Betriebliche Altersversorgung
Die Rentenparty ist bald vorbei

Nach zig Jahren im Betrieb winkt die wohlverdiente Betriebsrente. Noch. Denn das Zinstief greift auch die betriebliche Altersversorgung an. Wo es hakt und was sich Arbeitnehmer überlegen sollten. Das Tool der Woche.
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DüsseldorfDas gesetzliche Rentenniveau sinkt, das ist politisch gewollt. Dank der dauerhaft niedrigen Zinsen leiden auch die Privatrenten. Die klassische Lebensversicherung etwa, der Deutschen liebstes Vorsorgeinstrument, wirft aufgrund der konservativen Anlage des Geldes kaum mehr etwas ab. Geht es nach dem Willen von Andrea Nahles soll jetzt die betriebliche Altersversorgung den Karren aus dem Dreck ziehen. Nach der Rente ab 63 ist die Betriebsrentenreform das neue Projekt der Bundesarbeitsministerin.

Derzeit ist jeder dritte Beschäftigte in Deutschland noch ohne betriebliche Altersversorgung. Das soll sich ändern. Konkret will die Bundesarbeitsministerin die Verbreitung von Betriebsrenten steigern – mit Hilfe der Tarifparteien. Die Idee: Wenn Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände Jahr für Jahr neue Lohnrunden verhandeln, sollen sie die Arbeitgeberzuschüsse zur Betriebsrente gleich mit festsetzen. Die Regelung wäre verpflichtend für alle Betriebe, die unter den Tarifvertrag fallen.

Es wäre eine recht drastische Maßnahme, die zweite Vorsorgesäule zu stärken. Sowohl Arbeitgeberverbände als auch Gewerkschaften haben ihre Zweifel. Die Arbeitgeberseite fürchtet um die unternehmerische Unabhängigkeit, die Arbeitnehmerseite darum, dass manche Unternehmen innerhalb einer Branche im Rahmen des Tarifvertrags Zuschüsse zusammenstreichen – und Arbeitnehmer dann schlechter dastehen als vorher. „Es besteht die Gefahr, dass manche Arbeitnehmer etwas verlieren“, kommentierte Richard Herrmann, Vorstand der Heubeck Beratung und Experte für betriebliche Altersvorsorge im Interview mit Handelsblatt Online.

Als größte deutsche Gewerkschaft hat sich zuletzt die IG Metall mit einem eigenen Vorschlag zu Wort gemeldet. Im Handelsblatt forderte Gewerkschaftsvorstand Hans-Jürgen Urban, dass Arbeitgeber Beschäftigten von sich aus ein „attraktives Angebot“ einer Betriebsrente unterbreiten sollen. Sie sollen also aktiv auf die Möglichkeit hinweisen, dass Teile des Gehalts in die betriebliche Altersversorgung umgewandelt werden können – und idealerweise noch etwas zuschießen.

Den Anspruch bis zu 4.704 Euro vom Jahresbrutto steuer- und abgabenfrei in die betriebliche Altersversorgung zu stecken (sogenannte Entgeltumwandlung) haben Arbeitnehmer bereits seit 2002. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers weiß jedoch etwa jeder Fünfte nichts von dieser Möglichkeit. Eine Hinweispflicht auf die Entgeltumwandlung vonseiten des Arbeitgebers könnte der Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung helfen, glauben Experten.

Doch allen Vorschlägen zum Trotz: Beobachter sind sich einig, dass eine stärkere Verbreitung der Betriebsrenten die Lücke nicht schließen könnte, die die Niedrigzinsen in die betriebliche Altersversorgung reißen. Dabei sehen Experten zweierlei Probleme. Wie genau das Nullzinsumfeld die Betriebsrenten schwächt, hängt davon ab, ob der Arbeitgeber die Pensionszusagen selbst getätigt hat und erwirtschaften muss (sogenannte Direktzusagen), oder ob er die Pensionsvermögen durch einen externen Dienstleister, etwa eine Versicherung, verwalten lässt.

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  • Leider ist es wirklich wahr !
    Ich selbst bin betroffener der für eine Direktversicherung von 1992 über 40.000.- €
    im nachhinein über 8.000.- € an die Krankenkasse abdrücken muß. Und das über das
    GMG von 2004 auch rückwirkend. Aber dabei bleibt es noch nicht, auch Rentenpunkte gehen
    verloren, besser man hätte das Geld in die Rentenkasse eingezahlt.
    Also niemals der Staats-, und Versicherungsmafia glauben die alle unter einer Decke stecken.
    Nahles sucht ja jetzt schon wieder mit Ihrem Vorschlag der betrieblichen Altersvorsorge neue Opfer. 9 Millionen betroffene sind noch nicht genug.
    Es gibt aber schon Demonstrationen in Deutschland. Leider noch zu wenige da ältere Leute
    meistens nicht mehr gesundheitlich dazu in der Lage sind. Und genau das nutzen diese
    Staats-, und Versicherungsgauner mit Hilfe der Gerichte schamlos aus und enteignen
    eine Großzahl von Wählern.
    Andererseits hat man ja auch eine Mitschuld wenn man diesen Abschaum immer wieder wählt.





  • Das ist doch bereits durch die Gesetzgebung der rot/grünen Regierung von Ulla Schmid
    gravierend eliminiert worden. Das Gesetz zur GKV-Beitragserhöhung mit AN/AG Anteil
    bei Auszahlung der BAV. Innerhalb dieser 10 Jahresbeitragspflicht wird mindestens 20%
    des eingezahlten Kapitals an Zusatzbeitrag in die GKV zu zahlen sein. Eine Revidierung
    z.Zt nicht mglich?? Mehr als 9 Millionen Rentner werden betrogen, weil sie sich eine Zusatzversorgung
    "leisten" konnten. Bis zum 1.1.2004 waren solche Bezüge nicht "pflichjtig". Ja, auch ich fühle mich betrogen, sowie meine Kundschaft die ich zu einer solchen BAV/Gehaltsumwandlung beraten habe. Heute werde ich dadurch angefeindet.

  • Möchte nur kurz auf das Thema "Direkt-Lebensversicherung" hinweisen!!
    Auch hier: Ulla Schmidt, SPD, muß im Nachherein versteuert werden ... im nachhinein legaliserter Betrug !!!
    Derzeit laufen übrigens immer noch Aktivitäten gegen dieses Unrechtsurteil!!
    Wir werden von unseren Politikern tatsächlich vorgeführt und betrogen !!

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