Die besten Sparbücher

Sparbücher haben Fans – trotz niedriger Zinsen

Kreditinstitute werben unverdrossen um neue Kunden, obwohl diese mit Spareinlagen längst Verluste machen. Eine FMH-Auswertung für das Handelsblatt zeigt, wo es überhaupt noch Zinsen fürs Sparbuch gibt.
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Aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise nehmen die Sparer in Deutschland reale Zinsverluste in Kauf. Quelle: dpa
Euro-Münzen auf einem Sparbuch

Aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise nehmen die Sparer in Deutschland reale Zinsverluste in Kauf.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIn den vergangenen Jahrzehnten lohnte es sich für Anleger noch, Geld auf dem Sparbuch zu parken. Für Spareinlagen mit einer Kündigungsfrist von zwölf Monaten bekamen Sparkassen- und Bankkunden in den 1940er- bis 1960er-Jahren vier bis fünf Prozent Zinsen pro Jahr. In den 1970er-Jahren stieg der Zinssatz phasenweise gar auf rund sieben Prozent.

Mittlerweile sieht es anders aus. Wenn Kreditinstitute ihre Kunden wieder zum Sparen animieren, werden sie Probleme haben, Argumente für diese Form der Geldanlage zu finden. Zinsen spielen als Vertriebsargument jedenfalls kaum noch eine Rolle: Seit die Europäische Zentralbank den Leitzins gesenkt hat, um nach der Finanzkrise die Wirtschaft anzukurbeln, sind sie stetig gesunken. Mittlerweile liegt der sogenannte Spareckzins, der Zinssatz für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist, im Schnitt bei kaum noch messbaren 0,03 Prozent. Unter Berücksichtigung der Inflation machen Kunden mit einem Sparbuch Verluste.

Paradoxerweise erfreuen sich Sparbücher in Deutschland trotzdem großer Beliebtheit. Immer noch parkt rund die Hälfte der Deutschen ihr Geld auf dem Sparbuch, zeigt der Spar- und Anlageindex der Commerzbank. Damit ist diese Anlageform deutlich beliebter als Fonds oder Aktien, die zwar riskanter sind, dafür aber auf lange Sicht auch eine höhere Rendite versprechen. Man kann davon ausgehen, dass Kreditinstitute auch am diesjährigen Weltspartag wieder viele neue Sparkunden gewinnen werden.

Wer trotz Minizinsen ein Sparbuch eröffnen will, etwa um für eine konkrete Anschaffung Geld zurückzulegen, sollte zunächst Angebote vergleichen – und dann zu einem Institut gehen, das wenigstens etwas höhere Zinsen zahlt als die Konkurrenz. Die besten Zinsen gibt es zwar nicht unbedingt bei der Sparkasse um die Ecke. „Aber immer mehr Kunden eröffnen Sparbücher online, und in diesem Fall ist es egal, wo die Bank sitzt“, sagt Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung.

FMH hat für das Handelsblatt die Sparbuchzinsen von 36 Kreditinstituten verglichen. Ergebnis: Wer zu den besten Anbietern geht, bekommt zwar immer noch keine hohen Zinsen, aber immerhin deutlich mehr als die durchschnittlichen 0,03 Prozent jährlich. So liegt etwa der Spareckzins der Merkur Bank, einer deutschen Privatbank mit Sitz in München, derzeit bei 0,5 Prozent. Das reicht zwar auch nicht, um die Geldentwertung zu kompensieren, dämpft aber den Realverlust.

Bei BMW Bank und GEFA Bank gibt es 0,3 Prozent, ebenso bei der VTB Direktbank, die zur zweitgrößten russischen Bankengruppe gehört. Im Gegensatz zu den anderen Anbietern in der Auswertung unterliegt das Institut zwar nur der gesetzlichen und nicht der erweiterten Einlagensicherung. Damit sind Spareinlagen aber immer noch bis zu einer Höhe von 100.000 Euro abgesichert. „Das reicht häufig aus“, sagt Herbst.

Bei regionalen Kreditinstituten müssen sich Sparer mit deutlich niedrigeren Zinsen zufriedengeben als bei bundesweit tätigen Banken. Beim erstplatzierten Regional-Institut im FMH-Ranking, der PSD Bank München, liegt der Spareckzins bei gerade einmal 0,12 Prozent. Für besonders hohe Einlagen gibt es etwas höhere Zinsen. Bei anderen PSD-Banken liegen die Sparbuchzinsen mit 0,1 bis 0,5 Prozent pro Jahr zwar noch immer über dem Durchschnitt. Sie sind absolut gesehen aber kaum der Rede wert.

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Obwohl sich Sparbücher nach Berücksichtigung der Inflation nicht lohnen, werden sie nicht aussterben, ist FMH-Chef Herbst überzeugt. „Jede Generation eröffnet wieder ein Sparbuch für ihre Kinder“, sagt er – auch wenn Kinder und Enkel mit einem Fondssparplan besser bedient wären. Fondsanbieter zeigen angesichts dieses Verhaltens zunehmend Anzeichen von Verzweiflung. So bemüht sich etwa das Investmenthaus Fidelity, den Weltspartag umzuwidmen.

Wichtigstes Ziel dieses Tages sei es, Kinder mit Geld vertraut zu machen, erklärt Fidelity-Anlageexperte Andreas Telschow: „Eltern sollten Vorbilder sein und ihre Kinder möglichst früh an den Umgang mit Geld heranführen.“ Dabei sollten sie nicht auf Sparbücher setzen, sondern auf Aktien oder Fonds. Aus Renditesicht wäre das tatsächlich die richtige Entscheidung.

