Beichte eines Vertreters

„Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer“

Verkaufstricks, Sexreisen, Ego-Shows: Ein ehemaliger Top-Finanzvermittler packt aus. Seine Beichte wirft einen verstörenden Blick auf Versicherer, Bausparkassen und Banker. Aufgezeichnet von Jens Hagen.
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Mr.X: Seine Beichte erlaubt einen Blick hinter die Kulissen der Finanzvertriebe. Der Vermittler bekleidete verschiedene Führungspositionen und leitete seinen eigenen Vertrieb. Aus Quellenschutz bleibt sein Name anonym.

Mr.X: Seine Beichte erlaubt einen Blick hinter die Kulissen der Finanzvertriebe. Der Vermittler bekleidete verschiedene Führungspositionen und leitete seinen eigenen Vertrieb. Aus Quellenschutz bleibt sein Name anonym.

DüsseldorfJeder Mensch, ob Säugling oder Greis, wird heute von der Finanzindustrie als potenzielles Opfer betrachtet. Eine Heerschar von Beratern versuchen, den Kunden auf Teufel komm raus Finanzprodukte aufs Auge zu drücken, egal ob diese Produkte Sinn machen, oder nicht. Ich war einer von ihnen. Hauptsache, die eigene Kasse stimmt.

Warum ich das alles öffentlich mache? Ich sehe in den meisten Finanzprodukten keinen Sinn mehr. Sie sind überflüssig wie ein Kropf, und deshalb werde ich nie mehr in dieser Branche arbeiten. Außerdem möchte ich Aufklärung leisten, und dieser Artikel ist ein Anfang, allerdings gäbe es noch viel mehr dazu zu sagen.

Vielleicht liest aber auch ein Politiker den Artikel und schützt die Bürger endlich vor übermächtigen Finanzkonzernen und Lobbygruppen. Vielleicht wacht die Finanzaufsicht Bafin irgendwann mal auf und bewahrt Kunden vor den zahllosen Abzockerprodukten.

Warum ich das alles nur anonym schreibe? Um mich selbst zu schützen. Meinen Ruf, um im neuen Job wieder erfolgreich sein zu können. Meine Gesundheit, weil nicht alle alten Kollegen diesen Text besonders witzig finden dürften, und weil ich auch in Zukunft gerne einiges zur Aufklärung beitragen möchte.

Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit auch schon mal ein komisches Gefühl gehabt, wenn Ihr Bankberater, Ihr Versicherungs- oder Anlagenverkäufer sich mit Ihnen unterhalten hat. Und vielleicht hatten Sie in Ihrem Leben auch schon einmal das Gefühl, über den Tisch gezogen worden zu sein.

Ich kann Ihnen aus jahrzehntelanger Erfahrung sagen, Ihr Gefühl täuscht Sie leider oftmals nicht, denn leider wird bis heute noch frei nach dem Motto gehandelt: Das Geld ist doch nicht weg, es hat jetzt nur ein anderer!

Meinen ersten Kontakt mit Finanzprodukten, hatte ich in einer kleinen Regionalbank. Nach meiner Ausbildung war ich da vor allem für die Themen Baufinanzierung und Bausparen zuständig. Sehr schnell musste ich lernen, dass es ausschließlich um die Erfüllung der Vorgaben des Vorstandes und um Gewinnmaximierung geht und nur in den seltensten Fällen um die bedarfsgerechte Beratung von Kunden.

Ich wunderte mich zwar von Anfang an über die hohen Verkaufsvorgaben. Aus heutiger Sicht und nach 20 Jahren als leitender Mitarbeiter in konzerngestützten Vertrieben und in Strukturvertrieben war das natürlich sehr naiv.

Ich lernte schnell und ich wurde ein „guter Verkäufer“. Egal, was auf der Visitenkarte Ihres Gegenüber steht, vergessen Sie nie, es handelt sich immer um einen Verkäufer. Im Vertrieb geht es nicht darum, den Bedarf des Kunden zu decken, sondern Nachfrage zu wecken.

Am Ende des Tages müssen die Verkaufsvorgaben erreicht werden. Wie sonst lässt es sich erklären, dass Jahresziele einer Filiale oder eines Beraters auf den Tag heruntergebrochen werden und Unsummen in Verkaufstrainings und Motivationsveranstaltungen gesteckt werden? Und dabei ist es egal, ob Ihnen ein Mitarbeiter einer Großbank, einer Sparkasse, einer Volks- und Raiffeisenbank, eines freien Vertriebes oder wer auch immer gegenüber sitzt.

Bei Baufinanzierungen empfiehlt man eine Eigenkapitalquote in Höhe von 20 Prozent und diese 20 Prozent können natürlich auch in einen Bausparvertrag fließen, damit später ein zinsgünstiges Darlehen zur Verfügung steht. Wenn wir unsere Zielvorgaben im Segment Bausparen aber noch nicht erfüllt hatten, änderten wir oft unsere Empfehlungen.

„So stiegen die Provisionen...“
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85 Kommentare zu "Beichte eines Vertreters: „Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer“"

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  • Und was gibts Neues ?

