Altersvorsorge
Riester-Sparer schenken dem Staat Millionen

Weil zahlreiche Riester-Kunden auf staatliche Zuzahlungen und Steuervorteile verzichten, entgehen ihnen hunderte Millionen Euro. Der Fiskus spart so viel Geld - auch, weil Kunden Antragsfristen verpassen.
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HamburgBeim Riestern verschenken viele Bundesbürger bares Geld, weil sie auf Zulagen und Steuervorteile verzichten. So beantragen lediglich 75 Prozent der Riester-Sparer die Zulagen, wie das Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest berichtet. Damit verzichtet jeder vierte Riester-Sparer auf die Zuschüsse. Allein durch nicht abgerufene Grundzulagen spart der Staat demnach jährlich rund 600 Millionen Euro.

"Mit einem Verzicht auf staatliche Zuschüsse schaden Sparer sich selbst, denn riestern lohnt sich nur durch die Zulagen", sagt Marianne Stietz, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Thüringen.

Riester-Sparer erhalten eine Grundzulage von 154 Euro jährlich sowie 300 Euro für jedes ab 2008 geboren Kind, für ältere Kinder sind es 185 Euro.

Voraussetzung ist allerdings, dass vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens in das entsprechende Riester-Produkt eingezahlt werden, maximal jedoch 2.100 Euro. Bei den vier Prozent zählen übrigens auch die Zulagen mit. Je höher sie ausfallen, desto geringer ist der eigene Sparanteil. Wer mit einem sogenannten Ehegattenvertrag über den Partner riestert, braucht übrigens nur 60 Euro pro Jahr einzahlen und sichert sich so die vollen Zulagen.

Damit die staatlichen Zuschüsse beim Riester-Vertrag nicht verloren gehen, sollte man sinnvollerweise einen sogenannten Dauerzulagenantrag nutzen. Dabei erteilen Sparer ihrem Anbieter eine Vollmacht, mit der die Zulage jedes Jahr automatisch bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZFA) der Deutschen Rentenversicherung beantragt wird. Sinnvoll ist das insbesondere für Arbeitnehmer mit einem relativ konstanten Bruttoeinkommen.

Anders sieht es bei denjenigen aus, deren Einkommen schwankt. Sie müssen ihren Sparbetrag entsprechend anpassen und darauf achten, dass sie die Einzahlung von vier Prozent des Einkommens erreichen, damit die Zulage nicht gekürzt wird. Ansonsten kann dies insbesondere für Familien Konsequenzen haben. "Riestert eine selbstständige Ehefrau beispielsweise über ihren Mann, werden auch ihre und die Zulagen für die Kinder gekürzt, wenn der Hauptsparer nicht genug einzahlt", erläutert "Finanztest"-Experte Theo Plüschke.

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  • Sie haben das Prinzip eines Bausparvertrags nicht verstanden. Wenn Sie einen Zins für die Zukunft sichern möchten, kostet das eben Geld. Beim Forward-Darlehen zahlen Sie einen Zinsaufschlag. Beim Bausparvertrag zahlen Sie das über wenig Zinsen in der Ansparphase. Woher soll sonst das Geld kommen? Sie stellen durch Ihre Einzahlungen anderen Sparern mit genügend Bewertungspunkten ein Darlehen zur Verfügung. Diese zahlen wenig Zinsen auf das Darlehen. Solls die Bausparkasse aus dem Hut zaubern? Etwas verdienen will die Bausparkasse auch noch. Nebenbei wussten Sie es vorher welche Zinsen Sie bekommen und welche Abschlusskosten entstehen. Bausparverträge sind kein Hexenwerk. Warum beschweren Sie sich? Warum haben Sie das bei den für Sie wichtigen Nachteilen abgeschlossen? Warum haben Sie es nicht wie ich gemacht und einen Bank- oder Fondssparplan abgeschlossen?

  • KJ, stimmt. Habe ich vergessen. Liegt daran, dass ich meine Steuererklärung wegen Zweitwohnung und Immobilien generell von einem Steuerberater machen lasse. Danke für die Korrektur. Trotzdem kann man, und da bin ich mir 100%ig sicher, die Riesterrente sehr einfach bei der Steuer angeben. Habe es das letzte mal bei einem Freund gesehen. Es ist lächerlich nur deshalb einen Steuerberater beauftragen zu müssen.

  • Ich bekomme für meinen Riester Bausparvertrag lumpige 0,5% Zinsen auf das eingezahlte Geld. Obwohl die Steuerersparnis ganz ordentlich ist, verliere ich wegen der Inflation (die vermutlich noch zunehmen wird) ständig Geld. Die eingesparten Steuern holt sich übrigens der Staat zum Teil wieder zurück, wenn man in Rente geht (sog. nachgelagerte Besteuerung).

    Noch zwei Punkte:
    a) Ich musste 1000 Euro Abschlussgebühr bezahlen. Wenn ich den Vertrag kündigen will, ist das Geld futsch.
    b) Wenn ich die gekaufte Immobilien nicht selbst bewohne (z.B. wegen Umzug), müssen alle Steuervergünstigungen bzw. Prämien zurückgezahlt werden.

    Man sollte sich das also gut überlegen.

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