über 63 Jahren zeigt der Bundesländerfinanzausgleich in Deutschland, dass die Wirtschaftsleistungen niemals identisch sein können. Die Gründe dafür, liegen in der unterschiedlichen Produktion. So bevorzugen einige Bundesländer geographisch bedingt den Ackerbau und die Viehzucht. In anderen Regionen dominieren der Maschinenbau und die Automobilindustrie. Diese unterschiedlichen Wirtschaftsleistungen müssen eben ausgeglichen werden. Weil es keine Wechselkurse gibt belastet die Fiskalunion in Europa die Geberländer jährlich mit mehreren 100 Milliarden Euro für immer. Woher soll das Geld kommen? Darum ist die AfD die erste Wahl.

  • Ihr seid doch alle Kapitalisten?

    Und nun beschwert Ihr euch, dass eure Allianz-Rente nicht "sicher" ist. Ihr jammert, weil Ihr euch auf eine neue Situation einstellen müsst und die Unterschrift unter den 30 Jahre laufenden Privatrentenvertrag euch nicht von allen Sorgen befreit.

    Da hat wohl jemand den Kapitalismus nicht verstanden. Und ja, Staat und EZB gehören zu dem Spiel dazu.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Alle Sparer von Geldvermögen und von geldnahen Anlagegeformen werden durch die minimale Verzinsung zu Deppen gemacht. Hingegen werden Schuldner zu einer Art von heiligen Kühen stilisiert, die man bewundern und nicht antasten darf.

    Sowohl niedrige Leitzinsen als auch permanente Schwemme von Geld haben das bewirkt. Die Verantwortlichen sitzen in den Regierungen/Parlamenten und in den Zentralbanken.

    Die Auswirkungen sind ähnlich der von Inflation, lediglich über die Zeit hinweg verschoben. Aber davon wollen die Schuldigen natürlich nichts wissen und behaupten auch noch frech, es sei nicht so schlimm.

  • Also die heutigen Rentner spüren noch gar nix davon, das werden die in 20 Jahren spüren, die trotz kapitalbasierter Nebenvorsorge kaum mehr in der Tasche haben. Der deutsche Michel ist halt zu blöd dazu, die irreversible Wirkung dieses schleichenden Giftes einzuschätzen

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%