Bundesbank-Statistik: Deutsche legen Scheu vor den Börsen ab

Bundesbank-Statistik
Deutsche legen Scheu vor den Börsen ab

Die Sparzinsen im Keller, an den Börsen geht es oft turbulent zu. Dennoch steigt das Geldvermögen auf einen neuen Bestwert. Eine Studie, wie die Deutschen zum Vermögen kommen, dürfte die politische Diskussion befeuern.

FrankfurtDie Menschen in Deutschland besitzen trotz Niedrigzinsen soviel Geldvermögen wie nie zuvor. Auf den Rekordwert von 5,401 Billionen Euro summierte sich das Vermögen privater Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen Ende des zweiten Quartals, wie die Deutsche Bundesbank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Der Anstieg um 44 Milliarden Euro oder 0,8 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr lag den Angaben zufolge im langjährigen Durchschnitt, obwohl die Börsenflaute für leichte Bewertungsverluste von knapp vier Milliarden Euro insbesondere bei Aktien sorgte.

Hinter dem Zuwachs gegenüber dem ersten Jahresviertel stehen unter anderem zunehmende Investments in risikoarme Anlagen. Besonders gut betuchte Deutsche haben dabei ihren Reichtum häufig nicht selbst verdient, wie aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht.

Laut DIW kamen etwa drei Viertel der besonders Vermögenden in Deutschland im Alter von mindestens 40 Jahren bereits in den Genuss einer Schenkung oder Erbschaft - 18 Prozent sogar von zweien oder mehr. Befragt nach den Gründen für ihren Reichtum gaben zwei Drittel dementsprechend Erbschaften und Schenkungen an, gefolgt von Selbstständigkeit beziehungsweise Unternehmertum. Jede fünfte reiche Frau nannte Heirat als Hauptgrund. Als „hochvermögend“ gelten Haushalte, die mindestens eine Million Euro frei verfügbar haben.

Die Ergebnisse der Studie könnten die politische Diskussion befeuern. „Ein Überdenken der gegenwärtig milden Erbschafts- und Schenkungssteuer halte ich persönlich für sinnvoll“, sagte DIW-Experte Markus Grabka. „In Deutschland ist die Vermögensungleichheit besonders hoch, und die Erbschaftssteuer kann da als Korrekturinstrument dienen.“ Die jüngste Reform gewährleiste dies aber nicht und packe grundlegende Probleme nicht an.

Die jahrelang umstrittene Novelle der Erbschaftsteuer wurde Mitte Oktober unter Dach und Fach gebracht. Im Kern geht es dabei um die Neufassung der Steuerprivilegien für Betriebserben. Diese müssen auch künftig keine Erbschaftsteuer zahlen, wenn sie den Betrieb und die Arbeitsplätze erhalten. Die Hürden dafür werden aber höhergelegt, weil das Verfassungsgericht eine Überprivilegierung bemängelt hatte.

Dank des robusten Arbeitsmarktes und steigender Reallöhne konnten viele Menschen auch mehr auf die hohe Kante legen. Die eher als börsenscheu geltenden Deutschen steckten erneut mehr in Aktien oder Investmentfonds. „Zur anhaltenden Präferenz für liquide und risikoarme Anlagen kam - wie bereits in den Vorquartalen - auch ein merkliches Engagement in Aktien und Anteilen an Investmentfonds hinzu“, erklärte die Bundesbank. Dies deute auf ein steigendes Renditebewusstsein hin.

Beliebt waren im zweiten Quartal den Angaben zufolge vor allem Renten- und Immobilienfonds. In Aktien investierten die Bundesbürger dagegen etwas weniger als in den Vorquartalen. Unter dem Strich steckten sie fünf Milliarden Euro in Aktien und sonstige Anteilsrechte vor allem inländischer Unternehmen.

Der Großteil des Geldes floss allerdings weiterhin in Bargeld und Bankguthaben (25 Milliarden Euro) sowie in als sicher eingeschätzte Versicherungen und Pensionseinrichtungen (18 Milliarden Euro). Verglichen mit den Vorjahren fiel der Zuwachs bei Versicherungen und Pensionseinrichtungen den Angaben zufolge aber unterdurchschnittlich aus.

Aus Spareinlagen zogen die Bundesbürger im zweiten Quartal unter dem Strich Geld ab. Seit die Europäische Zentralbank im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturflaute die Zinsen praktisch abgeschafft hat, werfen Sparbuch und Co. kaum noch etwas ab.

Zugleich nutzten die Bundesbürger die niedrigen Zinsen, um sich günstig Kredite zu verschaffen - vor allem für den Wohnungsbau. Die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte stiegen um ein Prozent auf 1,645 Billionen Euro. Unter dem Strich erhöhte sich das Nettogeldvermögen damit um 0,8 Prozent auf 3,756 Billionen Euro. Immobilien oder Kunstwerke sind in der Statistik nicht enthalten. Auch wie das Vermögen verteilt ist, geht aus der Studie nicht hervor.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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