Das Millionärs-Gen
So ticken Deutschlands Superreiche

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Reiche entscheiden mit dem Bauch

Tatsache ist: 64 Prozent der Befragten haben Kontakte zu Personen mit gesellschaftlichem Einfluss. Knapp jeder Vierte hat kommunale, etwas mehr als die Hälfte hat regionale bis überregionale und gut ein Sechstel internationale. Je größer das Vermögen ist, desto häufiger sind Verbindungen in Wirtschaft und Politik. Von jenen, die weniger als zwei Millionen Euro besitzen, stimmten 39 Prozent zu, dass sie Kontakte zu Politikern pflegen. Von denen, die mindestens zwei Millionen haben, waren es 48 Prozent.

In beiden Studien benutzten Lauterbach und Zitelmann den Big-Five-Test, mit dem fünf Charaktereigenschaften analysiert werden: Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Geselligkeit, Verträglichkeit und seelische Verletzlichkeit. Übereinstimmend kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der befragten Hochvermögenden sehr offen für neue Erfahrungen und pflichtbewusst ist, extrovertiert und psychisch stabil. Außerdem sind sie eher konfliktorientiert als ausgesprochen verträglich.

Über den Persönlichkeitstest hinaus halten die Wissenschaftler fest, dass die Reichen ein großes Selbstbewusstsein haben. Sie sind bereit, gegen Widerstände zu handeln und Risiken einzugehen – und sich dessen bewusst. Diese Bereitschaft nehme im Laufe der Zeit allerdings ab. Wenn die Befragten Entscheidungen treffen, dann tut das die Mehrheit von ihnen aus dem Bauch heraus. Bei Umfragen in der Gesamtbevölkerung überwiegt hingegen der Anteil derer, die sagen, dass sie eher „nach dem Verstand“ entschieden.

Jemand, der vermögenden Menschen tagtäglich begegnet, ist Klaus Siegers, Chef der Weberbank. Die genannten Eigenschaften aus den Studien kann er generell bestätigen. Viele seiner Kunden seien äußerst ehrgeizig, diszipliniert, würden hart arbeiten – aber auch wissen, was sie können. „Das sind aber eben auch die Eigenschaften, die erfolgsführend sind“, sagt Siegers. „Wenn man denn Erfolg in Geld misst.“

Macht Geld glücklich? Lauterbach hat in seiner Studie herausgefunden, dass Hochvermögende durchaus zufriedener sind als die Gesamtbevölkerung. Während die Allgemeinheit auf einer elfstufigen Skala im Schnitt den Wert sieben und acht angab, wählten die befragten Millionäre häufiger die beiden obersten Werte. Dass Reiche überdurchschnittlich glücklich sein wollen, davon hat auch Weberbank-Chef Siegers gehört. „Das mag sein“, sagt er. „Sie haben aber auch ihre Sorgen. Die existieren unabhängig vom Kontostand.“

Vielleicht sei auch weniger ihr Reichtum der Grund für ihre Lebensfreude, und was sie sich damit leisten können, sondern ihre Einstellung. Viele seiner Kunden hätten durchaus schwere Zeiten und Krisen durchlebt. „Vermögende kennen nicht nur die Sonnenseite“, sagt Siegers. „Viele unserer Kunden sind aber sehr nervenstark.“

In den Interviews mit Zitelmann sagten die meisten ebenfalls, dass sie in Krisen ruhig und gelassen geblieben wären. „Einer hat mal 80 Millionen verloren, der andere war mal insolvent“, erzählt er. Zwar hätten ihm Gesprächspartner auch von schlaflosen Nächten berichtet, aber mehrheitlich hätten die Befragten gesagt, sie hätten auch in turbulenten Phasen ruhig schlafen und „abschalten“ können. Außerdem habe die Mehrheit der Befragten die Schuld an Rückschlägen und Verlusten nicht in äußeren Umständen oder bei anderen Menschen gesucht, sondern bei sich selbst und die Verantwortung übernommen. Und statt zu grübeln und mit sich zu hadern, hätten sie negative Dinge – so die Ergebnissen der Interviews und Persönlichkeitstests – schnell „abhaken“ können.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl reicher Personen immer mehr angestiegen – auch in Berlin. Laut Weberbank gibt es bundesweit zwischen 1,2 und 1,3 Millionen Menschen, die über ein Nettovermögen von mindestens einer Million Euro verfügen – ohne Immobilien. In Berlin sollen rund 20.000 Millionäre leben. Dass so wenig über sie bekannt ist, liegt zum einen an den wenigen Daten. Ein anderer Grund sei, dass die Reichen Entführungen fürchten. Und weil man in Deutschland, anders als in den USA, eher über Krankheiten als über Geld sprechen würde.

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  • @ Frau Oksana Lebedova - 21.02.2017, 15:02 Uhr

    >Das werden unsere Unterschicht Versager nicht verstehen<
    Das verstehen nicht nur 'Präkere' nicht, sondern auch der durchschnittliche
    Bürger überwiegend nicht - bzw. sorry, doch! Wir sehen, wo die größeren Vermögen
    zu fast 70% (!) herkommen: Aus Erbschaften natürlich!
    Nein, das schmälert auch ganz und gar nicht die Leistung einer großen Anzahl hart arbeitender Mittelständler, die sich i.d.R. ihr ganzes Leben mit dem Aufbau 'Ihrer' Firma verschrieben haben!
    Es bleibt aber bei dem Spruch unserer Altvorderen: Von seiner Hände Arbeit ist noch niemand reich geworden!

  • Netter Artikel über die verarmten Freunde aus einem noch ärmeren Land. Ha Ha Ha

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