Bankgebühren
Wie Banken bei Girokonten zulangen

Einige Banken erhöhen bereits kräftig die Gebühren bei Girokonten, andere dürften folgen. Minizinsen und sinkende Gewinne setzen die Geldhäuser unter Druck. Der Vergleich von Kontomodellen lohnt sich mehr denn je.
  • 6

FrankfurtDie Postbank hat es schon gemacht: Sie verlangt seit dem 1. April für jede Überweisung per Papierbeleg 99 Cent. Die Gebühr gilt für das Kontomodell „Giro plus“. Zuvor waren Papierüberweisungen für die Kontoinhaber gratis. Es geht zwar nur um 99 Cent und die meisten Kunden der Deutsche-Bank-Tochter wickeln ihre Bankgeschäfte im Internet ab. Trotzdem sorgte der Fall für großes Aufsehen.

Dabei sind Gebühren für Überweisungen auf Papier weitverbreitet. Die Essener Nationalbank erhöht sie gerade von 50 auf 95 Cent. Bei vielen Sparkassen und Volksbanken ist es in bestimmten Kontomodellen schon lange kostenpflichtig, wenn Kunden per Papierbeleg Geld überweisen. Für Direktbanken gilt das sowieso.

Und die Zahl der Geldhäuser wird wohl in naher Zukunft steigen, die ihre Gebühren erhöhen oder neue einführen. „Davon bin ich überzeugt. Man wird bald Erhöhungen sehen oder auch neue Servicegebühren“, sagt Heinrich Bockholt, Finanzprofessor und Leiter des Instituts für Finanzwirtschaft in Koblenz.

Einige Banken und Sparkassen haben das in letzter Zeit schon gemacht oder angekündigt. So erhöhte die Sparkasse Bottrop zu Jahresbeginn die Gebühren für verschiedene Kontotypen. Und die Sparkasse Essen will das in Kürze tun.

Auch von Genossenschaftsbanken gibt es Beispiele: Die Volksbank Reutlingen etwa erhöhte Anfang 2014 Kontoführungsgebühren. Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die zusammen mehr als 70 Millionen Girokonten führen, leiden besonders unter den Minizinsen. Sie stellen ihr Geschäftsmodell infrage: Das Sammeln von Einlagen zur Refinanzierung von Krediten lohnt sich weniger. Mit höheren Gebühren lässt sich der Ertragsschwund zum Teil ausgleichen.

„Man kann davon ausgehen, dass etliche Banken die Gebühren erhöhen werden. Bankleistungen kosten eben – und wegen der niedrigen Zinsen können Banken die Konten auch nicht mehr quer subventionieren“, sagt Martin Faust, Bankenprofessor an der Frankfurt School.

Seite 1:

Wie Banken bei Girokonten zulangen

Seite 2:

„Jeder Euro mehr nutzt der Bank“

Kommentare zu " Bankgebühren: Wie Banken bei Girokonten zulangen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • das ist schon richtig. Bisher haben die Banken die Kontoführung mit Einnahmen aus anderen Bereichen alimentiert. Wenn diese nun wegbrechen, Zinsspanne wird immer geringer, Provisionen sollen verboten werden (müssen wohl schlimmer sein, als das Salär für eine Prostituierte), dann funktioniert das nicht mehr. Wenn der Bereinigungsprozess im Bankensektor ausgestanden ist, wird es auch keine kostenlose Kontoführung mehr geben. Das das Geld bei einer Bank sicher ist, ist auch so eine Illusion. Das gilt nur bei kleineren Instituten und bei kleineren Krisen. Oder glaubt irgendwer ernsthaft, dass in einem großen Krisenfall die Sicherungsfonds viel bewirken? Bei der Lehmann-Krise hat schon der Staat eingreifen müssen. Das nächste Mal reicht auch das nicht mehr aus und die EZB hat ihr Pulver bereits sinnlos verschossen.


  • Gehen Sie doch alle mal ins Ausland und schauen was Sie da für die Kontoführung zahlen. Das kostenlose Konto gibt es eigentlich nur in Deutschland, sonst werden überall für die Dienstleistung Konto -Gebürhen- verlangt. Die Banken in Deutschland sollen ja nicht nur das Konto kostenlos zur Verfügung stellen, auch bei den Fonds sol auf den Ausgabeaufschlag und die Verwaltungsvergütung verzichtet werden und umsonst gearbeitet werden. Ich frage mich nur, wer soll die Löhne der Bankangestellten zahlen, wenn alle kostenlos sein soll, oder ist jemand der Meinung, dass die Bundesbürger bei einer Honorarberatung vielleicht den Stundensatz von 180,-- € zahlen.

  • @Heinz Keizer

    "Mit der Kontoführung erbringt eine Bank eine Leistung. Dafür eine Gegenleistung zu verlangen, ist eigentlich ganz normal."

    Im Prinzip ist das richtig, obwohl eine Bank aus Service-Gründen auch keine Kontoführungsgebühren erheben kann.

    Wenn allerdings die Bank die Höhe bzw. die Neueinführung der Gebühren dazu benutzt, die Bilanz aufzuschönen ( im Plus zu behalten?), ist das für die Kunden das Signal:

    Der Bank geht es schlecht. Das Geld ist dort nicht mehr gut aufgehoben. Als Kunde sollte man sich eine andere suchen.

    Die Erhöhung/ Einführung von Kontogebühren ist also eine sehr zweishneidige Sache.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%