Ein Rubel pro 100 Meter
Wenn die Bank den Dauerlauf bezahlt

Kräftig schwitzen für die Zinsen! Damit wirbt die russische Alfa Bank und möchte ihre Kunden zu mehr Bewegung anspornen. Doch der neue Trend wird leider keiner. Und wer rechnen kann, merkt auch schnell warum.
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DüsseldorfWer reich sein will, muss hart arbeiten und schwitzen. Eine russische Bank nimmt das wörtlich und hat für ihre Nutzer ein interessantes Konzept entwickelt: Für 100 zurückgelegte Meter wird ein Rubel mit sieben Prozent Zinsen angelegt. Für jeden gemachten Schritt wird Geld vom normalen Konto auf das Sieben-Prozent-Konto übertragen. Maximum pro Tag: 25 Kilometer.

Das Programm heißt Activity und wurde von der russischen Alfa Bank ins Leben gerufen. Mitmachen können nur Menschen, die ein Alfa-Klick-Konto haben, also einen Account bei der Internetbank der Alfa Bank. Ziel ist es, Bankkunden zu mehr Bewegung durch „echtes Bargeld“ zu motivieren, schließlich sollte man „healthy und wealthy“ – gesund und wohlhabend – werden, wie es im Youtube-Video heißt.

Branchenbeobachter finden, dass das „Schwitzen für den Rubel“ ein gutes Konzept ist. „Es ist ein guter Beweis, dass es tatsächlich möglich ist, sich als Partner des Kunden im Alltag zu positionieren“, schreibt etwa der Unternehmensberater Hansjörg Leichsenring auf seinem Bankenblog und wünscht sich das Konzept auch hierzulande.

Doch ehe man das Konzept exportiert, müsste es erst einmal in Russland funktionieren. Und genau das ist bislang fraglich. Nutzerzahlen gibt es auf der Webseite nicht und die „Erfahrungsberichte“, die die Bank auf einer Unter-Webseite veröffentlicht, sind eigentlich gar keine, sondern lediglich Blog-Kommentare oder Facebook-Einträge.

Der erste „Erfahrungsbericht“ ist lediglich ein Facebook-Eintrag einer Nutzerin Namens Zhenya Petrova, die das Programm selbst nicht getestet hat, es aber „vom Gefühl her gut realisiert sieht“. Auch ein weiterer „Nutzerbericht“ lautet lediglich: „Lohnt sich mal auszuprobieren“. Ob es jemand ausprobiert hat? Auf der Haupt-Webseite der Alfa Bank findet man zum Programm jedenfalls nichts. Ein Steckenpferd der Bank scheint die Aktion also nicht zu sein.

Vielleicht liegt das daran, dass die Zielgruppe wohl die „Hipster“ des Landes sind, was eine kleine Bevölkerungsgruppe ausmacht. Schließlich braucht man einen Online-Banking-Account und ein Smartphone und eventuell noch ein Fitnessarmband wie Jawbone. Die etwas Älteren wären damit raus.

1,43 Euro für 100 Kilometer

Vielleicht ist aber auch einfach der Anreiz zu gering: Für 100 Meter bekommt man einen Rubel mit sieben Prozent Zinsen pro Jahr. Wer also 100 Kilometer im Jahr läuft, bekommt 1.000 Rubel zu sieben Prozent verzinst. Das macht ein Zinsvermögen von 70 Rubel. Das wiederum sind 1,43 Euro. