Debatte um Scheine und Münzen
Warum das Bargeld bleibt – vorerst

Mehr als jeden zweiten Einkauf zahlen die Deutschen noch bar. Drei Viertel sprechen sich zudem gegen eine Abschaffung von Scheinen und Münzen aus. Trotzdem sind sich Experten sicher: Das Bargeld ist ein Auslaufmodell.
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Frankfurt/MainGrinsend fährt die alte Dame mit dem fahrbaren Rollstuhl an der Supermarktkasse vor – und bezahlt ihren Einkauf bargeldlos per Smartphone-App. Der Werbefilm des Bezahldienstes Yapital sorgt für Lacher bei der Bundesbank-Konferenz am Montag in Frankfurt – wohl auch deshalb, weil allen im Saal klar ist: Ganz so schnell wie manche Nicht-Bank es gerne hätte, lassen sich Schein und Münze nicht aus Deutschland verdrängen.

Umfragen sprechen eine deutliche Sprache: Drei Viertel der Deutschen sind gegen eine Abschaffung des Bargelds wie mancher Volkswirt sie fordert, ergab kürzlich eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC stellte fest, dass immerhin vier von zehn Verbrauchern hierzulande auch künftig nicht bargeldlos mit ihrem Mobiltelefon bezahlen möchten. Vor allem die Angst vor dem Klau sensibler Bankdaten bremst die Begeisterung vieler Menschen für moderne Technologien.

„Die Bargeldlos-Mentalität liegt noch in weiter Ferne, aber sie kommt“, bringt es Ludger Gooßens vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) auf den Punkt. „Ich bin überzeugt: Die Zukunft des Bezahlens ist kontaktlos.“

Noch ist Bargeld Zahlungsmittel Nummer eins in Deutschland, wie die Deutsche Bundesbank in ihrer jüngsten Studie zu dem Thema feststellte. Mehr als die Hälfte (53,2 Prozent) der Umsätze an der Ladenkasse werden bar abgewickelt. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte am Donnerstag: „Eine Verdrängung des Bargelds ist aus meiner Sicht auf absehbare Zeit kein realistisches Szenario, unter anderem deshalb nicht, weil sich das Bargeld als Zahlungsmittel bei uns weiterhin großer Beliebtheit erfreut.“ Jeder solle so bezahlen können, wie er wolle - also bar oder unbar, betonte der Banker.

Doch der Trend zur Nutzung von Plastikgeld hält seit Jahren an. Experten erwarten, dass der Anteil von Schein und Münze am Umsatz des Einzelhandels mittelfristig unter 50 Prozent sinken wird.

Die Konkurrenz für die etablierten Banken beim Thema Bezahlen wird immer größer. „Die Banken wissen: Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen“, konstatiert Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Immerhin macht er der klassischen Finanzbranche zugleich Hoffnung: „Zahlungsverkehr erfordert letztlich immer noch Banken. Denn Zahlungen müssen durch die Übertragung von Forderungen abgewickelt werden. Auch Apple Pay, PayPal und Co. müssen letztlich die Zahlung von einem Konto eines Kunden erhalten.“

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„Die Kreditwirtschaft wird nie das bessere Fintech“

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  • Für die Abschaffung des Bargelds spricht einiges!

    Für die Abschaffung des Bargeld spricht vor allem, dass bei der elektronischen Zahlung der Dieb "keinen Personalausweis" vorlegt und der Generalbundesanwalt keine Originalbeweise an die Hand bekommt, um Anklage zu erheben (schlagen Sie die Begründung nach in den Berichten zur Einstellung des Strafverfahren wegen illegalem Abhören des Handys der Bundeskanzlerin).

    Man stelle sich nur die enorme Entlastung der Gerichte vor.

  • Kommentator Jürgen Fieser hat zutreffend geschildert, was die Abschaffung von Bargeld für uns Bürger bedeuten würde. Vereinfacht ausgedrückt: ohne Bargeld ist die Freiheit vollends dahin! Nur von Gold halte ich nicht sonderlich viel. Wenn es mal richtig zur Sache geht, haben viele Menschen auch kein Geld mehr, um ausgerechnet mir Edelmetall abzukaufen. Zudem traue ich den schamlosen Politikern in aller Welt nach der Einrichtung des die nationalen Parlamente entmachtenden ESM und den nicht enden wollenden Sp*hskandalen ohne Weiteres auch ein Verbot von Goldbesitz zu. Das nur am Rande. Die frivolen, aber gleichwohl entlarvenden Diskussionen um die Bargeldabschaffung sollten uns Bürger wachsamer machen! Parteien, die sich diesem durchsichtigen „Trend“ nicht aktiv entgegensetzen, erhalten in meiner Familie und Umfeld strikt keine Wählerstimme – und: wir setzen noch mehr auf Bargeld, als wir es eigentlich vorhatten. Wehe, man wehret in derart sensiblen Fragen nicht den sprichwörtlichen Anfängen. In dem Punkt bin ich nicht so zuversichtlich wie Herr Kommentator Wilhelm. Lassen wir die von wem auch immer ernannten „Experten“ wie den unseligen Professor Bofinger oder den umstrittenen [aber gleichwohl gefährlichen] US-Ökonomen Rogoff ins Leere laufen. Notabene: Ob diese Meldung hier zutrifft, weiß ich nicht: http://www.mmnews.de/index.php/politik/41036-eu-bargeld-verbot-ab-2018. Den undemokratischen Eurokraten in Brüssel und selbst unserem Finanzminister traue ich die geschilderten Absichten aber jederzeit zu. Hat jemand von dem ein Dementi zu dem Thema Bargeldabschaffung gehört?

  • >> Experten erwarten ..... <<

    Tut mir leid, aber Artikel mit solchen Formulierungen kann ich nicht ernst nehmen. Wer sind eigentlich immer diese namenlose "Experten", die hier ihren Unverstand zum Besten geben?
    Sind es dieselben, die uns weismachen wollen, was der Euro doch für eine tolle Erfolgsgeschichte ist?

    Schreiben Sie doch besser beim nächsten Mal: >> Unsere Deppen erwarten ..... <<

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