Chefaktuar Schneemeier im Interview
Warum der Garantiezins weiter unter Druck kommt

Die Niedrigzinsen stellen die Lebensversicherer vor große Probleme. Im Interview plädiert der oberste Versicherungsmathematiker für geringere Reserven, flexible Garantien und eine neue Anlagepolitik der Assekuranzen.
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KölnWilhelm Schneemeier liebt die Mathematik, die Statistik, das zahlenmäßige Beziffern von Risiken. Genau das hat er zu seinem Beruf gemacht: Ende April wurde Schneemeier, der seit 2002 Mitglied der Geschäftsleitung der Swiss Life ist, zum obersten Versicherungsmathematiker berufen. Für zwei Jahre ist er der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Obwohl sein Terminkalender dadurch noch voller ist, nimmt sich Schneemeier zwischen zwei Vorträgen in Köln Zeit für ein Interview. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen sich deutsche Lebensversicherer im Niedrigzinsumfeld konfrontiert sehen, ist der gebürtige Baden-Württemberger bester Laune.

Herr Schneemeier, Millionen Schüler ärgern sich jeden Tag über ihre Mathe-Hausaufgaben. Wie würden Sie Schülern erklären, dass Mathematik eigentlich ein spannendes Fach sein kann?
Es würde sicherlich helfen, wenn man den Schülern bereits früh den praktischen Nutzen von Mathematik vor Augen führt und ihnen aufzeigt, wo man im Berufsleben die Mathematik benötigt. Dann entsteht bei vielen sicherlich eine gewisse Neugierde – und bei einigen vielleicht sogar Begeisterung für die Mathematik. Im Übrigen bieten wir über unsere Schwestervereinigung die Deutsche Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik umfangreiche Informationen an und unterhalten Kooperationen mit Schulen.

Sie könnten dem Nachwuchs einfach aus ihrem persönlichen Berufsalltag als Aktuar berichten. Das historische Zinstief sorgt derzeit für Nervenkitzel.
In der Tat. Nehmen Sie die Garantien. Wie hoch ist das Risiko, wenn ein guter Teil der Bestände noch mit Zusagen von vier Prozent ausgestattet ist? Was passiert wenn der Marktzins nach unten geht? Welche Kapitalanlagen wählen wir? Das sind Kernfragen unseres Berufs, für die man auch schon Schüler in Abiturklassen interessieren kann.

Schlagen Ihnen die Antworten auf diese Fragen manchmal aufs Gemüt? Etwa wenn Sie jeden Tag schwarz auf weiß vor sich sehen, wie die Rendite in der Altersvorsorge von Millionen von Deutschen schrumpft?
Der von den Finanzmärkten vorgegebene Rahmen ist derzeit wirklich frustrierend. Keinem Aktuar macht es Spaß, Bewertungen in einem Zinsumfeld von 0,5 Prozent vorzunehmen oder Produkte zu entwickeln. Auf der anderen Seite ist aber auch klar, dass Lebensversicherer nicht zaubern können. Man muss sich immer bewusst machen, dass das deutsche Geschäftsmodell laufende Beitragszahlungen über 30 Jahre vorsieht, die der Versicherer mit Garantien ausstattet. Dieses Modell produziert im Tiefzinsumfeld erheblichen Druck.

Wann sinkt der Höchstrechnungszins, im Volksmund auch Garantiezins genannt?
Für 2016 haben wir den Vorschlag gemacht, den Höchstrechnungszins bei 1,25 Prozent zu belassen. Wir haben diese Empfehlung an die Aufsichtsbehörde Bafin weitergegeben, das Bundesfinanzministerium muss noch zustimmen.

Und nach 2016?
Danach könnte der Höchstrechnungszins weiter unter Druck geraten. Wir haben uns schon für 2016 schwer getan. Ohne die Neuordnungen durch Solvency II hätten wir vielleicht eine andere Empfehlung abgegeben. Denn viele hätten uns gefragt, wie könnt Ihr 1,25 Prozent bei einer damaligen Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen von 0,2 Prozent empfehlen? Ganz ehrlich: Ohne die neuen Regeln hätte ich keine gute Antwort gehabt. Jetzt können die Unternehmen die 1,25 Prozent nur ausreizen, wenn sie unter Solvency II genug Eigenmittel haben.

Wann kommt die Zinswende?
Aktuare sind keine Volkswirte. Wir beobachten im Moment in Europa genauso wie in Amerika eine in Teilen beeinflusste Zinssituation. Wenn sich in Amerika etwas ändert, wird das auch Auswirkungen auf das europäische Zinsumfeld haben. Sehen wir bald ein Ende der Niedrigzinsphase? Da bin ich eher skeptisch. Schon seit 1991 sind die Zinsen auch aus rein volkswirtschaftlichen Gründen nach unten gegangen. Eine wirkliche Trendwende gab es bei den volkswirtschaftlichen Rahmendaten nicht. Die Aktuare und Versicherer sollten sich auf längere Sicht auf niedrige Zinsen einstellen.

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  • @Herr Peter Spiegel:
    Ich schließe mich Ihnen voll und ganz an ;-)


  • ... seine bestehenden Kreditverpflichtungen abbezahlt, seine Verbindlichkeiten ausgleicht ...

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