Das Geld für die Alterskassen wird knapp
Von der Hand in den Mund

Wie man es auch betrachtet, die Rente ist unsicher: Kurzfristig drohen Liquiditätsengpässe, langfristig müssen sich Arbeitnehmer auf sinkende Leistungen einstellen. Auch die private Vorsorge der Bürger reicht noch lange nicht aus. An der Erhöhung des Renteneintrittsalters führt offenbar kein Weg vorbei.

BERLIN. Im Juli ist es noch einmal gut gegangen: Die Einnahmen der gesetzlichen Rentenkassen reichten gerade aus, um die monatlichen Zahlungen an die Senioren zu finanzieren. Im August wird es extrem knapp. "Wir leben von der Hand in den Mund", gesteht Franz Ruland, der Direktor des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR). Wenige Tage vor der Bundestagswahl dürfte den Alterskassen tatsächlich vorübergehend das Geld ausgehen: "Wenn wir von den Annahmen der Bundesregierung ausgehen, ist im September ein vorgezogener Bundeszuschuss erforderlich", sagt Ruland. Dann müssen die Versicherungen beim Bund voraussichtlich 450 Mill. Euro früher abrufen als geplant. Zuletzt war ein solcher vorgezogener Bundeszuschuss vor 20 Jahren notwendig geworden.

Zwar wird formal jetzt nur der im Oktober ohnehin fällige monatliche Steuerzuschuss ein paar Tage vordatiert, um den Liquiditätsengpass zu überbrücken. Auch ist "auf jeden Fall die Zahlung der Renten gesichert", wie Ruland versichert. Politisch ärgerlich ist der Vorgang für Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) trotzdem - macht er doch überdeutlich, wie knapp die eiserne Rentenreserve, aus der Einnahmeschwankungen im Jahresverlauf eigentlich ausgeglichen werden, inzwischen bemessen ist. Gerade 889 Mill. Euro lagen Ende Juni noch in dem Feuerwehrtopf. Zum Vergleich: die monatlichen Ausgaben betragen 15,8 Mrd. Euro.

Die gesetzliche Altersversicherung leidet aktuell unter einer finanziellen Auszehrung, die mit der Alterung der Gesellschaft noch gar nichts zu tun hat. In den schlechten Zahlen spiegelt sich vielmehr die wirtschaftliche Großwetterlage wider: Der Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, die magere Lohnentwicklung und die Kürzung von Weihnachtsgeldansprüchen lassen die Einnahmen stetig schrumpfen.

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