So legen die Deutschen ihr Geld an
10. Platz: Aktien
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Der comdirect Spar- und Anlageindex ist im September den sechsten Monat in Folge gesunken. Er erreichte mit 93,8 Punkten den niedrigsten Stand seit Dezember 2015. Die Deutschen sparen also immer weniger. 40 Prozent legten im September gar nichts oder weniger als 50 Euro zurück. Im Schnitt sparte jeder Deutsche 105,62 Euro.

Aktien sind als Geldanlage bei den Deutschen nicht sehr beliebt. Mit einem Anteil von 14 Prozent reicht es nur für den zehnten Platz des Rankings.

(Quelle: comdirect)

8. Platz: Festgeld
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Schon etwas beliebter als die Aktien ist das Festgeld. Immerhin 19 Prozent der Geldanlagen fallen in diesen Bereich.

Dass insgesamt wenig angelegt wird, hängt unter anderem mit der andauernden Niedrigzinsphase zusammen. Da noch nicht klar ist ob, und falls ja, wann die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder hebt, wird Anlegern empfohlen, ihr Geld in Produkten mit höheren Renditechancen (und gleichzeitig aber auch höherem Risiko) als den aktuell sehr schlecht verzinsten klassischen Sparprodukten anzulegen.

8. Platz: Fonds
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Fonds befinden sich mit dem Festgeld gleichauf. Sie liegen ebenfalls bei 19 Prozent. Im Gegensatz zum August konnten sie um drei Prozent zulegen und sich so einen Platz nach oben schieben.

Im Norden und im Osten Deutschlands wurde im September vergleichsweise besonders wenig gespart. Im Norden sparte man durchschnittlich 94,37 Euro und im Osten 91,96 Euro pro Person. Im Süden legte der Durchschnittsparer mit 121,26 Euro deutlich mehr zurück.

7. Platz: Altersvorsorge
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Die Altersvorsorge wird in Deutschland zu einem immer wichtigeren Thema. Immerhin 26 Prozent der Ersparnisse werden hierzulande in diesem Bereich angelegt, was der Anlageform zu einem siebten Platz in diesem Ranking verhilft.

Absolut gesehen planen die Deutschen gemäß der Studie aber zukünftig weniger zurück zu legen. Nur 11 Prozent der 1.600 Befragten gaben an, dass sie ihre Sparrate erhöhen möchten. 13 Prozent wollen ihr Verhalten nicht ändern und 13 Prozent sagten, dass sie in Zukunft weniger sparen möchten.

6. Platz: Lebensversicherung
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Die Lebensversicherung schafft es in diesem Ranking auf den sechsten Platz. Mit 29 Prozent ist sie aber auch weit vom Spitzenplatz der beliebtesten Geldanlage für die Ersparnisse entfernt.

Dass die Sparquote insgesamt zurück gegangen ist, liegt vor allem an dem hohen Anteil der Menschen, die so gut wie nichts sparen. Insgesamt legten 40 Prozent der Deutschen weniger als als 50 Euro zurück.

5. Platz: Bausparvertrag
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Im Mittelfeld dieses Rankings findet sich der Bausparvertrag. Die Deutschen legen 30 Prozent ihrer Ersparnisse in dieser Form an. Somit ist der Bausparvertrag deutlich beliebter als die Aktien, Fonds und das Festgeld. Auch zu den nächsten Plätzen fehlt nicht viel.

4. Platz: Bargeld
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Nur ein Prozent vor dem Bausparvertrag liegt das Bargeld. Es bewahren also 31 Prozent der Deutschen ihre Ersparnisse als Bargeld auf. Die Vorstellung, dass viele Deutsche ihr Geld in einem Sparstrumpf „anlegen“ ist also weiterhin zutreffend.

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1 Kommentare zu "Die besten Sparbücher: Sparbücher haben Fans – trotz niedriger Zinsen"

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  • "„Eltern sollten Vorbilder sein und ihre Kinder möglichst früh an den Umgang mit Geld heranführen.“ Dabei sollten sie nicht auf Sparbücher setzen, sondern auf Aktien oder Fonds. Aus Renditesicht wäre das tatsächlich die richtige Entscheidung."

    Aus Renditesicht müßte ich einem Kind auch sagen (denn Kinder darf man nicht anlügen):

    "Liebes Kind, wenn Du Aktien oder Fonds kaufst/verkaufst, fallen bei der Bank oder dem Fonds ( oder beiden) Gebühren an, die die Rendite weitestgehend auffressen. Wenn die Aktien im Wert fallen, machst Du Verlust. Ob Du Verlust oder Gewinn machst, hängt von Leuten und Dingen ab, auf die Du keinen Einfluß hast. Wenn Du die richtigen Aktien kaufst, machst Du Gewinn. Aber welche Aktien die richtigen sind, können nicht einmal wir Erwachsenen wissen, auch nicht diejenigen, die schon etwas Erfahrung haben."

    Offensichtlich ist der Aktienmarkt und die daranhängenden Fonds so ausgelutscht, daß man nicht nur die Ersparnisse von Kleinanlegern braucht, um die Party weiterlaufen zu lassen, nein, jetzt müssen schon die Ersparnisse der Kinder ran, um die Hausse zu retten.

    Und wenn die Party vorbei ist, schauen alle in die Röhre.

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