Auf und davon

Wie man der Heimat kündigt

Egal ob Abenteuer oder neuer Job – viele Deutsche zieht es irgendwann in die Ferne. Doch wer vom Auswandern träumt, vergisst oft die vielen Hindernisse. Woran man denken muss, und wo man sich nicht linken lassen sollte.
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Wer der Heimat den Rücken kehrt, muss sich auf viel Bürokratie einstellen. Quelle: picture-alliance

Wer der Heimat den Rücken kehrt, muss sich auf viel Bürokratie einstellen.

(Foto: picture-alliance)

CharlotteWie sehr man mit Abos, Mitgliedschaften und Verträgen aller Art an einen Ort gebunden ist, merkt man oft erst, wenn man der alten Heimat den Rücken kehren will. Sich aus diesen Fesseln zu befreien, erfordert viel Planung und Geduld.

Zwar passen die Gesetzgeber in Deutschland und der Europäischen Union ihre Gesetze zunehmend an eine mobile Gesellschaft an. Trotzdem müssen Auswanderer mit einem Durcheinander an Regelungen rechnen. Ein nicht gekündigter Vertrag kann im besten Fall auch im Ausland nützlich sein, kostet in den meisten Fällen jedoch unnötig Geld, und ist im schlimmsten Fall sogar gesetzeswidrig.

Verträge, die bei verpasster Kündigungsfrist teuer werden

Meist gibt ein Umzug ins Ausland kein Recht, einen Vertrag vorzeitig zu beenden. Die Bedingungen für eine Sonderkündigung sind von Fall zu Fall verschieden, doch der rechtliche Grundsatz lautet: „Vertrag ist Vertrag“. Es kann also passieren, dass man die monatlichen Beiträge für das Fitnessstudio so lange weiter berappen muss, wie man es bei der Anmeldung versprochen hat.

Lange vorausplanen ist daher die beste Devise, wer das versäumt hat, kann meist nur auf eine Kulanzentscheidung hoffen. Um den Schriftverkehr bei der Kündigung von Verträgen und Mitgliedschaften zu reduzieren, sollte man allen Schreiben einen Nachweis für den Umzug ins Ausland beilegen – eine Bescheinigung vom Arbeitgeber, die Abmeldung vom Einwohnermeldeamt oder ein anderes verlässliches Dokument.

Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) ist damit vollends zufrieden und berechnet frühestens zum Ende des Monats, in dem die Abmeldung eingegangen ist, zum letzten Mal die Beitragsgebühr.

Schwieriger war es bis vor kurzem bei Telefon-, Internet- und Mobilfunkverträgen. Diese gehören häufig mit zu den teuersten Verträgen, die der Verbraucher monatlich bezahlt. Viele sind nur alle zwei Jahre kündbar, was die immer mobileren Kunden in den vergangenen Jahren zunehmend verärgert hat.

Der Gesetzgeber hat darauf mit einer neuen Regelung reagiert, die im Mai in Kraft getreten ist. Im neuen Telekommunikationsgesetz heißt es, dass ein Vertrag beendet werden kann, wenn das Unternehmen die vereinbarte Leistung am neuen Wohnort nicht erbringen kann. „Da hiesige Firmen nur im Inland ein eigenes Mobilfunknetz betreiben und bei Auslandsgesprächen die Netze der dortigen Anbieter nutzen (Roaming), dürfte regelmäßig die Kündigung greifen“, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu Handyverträgen.

Vom Telekomanbieter nicht linken lassen
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13 Kommentare zu "Auf und davon: Wie man der Heimat kündigt"

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  • Find ich toll. Wer als absoluter Leistungsträger, hier abgezockt wird, sollte lieber auswandern, und seine Leistung für eine bessere Lebensqualität einsetzen ( statt einer gewollten Umverteilung zu opfern.

  • Wie hoch ist denn der Steuersatz in FL ? war mehrmals dort, von daher spiel ich mit dem Gedanken dorthin auszuwandern..
    Ich finde Europa hat etwas miserables an sich, obwohl hier vieles "sozialer" zu laufen scheint. aber eben nicht. Sozial ist was "Lebensfreude" bereitet und nicht was bis zum Übergeben reglementiert wird ..

  • Wo ist das Problem?

    Familie, Kinder, Eigenheim, Auto, Abos, Mitgliedschaften, Verträge aller Art, jede Art einer Bindung, kann sich ein immer mehr nur noch prekär beschäftigtes Humankapital eh' nicht mehr lange leisten. Kredite dafür dürften demnächst unbezahlbar werden, seit die Banken ach so darben.

    Da zieht es sich dann doch mit leichtem Gepäck von dannen, statt sich hier weitere Lasten aufschultern zu lassen ...

    Innerlich dürften viele, viel zu lange unterbezahlte Lohnabhängige und wahre Leistungsträger dieser Finanz GmbH zudem schon lange gekündigt haben.

    Wo ist das Problem?

  • Das mit den 30% Abzug von der Rente stimmt i.a. gar nicht, auch wenn es kein Sozialversicherungskommen gibt. Mehr dazu zum Beispiel im nz2go Blog, nach "Sozialversicherungsabkommen" suchen.

  • Rette sich wer kann, den Eurorettern entkommen! Ich wuerde noch bis zum Entschluss der BVG zum ESM warten. Wenn die Rotkaeppchen auch umfallen dann nichts wie weg aus Euroloand. Fremdsprachenkenntnisse und eine Berufsausbildung/erfahrung sind ein Muss. Wer nur HartzIV kann der wird nicht weit kommen. Viele Zielorte verlangen ein polizeiliches Fuehrungszeugnis der letzten 10 Jahre, ich wuerde noch alle meine offenen Rechnungen bezahlen und mir nichts zu schulden kommen lassen. Ich wohne in Miami/FL. Das Wetter ist Spitze, es gibt mehr Netto vom Brutto und mehr Brutto sowieso. Dafuer gibt es einige andere Dinge die gewoehnungsbeduerftig sind. Das faengt mit fehlenden Umlauten auf der Tastatur an, hohe Kriminalitaet, kein Kuendigungsschutz, keine Vollkaskomentalitaet, keine Baekereien, die Autobahn ist ein rechtfreier Raum, alles kostet mehr als was drauf steht und viele weitere kleine und groessere Aergernisse.
    Ein Schlaraffenland gibt es eben nur im Maerchen aber insgesamt bin ich froh hier zu leben und nicht in D. Ich wuerde jedem raten das gewuenschte Ziel zuerst als Tourist zu bereisen um vor Ort zu erforschen was die Lebensbedingungen so hergeben und wie es mit Jobs aussieht.

  • Es sit doch immer daselbe. Rein rechtlich würde ein Gesetz genügen, das bei Unmöglichkeit der Erfüllung automatisch ein Sonderkündigungsrecht besteht. Was ohnehin dem Grundsatz deutschen Rechts entspräche, das ohne Leistung auch kein Entgeld erfolgt. Diese Detailgesetze, wie im Mobilfunk, blasen da nur unnötig das Rechtswesen auf.

    H.

  • Viel mehr Büger haben Deutschland innerlich "gekündigt".

  • Hi Mondahu...ab und an müssen Sie ein Konsulat, oder eine Botschaft ansteuern um einen neuen Pass anfertigen zu lassen.

    Vandale

  • So ein Quatsch...

  • eigentlich wandern hier aber nicht alle aus, sondern nur die sogenannten Leistunsgträger.

    - Ärzte
    - Ingenieure
    - Unternehmer
    - Gastronomen

    (...)
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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