Bundesbank-Studie: „Vermögen sind weiterhin relativ ungleich verteilt“

Bundesbank-Studie
„Vermögen sind weiterhin relativ ungleich verteilt“

Die Debatte um die gerechte Verteilung von Vermögen findet neue Nahrung. Die Bundesbank kommt zum Urteil, dass in anderen Euro-Ländern die Vermögen breiter verteilt sind als in Deutschland – vor allem aus einem Grund.
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FrankfurtEine Studie der Bundesbank befeuert die Debatte über die Frage der Gerechtigkeit in Deutschland. Das zeigt der Median der Vermögen deutscher Privathaushalte. Wer mehr Vermögen als der Median hat, zählt zur reicheren Hälfte des Landes, wer weniger zur ärmeren Hälfte. Laut Bundesbank liegt dieser Median des Nettovermögens – also nach Abzug der Schulden – bei 60.400 Euro. Analysiert wurden Daten des Jahres 2014. Der Vergleich zu reicheren Haushalten zeigt die Relevanz dieses Werts.

Denn die Schwelle zu den reichsten zehn Prozent liegt in Deutschland bei einem Vermögen in Höhe von 468.000 Euro. Das Verhältnis der Schwelle zu den reichsten zehn Prozent im Vergleich zum Median liegt damit bei fast acht (468.000 Euro/60.400 Euro). „Für den Euro-Raum insgesamt nahm dieses (...) Verhältnis im Jahr 2010 einen Wert von fünf an“, schreiben die Ökonomen der Notenbank. Die internationalen Daten sind noch nicht für einen späteren Zeitpunkt verfügbar.

Die Bundesbank zieht daraus das Fazit: „Die Vermögen sind weiterhin – gemessen an anderen Ländern im Euro-Raum – relativ ungleich verteilt.“ Allerdings hat es im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2010 keine wesentlichen Veränderungen gegeben. Die Vermögensverteilung zwischen blieb von 2010 bis 2014 relativ stabil.  Die vermögendsten zehn Prozent verfügten demnach über 60 Prozent des gesamten Nettovermögens, die untere Hälfte der Haushalte 2,5 Prozent des deutschen Netto-Vermögens.

Das Median-Vermögen eines deutschen Haushalts beträgt weniger als die Hälfte eines italienischen Haushalts. In Italien beträgt der Wert 138.000 Euro, in Deutschland zur Erinnerung: 60.400 Euro. Ein wichtiger Grund für den starken Unterschied ist der Anteil der Haushalte mit Immobilieneigentum. In Ländern, in denen besonders viele Menschen ein Haus besitzen, wie zum Beispiel auch Spanien, ist auch das Vermögen meist größer. Ergebnisse für Italien zeigen, dass sich der Abstand zu Deutschland bis 2014 zwar verringert hat, aber immer noch besteht.

Im Jahr 2014 besaßen 81 Prozent der deutschen Haushalte laut den Daten der Bundesbank Sachvermögen, doch nur 44 Prozent „Eigentum am Hauptwohnsitz“. Dieses Verhältnis hat sich trotz zwischen 2010 und 2014 einsetzender Niedrigzinsphase mit besonders günstigen Baufinanzierungen nicht geändert. Jeder fünfte Haushalt hat „sonstigen Immobilienbesitz“ wie etwa eine vermietete Wohnung, dieser Wert ist gegenüber 2010 leicht gestiegen (von 18 auf 20 Prozent).

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Nur zehn Prozent der Haushalte besitzen Aktien

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  • Es gibt keine gerechte Verteilung. Wenn z.B. einige Mulitmilliardäre ihren Wohnsitz von den USA nach Deutschland verlegen würden, würde sich der Meridian verschieben und mehr Bundesbürger hätten weniger als 60 % davon. Sind sie dadurch ärmer geworden? Die Mehrheit der Bundesbürger kann oder will kein Vermögen bilden. Schon seit Jahrzehnten gab und gibt es eine Förderung sog. vermögenswirksamer Leistungen. Vermögen wurde damit kaum gebildet. Nach Ablauf der Bindungsfristen wurde das Geld verkonsumiert. Das soll auch jeder halten, wie er will, aber diese sinnlose Diskussion wer arm oder reich ist, sollte eingestellt werden. Ich z.B. bin nicht reich, gehöre wohl zu denen unter 60 %, aber möchte nicht mit einem z.B. Trump tauschen.

