Buchrezension „Bargeldverbot“: Bargeld gegen den Überwachungsstaat

Buchrezension „Bargeldverbot“
Bargeld gegen den Überwachungsstaat

Ein Leben ohne Bargeld? Diverse Länder, zuletzt Dänemark, haben bereits Kampagnen gegen Cash gefahren. Ein Buch beschreibt jetzt, warum die Abschaffung von Bargeld die Freiheit einschränkt. Weitere Erkenntnisse fehlen.
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Frankfurt„Friedrich August von Hayek und George Orwell gewidmet“ – Das haben Ulrich Horstmann und Gerald Mann ihrem Text vorangestellt. Das ist programmatisch sehr treffend. „Bargeldverbot“, heißt das Buch und es beschreibt prägnant, was Hayeks großes Thema, die wirtschaftliche Freiheit, und Orwells Thema, der Überwachungsstaat, mit den um sich greifenden Bestrebungen zu tun haben: das Bargeld loszuwerden.

Wer Bargeld für seine Geschäfte nutzt, der hinterlässt keine digitalen Spuren und entzieht sich der Überwachung dieser Geschäfte. Er bleibt anonym. Wenn es kein Bargeld mehr gibt, dann gibt es fast keine Chance mehr, zu leben, ohne auf Schritt und Tritt überwachbare digitale Spuren zu hinterlassen. So einfach ist der Zusammenhang.

Horstmann, Wertpapieranalyst und Publizist, und Mann, Ökonomie-Professor an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management, treiben diese Idee auch noch ein bisschen weiter, indem sie sich ausmalen, was ein fürsorglicher Staat alles anstellen kann, wenn alle Zahlungsvorgänge digital und zentral steuerbar werden. Alkoholikern kann das Bezahlen von Alkoholika mit ihrem Kartengeld verunmöglicht werden. Sozialhilfeempfängern kann vorgegeben werden, was sie mit der Stütze kaufen dürfen und was nicht.

Man braucht nur wieder einen vermeintlichen oder tatsächlichen Sozialhilfe-Missbrauchsskandal in der Bild-Zeitung hochkochen, und schon ist das Feld bereitet. Noch allerdings muss die Verbrechensbekämpfung einschließlich der Steuerhinterziehung zur Rechtfertigung herhalten. Mit gewissem Recht brandmarken die beiden Autoren dies als heuchlerisch. Denn noch vermeiden Großkonzerne Milliarden an Steuern dadurch, dass sie ohne jede Bargeldnutzung ihr Geld auf die Reise durch die Steueroasen dieser Welt schicken.

Danach kommt das kleine Büchlein mit seinen 122 sehr luftig bedruckten Seiten sehr schnell an seine Grenzen. Die große Aktualität des Buches hatte den Preis einer offenkundig sehr raschen Entstehung. Weit über den Boulevard kommt es nicht hinaus und kann so dem Untertitel „Alles was Sie über die kommende Bargeldabschaffung wissen müssen“, nicht wirklich gerecht werden. Alles, was nur ein klein bisschen kompliziert wird, fällt entweder weg, oder wird extrem holzschnittartig, manchmal auch etwas wirr, abgehandelt.

Seite 1:

Bargeld gegen den Überwachungsstaat

Seite 2:

Charakter von Bargeld beleuchten

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