Bundesbank und Europäische Zentralbank

Weidmann sieht keine „Enteignung“ der Sparer

Je schärfer Angriffe auf EZB-Präsident Mario Draghi werden, desto mehr rückt ein bislang scharfer Kritiker an seine Seite: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Der erkennt in Niedrigzinsen keinen Angriff auf Sparer.
Der Bundesbank-Präsident macht keine Hoffnung auf bald steigende Zinsen auf Erspartes. Quelle: Reuters
Jens Weidmann

Der Bundesbank-Präsident macht keine Hoffnung auf bald steigende Zinsen auf Erspartes.

(Foto: Reuters)

MünchenBundesbank-Präsident Jens Weidmann verteidigt die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) unter deren Chef Mario Draghi gegen Angriffe aus der Politik. „Es ist Aufgabe der Notenbanken, die Menschen vor Inflation zu schützen. Eine Mindestrendite für Sparer können sie nicht versprechen“, sagte Weidmann am Freitag in München laut dem veröffentlichten Redetext.

Die Geldentwertung durch Inflation sei gegenwärtig so gering, dass die reale Verzinsung von Spareinlagen über null liege und damit höher als in den 1970er-Jahren und auch in den Jahren 2011 bis 2014. Kritiker hatten der EZB eine „Enteignung“ deutscher Sparer vorgeworfen.

„Natürlich kann ich die Sorgen der Sparer nachvollziehen, die derzeit auf ihre sicheren Anlagen kaum oder keine Erträge erhalten“, erklärte Weidmann, der im EZB-Rat über die Geldpolitik mitentscheidet. „Allerdings ist gleichzeitig die Entwertung des Geldes durch die Inflation so gering, dass die reale Verzinsung von Spareinlagen über null liegt.“

In den vergangenen Tagen hatte auch EZB-Präsident Draghi auf eine Studie der Bundesbank hingewiesen, wonach die von Sparern erzielte reale Rendite (also eingestrichene Zinsen abzüglich der Inflation) auch in der Vergangenheit schon zeitweise niedrig war und durchaus auch niedriger als in den letzten Jahren. Die reale jährliche Gesamtrendite der privaten Haushalte über alle Sparformen hinweg lag laut Bundesbank von 2008 bis Anfang 2015 im Mittel bei 1,5 Prozent.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

„Wir alle sind (...) nicht nur Sparer, sondern auch Arbeitnehmer, Häuslebauer, Steuerzahler und Unternehmer - und aus dieser Perspektive erscheinen die niedrigen Zinsen nicht nur negativ“, fügte Weidmann hinzu. Draghi hatte in dieser Woche in einem Zeitungsinterview darauf hingewiesen, dass es auf der Suche nach Rendite auch Alternativen zu kaum verzinsten Anlageformen wie Sparbüchern gebe. (Unsere Redaktion hat einige Ideen für mehr Rendite zusammengestellt – mit Berücksichtigung der Risiken)

0,05 Prozent Zinsen gelten als „Geschenk“
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