Dispozins: Bloß nicht in die Miesen rutschen

Dispozins
Bloß nicht in die Miesen rutschen

Die Sparzinsen sind im Keller, die Dispozinsen dagegen noch immer in schwindelerregenden Höhen. Doch nicht nur die Zinssätze stehen in der Kritik, sondern auch die mangelnde Transparenz der Geldinstitute.
  • 13

DüsseldorfDie Banken kommen immer günstiger an Geld – EZB-Präsident Mario Draghi und dem historisch niedrigen Leitzins sei Dank. Inzwischen verlangt die Europäische Zentralbank für ihre Leihgabe gerade mal 0,05 Prozent Zinsen. Die Bankkunden profitieren davon aber kaum. Wenn sie ihr Konto überziehen, müssen sie noch immer hohe Dispozinsen von bis zu 14,25 Prozent zahlen. Nach Ansicht von Verbraucherschützern eine unbefriedigende Situation.

Leichte Verbesserungen gibt es zwar. So haben laut einer Analyse der Zeitschrift „Finanztest“ in den vergangenen Monaten knapp 250 von insgesamt 1504 untersuchten Banken ihren Dispozins um mindestens einen Prozentpunkt gesenkt. Auch die Zahl der Banken, die auf einen Überziehungs- oder Strafzins verzichten, wächst demnach. Der Überziehungszins wird fällig, wenn das Konto über den eingeräumten Dispozins hinaus überzogen wird.

„Hartnäckige Testarbeit und die permanente Kritik in den Medien an den überhöhten Dispozinsen zeigen allmählich Wirkung“, sagt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. Im Durchschnitt liegt der Dispo zum Stichtag 1. August aber immer noch bei 10,65 Prozent, im Vorjahr waren es 11,31 Prozent. In der Spitze werden sogar 14,25 Prozent verlangt. „Bewegt haben sich vor allem die Institute, die im vergangenen Jahr besonders dreist zugegriffen hatten“, sagt Primus. Von den mehr als 100 Banken, die Dispozinsen von 13 Prozent und mehr verlangten, sind noch 35 übrig geblieben. „Das sind allerdings genau 35 zu viel“, so der Verbraucherschützer.

Zu viele Banken würden den Dispozins nutzen, um ihre Kunden zu schröpfen. „Jeder Prozentpunkt mehr spült – grob über alle Institute gerechnet – knapp 380 Millionen Euro in ihre Kassen“, erklärt Primus. Für die Banken sei das ein Riesengeschäft, denn laut einer Umfrage der ING-DiBa sind rund 20 Prozent aller Girokonteninhaber jeden Monat im Dispo. Ein fairer Zins müsste nach Einschätzung der Tester deutlich unter zehn Prozent liegen.

Doch je nach Bank oder Sparkasse sind die Zinsunterschiede enorm. Den günstigsten Dispozins verlangt die Deutsche Skatbank mit 4,90 Prozent. Auch viele PSD Banken haben mit Zinssätzen von gut fünf bis sieben Prozent sehr gute Konditionen. 14,25 Prozent zahlen hingegen Kunden mit schlechter Bonität bei der Volksbank Westenholz und der Raiffeisenbank Weil und Umgebung. Das ist für die Verbraucherschützer weiter Anlass für Kritik.

„Einige Banken haben nach diesem Stichtag ihre Konditionen noch ein wenig nach unten angepasst oder angekündigt, dies zu tun“, sagt Stephanie Pallasch, Projektleiterin „Geldanlage, Altersvorsorge, Kredite und Steuern“ bei Finanztest. Dazu gehören große Institute wie die Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank und die ING-Diba. Die weitere Absenkung steht wohl in Zusammenhang mit der neuerlichen Leitzinssenkung der EZB.

Kommentare zu " Dispozins: Bloß nicht in die Miesen rutschen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Herr Mr. Objektiv:

    Herr Peter Gramm sollte aber auch daran denken, dass der Fahrradhändler, bei dem er sich das Rad kauft, ein Abzocker ist. Denn dieser wird vermutlich Geld für das Rad verlangen...

  • Was ich immer noch nicht verstehe und wohl auch nie verstehen werde: Warum sind Banken Abzocker? Weil sie ihre Dienstleistungen bepreisen? Dann ist jedes Wirtschaftsunternehmen Abzocker!
    Zum Thema Bargeldversorgung: Ich zahle für mein Konto (online Variante) 2,- Euro monatlich. Das ist alles an Gebühren. Keine Buchungsposten, nichts weiter. Deutschlandweit kann ich kostenlos Bargeld abheben, mit Karte zahlen, etc
    Dazu kommen 60,- Euro jährlich für die goldene Kreditkarte (die habe ich freiwillig dazu gebucht). Die rechnet sich über die enthaltenen Versicherungspakete für Auslandskrankenschutz, Reiserücktrittsversicherung etc(in den 60 Euro enthalten)bei einer einzigen Urlaubsreise im Jahr. Will sagen: Die Versicherungsprämien, die ich für die besagten Leistungen im Reisebüro nicht zaheln muss übersteigen die 60 Euro bei weitem.
    Ansonsten kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen.

  • Rechtzeitig nach den Sommerferien wird das Thema Dispokredit wieder aufgegriffen, als ob es nicht wichtigeres auf der Welt gibt.

    Rund 20 Prozent der Girokonto-Kunden sind jeden Monat im Dispo, viele von ihnen zwischen 500 und 1500 Euro....
    Laut Stiftung Warentest liegt die Ausfallwahrscheinlichkeit allerdings nur bei 0 bis 3,81 Prozent...
    Quelle: Bild

    Gehen wir mal davon aus das 20% der Kunden keinen Kredit bekommen können, 20% den Dispo nutzen, dann haben 60% einen Dispo, der nicht benutzt wird. Für die Bank ist jedoch der nicht genutzte Kredit der teuerste Kredit, da den Verwaltungskosten (z.B. für aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Frühwarnsysteme zur Bonitätsüberwachung) keine Einnahmen gegenüber stehen. Lösung des Problems heute: Mischkalkulation --> es zahlen die, die den Dispokredit nutzen --> Folge hoher Dispozins
    Alternativer Ansatz: Die Verwaltungskosten werden über einen Bereitstellungspreis (wie bei den Stromversorgern) abgerechnet und die Kreditnutzung über einen niedrigeren Zins (= Arbeitspreis Stromversorger). Bei diesem Modell sind Zinssätze weit unter 10% möglich.

    Damit es alle verstehen:

    5000 Dispo, wenn ganzjährig nicht genutzt 0,5% p.a. Bereitstellungpreis = 12,50 EUR
    5000 Dispo, bei ganzjähriger Nutzung 5% Zinssatz = 250 EUR

    Auch bei diesem Modell werden die Verbraucherschützer ein Haar in der Suppe finden und weiterhin Abzocker schreien.

    Nur noch eine abschließende Bemerkung:
    Sobald ein Wirtschaftsunternehmen nichts mehr verdient, wird die Leistung nicht mehr angeboten. Der Einzelhandel wird Umsatzrückgänge verzeichnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%