Altersvorsorge
Was das Zinstief deutsche Sparer kostet

Die deutsche Finanzbranche wettert gegen die „Enteignung der Sparer“ durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Eine Untersuchung zeigt jetzt, wie hoch die Verluste der Anleger wirklich sind.
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Frankfurt am MainEs ist paradox: Obwohl die Zinsen seit Monaten extrem mickrig sind, legen die Menschen in Deutschland ihr Geld bevorzugt auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto an. Um Aktien machen sie hingegen einen Bogen. Die Deutsche Bundesbank sieht eine „gewisse Risikoaversion“. Doch die Vorliebe für scheinbar sichere Anlagen kommt die Bürger teuer zu stehen: Weil Sparzinsen meist unter der Inflationsrate liegen, verlieren sie real Geld. Experten werfen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, mit ihrer Nullzinspolitik zugunsten kriselnder Euroländer die Sparer hierzulande zu enteignen.

Europas oberster Währungshüter Mario Draghi will sich diesen Schuh nicht anziehen. Er nehme die Sorgen sehr ernst, doch „die Zinssätze, die wir festlegen, gelten für Banken, nicht für die Menschen“. Der EZB-Präsident betont: „Die Behauptung, wir wollten Sparer enteignen, ist völlig falsch.“ Man wolle genau das Gegenteil: das Wachstum unterstützen. Dann werde auch das Zinsniveau wieder anziehen.

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat für deutsche Sparer laut einer Studie milliardenschwere Verluste zur Folge. Die Allianz hat die Zinssätze 2013 mit den Durchschnittszinsen der Jahre 2003 bis 2008 verglichen und dann die durch die gelockerte Geldpolitik „entgangenen“ Zinsen auf der Einlagenseite den Zinsgewinnen bei Krediten gegenüberstellt. Das Ergebnis: Die Menschen in Deutschland verloren 2013 unter dem Strich pro Kopf 67,60 Euro. Hinzu kommt der Inflationseffekt.

„Der Zinsverlust hat sich von 34,20 Euro im Vorjahr fast verdoppelt, weil die Einlagenzinsen stark gesunken sind, vor allem die Baudarlehen aber kaum noch nachgaben“, sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen. Nach Zahlen des ersten Quartals dürfte der Pro-Kopf-Verlust 2014 sogar auf 71,60 Euro ansteigen. Verstärkt werde der Effekt dadurch, dass immer mehr Geld in kurzfristige Einlagen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten gesteckt werde.

In anderen Euroländern profitieren die Menschen hingegen nach früheren Angaben der Allianz von den Mini-Zinsen. Denn Schuldnern spielen niedrige Zinsen in die Karten, während Gläubiger die Verlierer sind. Holzhausen betonte: „Das zeigt, dass die deutschen Haushalte ihren Beitrag für die extrem lockere Geldpolitik der EZB zur Unterstützung der schwächeren Länder zahlen müssen.“

Tatsächlich zeigen Zahlen der Bundesbank, dass Sparer in den vergangenen 40 Jahren immer wieder reale Verluste hinnehmen mussten, wenn sie ihr Geld in kurzfristigen Spareinlagen (maximal drei Monate Kündigungsfrist) anlegten. Und zwar nicht nur, wenn der Leitzins wie aktuell bei 0,15 Prozent liegt. Auch weitaus höhere Zinsen liegen meist noch unterhalb der Inflation, die dann die Rendite auffrisst.

Trotzdem war der Aufschrei selten so groß wie derzeit. „Die anhaltende Niedrigzinspolitik beschädigt die dringend notwendige Altersvorsorge“, wettert etwa Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Gerade die Menschen in Deutschland legten ihr Geld traditionell sicher an und litten daher besonders unter den Mini-Zinsen.

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„Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Kommentare zu " Altersvorsorge: Was das Zinstief deutsche Sparer kostet"

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  • Ich verstehe was Sie meinen, aber es gibt kein Recht auf Zins und als Sparer sind Sie Gläubiger von Irgendwem mit Geld dessen Wert nicht fest ist. Im Grunde haben Sie aufs falsche Pferd gesetzt, wie die Generationen vor Ihnen.

  • @Josef Schmidt
    Eigentlich liegen Sie voll auf der Welle von Frau Merkel und den südlichen Staaten der EU.

    Zinsen gibt es auf Erspartes. Andere bezeichnen dies auch als Konsumverzicht. Wer also spart oder auf Konsum verzichtet, sollte keine Belohnung dafür erhalten.

    Ich könnte mich diesem kreativen Denkansatz nähern, hätten nicht ganze Völker - Griechenland, Italien, Spanien, Portugal - diesen Trick nicht erfolglos vorgelebt. Es liegt nun in der Hand der EZB, den Zins für beide Seiten weiterhin bei Null zu belassen.

    Für richtig halte ich es nicht!

  • ich denke das die sparkassen durchaus ihre berechtigung haben gerade in der region und was persönliche beratung und service angeht genau wie die volksbanken. viele menschen trauen den onlinebanken nicht und die bedienung mittels pc liegt grade älteren menschen oft nicht so sehr.

    die angebote für kinder und jugentliche sind meist auch gut was sie natürlich auch machen um die kunden frühzeitig zu binden.

    beim investmentbanking würde ich jedoch zu anderen raten welche bedeutend bessere kontitionen anbieten.

    das weiss ja kaum jemand besser als die sparkasse selbst! umsonst hat man ja nicht selbst einen onlinebroker welcher durchaus günstige konditionen anbietet.

    ich denke wer heute einen einmalbetrag anlegen möchte oder auch sparpläne muss selbst etwas aktiv werden. an sachwerten wie aktien immobilien oder alternative assets führt beim gegenwertigen zinstief kein weg vorbei. anleihen und renten wäre auch eine möglichkeit.

    auch sollte man darüber nachdenken statt in fonds etf,s als gebührengünstige alternative in betracht zu ziehen.

    ich denke das heute jeder etwas dafür tun muss zumindest einen werterhalt anzustreben.
    in den gegenwertigen niedrigzinszeiten kann man nicht mehr einfach zur sparkasse gehen und sein geld für so wie früher gute zinsen festlegen lassen.
    diese zeiten sind leider vorbei und kommen wohl auch lange noch nicht wieder.

    mit den niederigzinsen entledigen die völlig verschuldeten staaten sich ihrer schulden!

    einerseits ist es wohl so das derjenige wer auf grossem fuss auf kredit gelebt hat unterstützt wird während die sparsammen und besonnenen gestraft werden.

    leider ist das so.

    wer heute geld spart wird fast in risikoreichere varianten hineingetrieben.

    die andere möglichkeit wäre einfach vom vorhandenen geld gut zu leben!

    nach dem motto: nach mir die sindflut.
    die staaten machen es ja auch so vor.

    und was die rente angeht weiss auch noch niemand was kommt. vieleicht gibt es ja die einheitsrente zb!?

    mfg

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