Autoversicherung: Welchen Schutz Autofahrer wirklich brauchen

AutoversicherungWelchen Schutz Autofahrer wirklich brauchen

Noch bis Ende des Monats können Autofahrer den Versicherer wechseln. Die Anbieter locken mit skurrilen Leistungen, etwa bei Seenotrettung auf der Fähre. Welchen Schutz Kunden wirklich brauchen und wie sie Prämien sparen.
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In Ausnahmesituationen haben sogar Verbraucherschützer Mitleid mit Versicherern. Die neuerlichen Preiserhöhungen findet jetzt Beifall von ungeahnter Seite. „Die Kfz-Versicherer haben jahrelang einen ruinösen Wettbewerb betrieben“ sagt Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten. Eine Gesellschaft hätte wegen finanzieller Schwierigkeiten ihr Geschäft im Vorjahr sogar einstellen müssen. „Das kann so nicht weiter gehen. Damit ist langfristig keinem Verbraucher geholfen“ sagt Kleinlein.

Im Schnitt um fünf Prozent gehen die Prämien der neuen Policen im nächsten Jahr rauf, wie eine Auswertung für Handelsblatt Online belegt. Einige Versicherer verteuern ihren Schutz sogar im zweistelligen Prozentbereich. Noch bis Ende des Monats können die meisten Versicherten kündigen und zum neuen Jahr zu einem anderen Anbieter wechseln.
Wenn sie schon mehr zahlen müssen, denken sich jetzt viele Autofahrer, dann möchten sie auch etwas bekommen für ihr Geld.

„Seit Jahren verbessern sich die Leistungen der Tarife“, sagt Ivana Höltring, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Nafi. In der Haftpflicht bietet nach ihrer Analyse mittlerweile jeder zweite Tarif Deckungssummen bei Personenschäden von mehr als acht Millionen Euro. Fast jede Police erstattet Sachschäden von maximal 100 Millionen Euro.

Bei Kaskoschutz sollten Besitzer von hochwertigen Neuwagen auf eine Neupreisentschädigung achten. Bei Totalschaden, Diebstahl oder Brand ersetzen einige Versicherer nicht den niedrigeren Zeitwert des Fahrzeuges, sondern den Kaufpreis. 70 Prozent der Tarife leisten im ersten Jahr nach dem Kauf, 25 Prozent auch im zweiten Jahr.

Kundenfreundliche Versicherer verzichten in ihren Bedingungen auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit. Persönliche Nachlässigkeiten wie das Überfahren einer roten Ampel oder das Telefonieren am Steuer werden bei der Schadenregulierung dann nicht geprüft. 90 Prozent aller Tarife haben aktuell diesen Einschluss.

Oft entscheiden Spitzfindigkeiten im Regelwerk, ob der Versicherer zahlt oder nicht. Mehr als 90 Prozent der Tarife leistet etwa für Schäden bei einem Marderbiss. Jeder fünfte Tarif deckt aber keine Folgeschäden. Nicht nur bei kleinen Nagern zeigt die Branche Sinn fürs Detail. Während einige Gesellschaften pauschal alle Unfällen mit Tieren decken, leisten andere nur bei Zusammenstössen mit Wild- und Nutztieren oder Haarwild.

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