  • Ja, erstaunlich was der Artikel zu Tage fördert. Die Deutschen haben keine Lust auf Risikokapital, und nur weil die Zinsen sinken, gehen sie immer noch nicht ALLE auf Häuslebau. Warum bloss? Wenn ich mal von mir auf andere schließen sollte, dann würde ich sagen: Die - wie soll ich es höflich ausdrücken? - "volatilen" Aktienmärkte sind vielleicht für viele Haushalte nicht attraktiv, die kein Geld übrig haben, um es notfalls "abschreiben" zu können (gedanklich und/oder von ihrer Steuerlast). Der Immobilienkauf ist so eine Sache für kleinere Einkommen und Leute, die keine 25 mehr sind und/oder sich einen guten Teil der Last über ihre Steuererklärung von unser aller Steuergeld wiederholen können. Wo die Häuser billig genug sind, (Ruhrgebiet!) bringt das eingesetzte Kapital so wenig Rendite, wie auf dem Sparbuch. In berlin o. München steigen die Preise (noch) schneller, als die Zinsen sinken, und wer mit 45 oder später sein Sparbuch auflöst, um sich ein Haus als Altersvorsorge zu kaufen, sucht sich nach was Bezahlbarem so dumm und blöd wie eine nach einer (halbwegs seriösen) Bank, die ihm in dem Alter einen 20Jahresvertrqag gibt. Übrigens steht in diesem selben Handelsblatt, dass selbst unseren Banken der Immobilienmarkt zu heiß wird. Mancher, der jetzt seine gesamten Spargroschen in eine Immobilie steckt, wird also beim nächsten Crash erwischt. Aber dann kann das HB ja wieder über die böse private Überschuldung, die leichtsinnige, schreiben. Geht wenigstens der Stoff nicht aus.

  • Herr Michael Müller,
    die ständige subtile Forderung nach (noch) mehr Verteilung von "Faulpelzen" zu "Leistungsstarken" ist unerträglich. 1. Das Vermögen und "Leistung" immer zusammenkommen, ist Blödsinn, und nicht erst seit gestern. Krankenschwestern, Nacht- und Schichtarbeiter "leisten" eine Menge, im Sinne harter Arbeit. Bildet sich das in der Einkommens- und Vermögensstatistik etwa ab? 2. Eine demokratische Gesellschaft in einem sozialen Staat (s. Artikel 1 GG) ist u. a. eine Solidargemeinschaft. Der Stärkere kann durchaus verpflichtet werden, dem Schwächeren zu helfen (Art. 14 GG). 3. Deutschland war mal reich, mal arm früher. Das wechselte, wie bei jeder anderen der größeren europäischen Nationen. 4. Die Deutschen waren Viehtreiber und Bauern, da hatten die Mittelmeerländer ihre 3. oder 4. kulturelle Hochblüte. Nahezu der gesamte Kernbestand der dt. "Leitkultur", der vielzitierten, stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. 5. Es ist ein Porsche CAYENNE. Lt. WiWo waren in 01/2014 "neben dem Nahen Osten die USA und China die größten Märkte" für teure Autos. 6. Die Immobilienwerte, die in die ital. o. griech. Vermögenstatistik zählen, stehen mangels Kaufkraft nur auf dem PAPIER. Muss einer dort wg. Einkommensausfall verkaufen, erhält er nur einen Bruchteil dieser "Werte" für sein Haus. Die Bundesbank selbst hat öfter auf diese Verzerrung der Statistik hingewiesen. 7. Haben Sie mal versucht, mit Hartz IV eine Lebemenschenexistenz zu finanzieren? Wäre für Erfolgsbericht dankbar. Meine Mutter (81) hat das 3-Fache an Rente und kommt gerade so eben klar (ist weder faul noch Lebemensch). 8. Am Mittelmeer ist man so reich, dass Tausende sich keine Krankversicherung leisten können. 9. In D. warten Privatpatienten wie ich 1 Tag, Kassenpatienten 2 Wochen auf einen Arzttermin. obwohl die meisten Kassenbeitragszahler arbeiten gehen. Also Menschen, die sich mit ihrer Arbeit was aufbauen, in Ihren Worten. Ist das alles gerecht, ja?

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