Anreiz zum Ausgeben
Das selbstentwertende Geld

Erstmals in ihrer Geschichte verlangt die EZB Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr parken. Ökonomen gehen mit ihren Gedankenspielen sogar noch weiter: Bargeld könnte etwa per Lotterie entwertet werden.
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DüsseldorfEs klang wie eine Drohung. Als Mario Draghi Anfang Juni als erster Chef einer großen Notenbank überhaupt einen negativen Einlagenzins verkündete, machte der Italiener klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zum Handeln bereit ist: „Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

Doch bereits der Strafzins auf geparktes Geld für sich genommen ist für Banken im Euro-Raum ein Novum. Draghi will es damit den Geldhäusern schmackhaft machen, Bares nicht einzubehalten, sondern verstärkt in Form von Krediten in die Wirtschaft zu weiterzureichen. Die Konjunktur könnte dadurch angekurbelt werden.

Ökonomen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie üben sich in Gedankenspielen darin, wie auch Privatleute im Notfall zum Geldausgeben getrieben werden könnten. Eine naheliegender Anreiz: Wer sein Geld nicht ausgibt, läuft Gefahr, dass es wertlos wird. Dabei werden gleich mehrere Ansätze diskutiert.

Zum Beispiel könnten Geldscheine mit bestimmten Endnummern für ungültig erklärt werden. Welche Scheine das seien, würde durch Los entschieden. Eine weitere Möglichkeit: Jeden Tag, den ein Geldschein im Umlauf ist, verliert er an Wert. Dabei könnte der aktuelle Wert des Scheines auf einem Magnetstreifen festgehalten werden. Schließlich könnte man auch allen Barzahlern kollektiv an den Kragen gehen: Vorstellbar wäre, dass diejenigen, die cash bezahlen wollen, einfach mehr bezahlen müssten.

Zur Erinnerung: Dies alles sind Gedankenspiele. Die negativen Einlagenzinsen, wie Draghi sie jetzt vorgibt, treffen nur die Banken – und die haben fürs Erste nicht vor, die Entwicklung an die Sparer weiterzugeben. „Es drohen keine negativen Einlagenzinsen für Privatleute“, urteilt Gunnar Meyer von der Commerzbank.

Heikler würde es erst, sollte EZB-Chef Draghi als nächstes zum Großangriff gegen fallende Preise ausholen und einen negativen Leitzins verkünden. In diesem Falle würden Banken Zinsen dafür bekommen, wenn sie sich Geld von der EZB leihen. Gäben die Banken diesen Zins weiter, könnten auch Firmen daran verdienen, bei der Bank einen Kredit aufzunehmen.

Kommentare zu " Anreiz zum Ausgeben: Das selbstentwertende Geld"

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  • Das Beste, was man in der Regentschaft der dilettantischen Notenbanker tun kann ist, ist neben werthaltigen Sachanlagen in physische Edelmetalle zu gehen.
    Dank der Londoner kriminellen Manipulatoren sind die Preise für Gold und Silber auf einem unverdient niedrigen Niveau während die mit frischgedrucktem Falschgeld gekauften, überteuerten Tulpenzwiebel-Wertpapiere bald das Ende ihrer Hausse erreichen.
    Schon der große Wohlstandsvernichter US-Grünspan, der mit dem massiven Gelddrucken anfing, hat dem Gold folgendes Statement gegeben:
    ".....die Einzigen, die ihr Vermögen erhalten können, sind die Goldbesitzer..."

  • Schön, dass Sie solche Überlegungen im Handelsblatt darstellen. Diese Themen werden in der nächsten Zeit zu Top-Themen werden, denn es führt kein Weg mehr daran vorbei.

    Allerdings ist es zwar korrekt, Silvio Gesell als Ideengeber für Buiter und Mankiw zu nennen, nicht aber, dass Gesell negative Leitzinsen befürwortet hätte. Gesell wollte eine Umlaufsicherungsgebühr auf Bargeld. Heute müsste man diese wohl auf die unbaren Zahlungsmittel ausweiten. Die Gebühr soll verhindern, dass Zahlungsmittel gehortet werden und deswegen deflationäre Tendenzen auftreten. Sie wäre eine bessere Finanztransaktionssteuer, denn Spekulationskassen, die in den letzten Jahren immer weiter ausgeweitet wurden, würden dadurch unattraktiv.

    Prof. Belkes Bedenken, dieser Vorschlag sei für ganze Volkswirtschaften nicht realistisch, da niemand so ein Geld wolle, zeigt dass die Idee noch nicht ausreichend verstanden wird. Es ist nämlich keineswegs so, dass dann "die Währung sich selbst entwertet". Schleichende Inflation hatten und haben wir im jetzigen System, eigentlich komisch, dass die Menschen so ein Geld wollten ;-). Erst mit einer Umlaufsicherungsgebühr kann die Währung stabil gehalten werden. Abgewertet werden dann nur die Zahlungsmittel - und belastet werden vor allem diejenigen, die den Zahlungsverkehr, unser öffentliche Gut, lahmlegen. Alle anderen profitieren von der abnehmenden Schuldenlast. Mehr Infos unter: www.INWO.de

    Nichtsdestotrotz hat Ansgar Belke natürlich Recht, dass Anleger dann verstärkt in reale Werte wie Boden und Rohstoffe gehen würden. Das ist ja auch heute schon der Fall, noch angefeuert durch die künstliche Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Hier besteht sowieso dringend Handlungsbedarf! Ökonomische Renten aus Boden und anderen begehrten Gütern müssen abgeschöpft werden, um deren Privatisierung in den Händen einer Minderheit zu beenden. Siehe z.B. unter: http://rent-grabbing.com/

  • Mit beiden, weil sie beide den gleichen Reinsilbergehalt haben und beide 31,1g wiegen.
    Allerdings haben noch mehr Leute die gleiche Idee:
    Teilweise sind die Münzen ausverkauft.

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