Commerzbank-Chef
Blessing hält nichts von Deckelung der Dispozinsen

Der Commerzbank-Chef sieht in den hohen Dispozinsen einen Anreiz für Kunden, Konten nicht zu überziehen – er plädiert gegen Gesetzesinitiativen. Gerüchte, er müsse bald seinen Stuhl räumen, dementierte Blessing.
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BerlinCommerzbank-Chef Martin Blessing hat vor einer Deckelung der Dispozinsen gewarnt. "Es ist gefährlich: Je billiger das Geld, desto höher verschulden sich die Verbraucher", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Freitag. Das sei der falsche Weg. Das Girokonto zu überziehen, dürfe kein Dauerzustand sein; der Dispozins solle "bewusst auch ein Anreiz sein, das Konto nicht langfristig zu überziehen". Ein Überziehungskredit sei nur für einen kurzfristigen Engpass gedacht. "Wer längerfristig finanzieren will, kann seine Schulden jederzeit in einen Kredit umschulden." Der sei dann auch "deutlich günstiger" und die "fairere Variante".

Dispozinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber innerhalb eines vorher mit der Bank vereinbarten Rahmens weiter belastet. Wird dieser Rahmen gesprengt, werden zudem Überziehungszinsen fällig, die in der Regel nochmals deutlich höher liegen. Derzeit liegen die Dispozinsen nach Angaben der Finanzberatung FHM im Durchschnitt bei 10,48 Prozent. Die Commerzbank verlangt bei ihrem kostenlosen Girokonto für Gutverdiener stolze 11,90 Prozent und ist damit einer der teuersten Anbieter im Markt.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte eine Deckelung der Dispozinsen gefordert; die Bundesregierung lehnt eine gesetzliche Begrenzung dagegen ab. Verbraucherschützer kritisieren seit Jahren die hohen Kosten für Überziehungskredite.

Die Euro-Schuldenkrise hat sich nach Blessings Meinung dank des Einschreitens der Europäischen Zentralbank (EZB) beruhigt. „Die akute Gefahr ist mit der Ankündigung der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, vorerst gebannt“, sagte er. Die Notenbanker könnten das Problem jedoch nicht auf Dauer lösen. „Die EZB kann nur Zeit kaufen.“ Der Preis dafür sei allerdings, dass die notwendigen politischen und strukturellen Reformen in der Eurozone dafür aber nicht so schnell vorankommen. Durch die niedrigen Zinsen sinke der Druck auf die Staaten.

Trotz Rücktrittsforderungen aus der Politik fürchtet Blessing nach eigenen Worten nicht, seinen Platz an der Spitze des zweitgrößten deutschen Geldhauses räumen zu müssen. „Unsere Hauptversammlung hat mir erst vor wenigen Wochen mit über 95 Prozent der Stimmen das Vertrauen ausgesprochen.“

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Commerzbank-Chef: Blessing hält nichts von Deckelung der Dispozinsen"

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  • Diesmal hat der Herr Blessing aber recht. Davon abgesehen ist ein Dispo eh nur was für Loser

  • Ja nun, wir wissen ja alle zu welchem Erfolg die Meinung des Herrn Blessing in den letzten Jahren geführt hat.

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