  • Auch wir konnten durch ein geführtes Interview mit einem Kenner aus der Branche die schlimmen Machenschaften in dieser Branche weiter aufdecken.

    Da sollte man sich wirklich langsam überlegen ob Vertreter und Versicherung überhaupt noch gebraucht werden bei all dem Schmu! Anbei ein Ausschnitt aus dem Skandalinterview

    https://m.facebook.com/#!/AllianzAgenturEricHeine?__user=1826192840

  • keiner - aber wählen Sie einen alteingesessenen Versicherungsmakler, der mindestens einige Jahre Berufserfahrung hat und auf Empfehlungsbasis arbeitet. Er hat ein starkes Eigeninteresse daran, Sie gut zu beraten, denn nur so wird er weiter empfohlen und Sie bleiben ein zufriedener Kunde! Seriosität (Ernsthaftigkeit und Konstanz) erkennen Sie daran, dass Ihr Makler nach 10 Jahren im Geschäft immer noch Makler ist.

  • nochmal - das ist bereits Pflicht! Nur leider weiß es nicht jeder - offensichtlich!
    Jedem Angebot muss das Produktinformationsblatt beigefügt werden. Dort stehen die Provisionen und Kosten! Und sie sind nicht weit entfernt von dem, was tatsächlich an die Vermittler geht. Wenn auch noch Korrekturbedarf besteht.
    Verbraucher - besteht auf Euren Rechten!

  • Das stimmt zum Glück nicht!
    Seit Einführung der Vermittlerrichtlinie in 2007 muss zu jeder Versicherung ein Kundeninformationsblatt ausgehändigt werden. Dort werden die Kosten ausgewiesen. Dass es noch immer nicht voll vergleichbar ist, ist eines, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtig ist nur, dass Kunden das auch wissen, denn ich habe erfahren, dass gerade Vertriebler diese Pflichtinformation gerne unter den Tisch fallen lassen...

  • Abscheulich was dieser einstige Kollege von unten bis oben
    veranstaltet hat und nun sein eigenes früheres Nest beschmutzt.
    Hier hat er auch noch "Legionen" unseriöser Kollegen
    aufgebaut, angestachelt und geführt. Charakterlos.
    Der wird auch im neuen Job unseriös arbeiten.
    Deshalb Kollegen: Aufrichtig und ehrlich beraten. Da muss man auch einmal empfehlen, dasss Produkte nichts taugen und
    nicht vertrieben werden.
    Deshalb Kollegen. Nur ein freier, unabhängiger Berater
    erfüllt die Wünsche seiner Kunden. Denken Sie darüber nach
    An die Kunden: Lassen Sie keinen Anderen herein oder besuchen Sie zur Beratung keinen Anderen. Finger weg von
    Strukturvertrieben oder Versicherungs-Kolonnen..
    GM

  • Die Honorarberatung ist auf jeden Fall kein Weg, den Kunden besser oder vorteilhafter zu versorgen. Oft genug kommt heraus, dass Honorar und Provision geflossen sind.

    Fazit: Auch dieser Kunde wurde betrogen von seinem eigenen "Honorarberater"... warum also ein ganzes System umkrempeln, wenn am Ende der Spitzbube wieder mit den selben roten Stiefeln sein Unwesen treibt...
    .
    HONORARBERATUNG IST KEIN AUSWEG NUR EINE VERSCHLEIERUNG!
    .

  • Nun bin ich seit 24 Jahren selbständiger Finanzmakler und kenne auch solche "Irrwege" wie sie hier beschrieben werden. Ob es nun OVB & Co waren, Göker oder zuletzt die S&K. Einige Verrückte wird es immer geben und Verkaufsdruck ist auch in allen Branchen normal. Oder woher komme die ganzen Tageszulassungen bei den Autohäusern?

    NUR - wem hilft da?
    Wo ist der Mehrwert in der Berichterstattung.

    Damit macht man Menschen Angst und sagt ihnen nicht, was sie stattdessen machen sollen. Zum Beispiel zu einem wirklich unabhängigen kleinen Makler vor Ort zu gehen, der sich auf bestimmt Anlagen spezialisiet hat. Dieser unterliegt nicht einem Vorstand und muss auch Jahre später noch seinem Kunden in die Augen schauen. Wer dann schon 10 Jahre oder länger am Markt ist, muss oder möchte das vielleicht auch länger bleiben.

  • Völlig absurd was Sie aussondern... und aus dem sachlichen und mathematischen Zusammenhang gerissen.
    .
    Soviel steht fest: ihre Orthografie ist mangelhaft, ihr Fachwissen grausam und ihre mathematischen Herleitungen unlogisch und nicht haltbar.
    .
    Sie können also nur Komiker oder Scherenschleifer sein.. Nicht wahr mein ehrenwerter Herr?

  • Was für ein dämlicher durchschaubarer Beitrag... wo doch erst TELDAFAX und nun der nächte Kandidat "PLEITE" angemeldet haben...
    .
    Strom ist noch spekulativer als die kurioseste Fond-Police der Nadelstreifer... Und: unkalkulierbar für den Laien! FINGER WEG! Die nächsten Pleiten (vielleicht mit Ihrem Geld) stehen vor der Haustüre...

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