BVR-Studie
Wie die Deutschen ihr Geld anlegen

Die Eurokrise verunsichert die Deutschen zutiefst. Ihr Geld legen sie möglichst risikolos an; Spareinlagen sind gefragt, wie eine Studie der Volks- und Raiffeisenbanken belegt. Dummerweise ist die Strategie gefährlich.
  • 17

DüsseldorfWenn es ums Geld geht, gehen die Deutschen auf Nummer sicher. Zumindest glauben sie das. Ihre Euro packen sie am liebsten auf Tagesgeldkonten, also auf Sichteinlagen, wie Banker zu sagen pflegen. Zu diesem Befund kommt der aktuelle Konjunkturbericht des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Fast die Hälfte der neu angesparten Beträge entfiele auf diese Anlagegruppe, heißt es darin.

Allein zwischen Oktober 2011 und September 2012 hätten die Deutschen insgesamt 84,4 Milliarden Euro zu den inländischen Banken gebracht. Mehr als 80 Milliarden Euro floss in die täglich fälligen Sichteinlagen. Bankguthaben gewännen immer weiter an Bedeutung, heißt es weiter in dem Bericht. Ihr Anteil am Vermögen der Deutschen lag zur Jahresmitte mit 41 Prozent auf dem höchsten Stand seit Ende der 1990er Jahre.

Ganz ungefährlich ist diese Stratege allerdings nicht. Das Problem mit den sicheren, aber niedrig verzinsten Produkten: In vielen Fällen reicht die Rendite nicht aus, um die Inflationsrate auszugleichen. Die Statistikbehörden haben zuletzt für den Euro-Raum eine Inflationsrate von rund zwei Prozent gemessen. Die Zahl allein ist zwar noch nicht sonderlich furchteinflößend; die Deutschen sind - das hat die Geschichte gelehrt - ganz andere Werte gewohnt. Zu Zeiten der Weimarer Republik etwa, zwischen Oktober 1922 und Dezember 1923, betrug die Inflationsrate 50 Prozent - pro Woche, wohlgemerkt.

Trotzdem entfalten auch geringere Werte langfristig eine verheerende Wirkung, weil die Kapitalmarktzinsen derzeit so niedrig sind und den Anstieg der Inflation nicht ausgleichen. Angenommen, die Inflationsraten liegen in den kommenden fünf Jahren nur leicht über den Zielvorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB), also etwa bei 2,5 Prozent, dann führt das, den Zinseszinseffekt berücksichtigt, zu einem Kaufkraftverlust von mehr als zehn Prozent. Die Notenbanker der EZB betonen zwar, dass das schwache Wachstum in der Euro-Zone die Teuerung mittelfristig dämpfen werde. Dennoch: Gerade die Deutschen fürchten sich vor einer Geldentwertung.

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Inflationsraten in Zukunft höher sein werden als in den vergangenen Jahren. Ein wesentlicher Grund dafür ist die laxe Geldpolitik der Notenbanken. Während der Finanzkrise hatten die Währungshüter ihre Notenpressen angeworfen und die Leitzinsen radikal gesenkt, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren. Geld gibt es seither zu Dumpingpreisen. Und das wird noch eine ganze Weile so bleiben. Mario Draghi, der neue EZB-Chef, hat mehrfach betont, dass er den Euro um jeden Preis retten werde, das heißt notfalls auch mit der Notenpresse.

Wenn die Sparer sich vor der Inflationsgefahr schützen wollen, dann investieren sie ihr Geld überwiegend in die eigenen vier Wände. Die Investitionen in Wohnimmobilien dürften im Gesamtjahr 2012 ihren Anstieg fortgesetzt haben, schreiben die Experten des BVR. In 2011 lagen die Nettoinvestitionen der privaten Haushalte bei 49,6 Milliarden Euro. Rund 90 Prozent davon flossen in den Bau oder in Bestandsinvestitionen von Wohnimmobilien. Die Finanzierungskosten für Wohnimmobilien lagen im September mit einem Zinssatz im Neugeschäft von drei Prozent so niedrig wie noch nie.

Die Sparneigung der Bundesbürger hat sich seit Anfang des vergangenen Jahres trotz der anhaltend niedrigen Zinsen kaum verändert. Die Sparquote, also das Verhältnis des Sparens zum verfügbaren Einkommen, lag im dritten Quartal dieses Jahres bei 10,3 Prozent.

 



Kommentare zu " BVR-Studie: Wie die Deutschen ihr Geld anlegen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @namenlos
    Zu Ihrer Frage: Auch Bargeld ist eine Art "Schuldschein".Und dennoch ist es als Geldkreislauf halbswegs zu unterscheiden vom bloßen Buchgeld oder "Luftgeld". Vom Buchgeld gibt es etwa 25 Billionen EUR. Zu 96 Prozent ist es dabei reinste Luft, denn es gibt nur 800 Milliarden echtes EZB-Geld. Wenn also bei Bankpleiten offensichtlich wird, dass die Banken kein Geld haben, sondern nur Jemanden kennen, der vielleicht einen anderen kennt, der einen kennt, der eines Tages die Konten mit Deckung füllt, was würden Sie dann tun, wenn Sie Kaufmann wären? Die Kunden mit Kreditkarte bezahlen lassen, oder auf Barzahlung mit echtem Geld bestehen? Ich denke in so einem Sezenario könnte Bargeld dem Gold sogar zunächst überlegen sein, weil die Echtheit von Gold im Alltag nicht so ohne weiteres überprüfbar ist. Natürlich bleibt die Frage, ob in der weiteren Folge auch eine Währungsreform kommt. Das scheint mir möglich, jedoch nicht zwingend. Im Grunde wäre die Bankpleite das reinigende Gewitter des Kapitalismus. Der übliche Zahlungsverkehr in Euro kann locker mit 200 Milliarden echtem Geld abgewickelt werden. Die restlichen 600 liegen ohnehin irgendwo in der Welt herum, wobei China - wie man hört - damit nun in Deutschland einkaufen geht.

  • irgendwie vergessen Sie offensichtlich, dass Ihr im Schließfach geparktes Bargeld nur dann einen Wert hat, wenn Sie auch etwas dafür kaufen können (es also einen Gegenpart gibt, der Ihnen dafür etwas gibt). Angenommen, die von Ihnen zitierte Bank-Pleite (ggf. etwas großflächiger) würde kommen, welchen Wert hat dann das geparkte Bargeld (Bankpleite->Einlagensicherung pleite->Staat pleite->Währung sicher???)?

  • Daran erkennt man doch gut, dass Gold Verlust gemacht hat. Es gab seit Babylon eine enorme technische Enwicklung, die dazu führte, dass wir ertragreichere und robustere Gereidesorten haben, dass wir dank Traktoren das Getreide schneller und effizienter säen und ernten können. Das Mehl wird auch schneller und effizienter gewonnen und das Bäckerhandwerk ist auch sehr viel effizienter.

    Hätte Gold seinen Wert erhalten, dann müsste man heute für eine Unze mehrere tausend Brote kaufen können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%