Anlageberatung
Der Kunde will endlich König sein

Viele Kunden sind zutiefst unzufrieden mit ihrer Bank. Sie möchten endlich wieder im Mittelpunkt der Beratung stehen. Finanzberater lässt das kalt, sie beraten weiter an den Bedürfnissen vorbei.
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Die Erkenntnis ist schlicht, die Umsetzung scheint schwierig. Anleger wollen mit ihren Bedürfnissen ernst genommen werden und passende Produkte angeboten bekommen, wie Studien immer wieder ergeben. Allerdings bereitet dies der Finanzbranche offenbar nach wie vor Probleme. Experten rufen daher nach konsequenter Umsetzung politischer Vorschläge für eine neue Vertriebsstruktur.

Kunden in Deutschland äußern sich vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise zutiefst unzufrieden mit ihrer Bank. Das stellte beispielsweise die Unternehmensberatung Bain & Company kürzlich fest, die seit Jahren Umfragen unter Bankkunden macht. Als Hauptgrund für den Frust vieler Anleger ermittelten die Studienautoren wie Bain-Partner Walter Sinn „eine enorme Lücke zwischen den eigentlichen Bedürfnissen der Kunden und dem tatsächlichen Angebot“. Auch andere Umfragen stellen heraus, dass Finanzberater in Banken vielfach am Kunden vorbei empfehlen und verkaufen.

So ermittelt die US-Fondsgesellschaft Fidelity als wichtigste Ursachen für den Vertrauensverlust von Anlegern in ihren Finanzberater, dass der Berater nicht ausreichend auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingeht. Die Mehrheit der mehr als tausend befragten Anleger in Deutschland unterstellt ihrem Finanzberater, dass er seine eigenen Interessen bei seinen Empfehlungen „zumindest mitberücksichtigt“.

Schlechte Beratung bei der Geldanlage nennen die Befragten denn auch als häufigsten Grund für einen möglichen Wechsel des Beraters. Auf der Suche nach Ursachen für diese oft beklagte Diskrepanz zwischen Kundenwünschen und tatsächlicher Beratungsleistung gelangt man in die Vertriebsstrategie von Finanzinstituten. Vorstellungen des Managements in Banken über den Vertrieb mit Blick auf einen möglichst hohen Produktabsatz sowie Erlöse aus Provisionen für den Verkauf von Produkten scheinen häufig zu einem engen Korsett für Finanzberater zu werden.

So fragte Rolf Tilmes, Professor an der EBS Business School in Oestrich-Winkel, knapp 1500 Bankberater danach, wie häufig Vertriebsvorgaben in ihren Anlagegesprächen mit dem geäußerten Interesse ihrer Kunden kollidieren. Immerhin knapp 40 Prozent der Befragten erkennen häufige Interessenskollisionen, davon fünf Prozent sogar ständige Konflikte.

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Kommentare zu " Anlageberatung: Der Kunde will endlich König sein"

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  • Als Bankberater kann ich nur sagen, dass es immer immer schlimmer wird.
    Jeder und vorallem jedes Institut wird über denselben Kamm gekehrt. Das zu lesen und zu hören, ist einfach nur noch nervig. Provisionen?! Sorry vlt vor 10Jahren!
    In unserer Bank sieht kein Mitarbeiter davon einen Cent! Es gibt 50€ Brutto wenn man einen Kundin der umzieht an eine dort ansässige eigene Bank vermittelt. Jetzt kann man sich ja überlegen wie häufig sowas vorkommt.
    Sicherlich gibt es Banken, die so operieren, natürlich gibt es sie. Ich muss mir jedenfalls keinen Vorwurf derart machen! Und da spreche ich für unser gesamtes Haus!
    Die Kunden die bei mir sitzen finden diese ganze Bürokratie die es mitlerweile aufgrund der schwarzen Schafe gibt, einfach nur ätzend!
    Das ist geschäftsverhindernd!

    Und kontrovers finde ich auch die Nummer das den Sparkassen die Gewährträgerhaftung aufgrund von "Wettbewerbsverzerrung" aberkannt wird, aber Großbanken wie die Commerzbank Milliarden von Steuergeldern
    bekommen um weiterhin kostenlose Girokonten anzubieten.
    Da sollte man mal drüber nachdenken und einhaken.
    Jeder Steuerzahler bezahlt ein Konto bei der Commerzbank, ob er es nutzt, oder nicht. Macht das sinn?

  • Es sollte sich so langsam bis zu allen Anlegern herumgesprochen haben, dass Bankberater in der Regel keine Berater, sondern Verkäufer der Produkte der Bank sind. Aber auch hier wird nur im Schadenfall gerne nach dem Staat gerufen.
    Der Staat sollte dafür sorgen, dass die Banken und ihre Mitarbeiter nach den moralischen Regeln unserer Gesellschaft handeln. Hier besteht ein enormer Nachholbedarf, dem unsere Legislative gewollt oder ungewollt nicht nachkommt. Callcenter sind gegenüber dem, was die "seriösen" Banken zum großen Teil gemacht haben, eine kleine Nummer.
    Eine europäische Bankenaufsicht und ordnerfüllende Beipackzettel sind lediglich Futter für den Amtsschimmel und lösen die eigentliche Probleme nicht.
    Aber auch seriöse Lösungen können den Anleger aus seiner Verantwortung für seine Geldanlage nicht entlassen, da wir ansonsten den Reglementierungsstaat noch weiter auswuchern würden.

  • Bankberater verkaufen den uninformierten Kunden jeweils Papiere, an denen die Bank am Meisten verdient, meist sogar eigene Produkte.
    Besser das Gegenteil dessen machen, was Einem ein Berater empfiehlt, oder noch besser: Sich selbst informieren und selbst Anlageentscheidungen treffen.
    War bei diversen Beratern nach einem großen Erbe .. und: habe das Ganze in goldiger Barrenform, entgegen allen Beratern angelegt vor 5 Jahren. Und siehe da: damit bin ich mehr als gut gefahren im Vergleich zu allen angebotenen Anlageempfehlungen und weiß, daß ich etwas Sicheres habe!

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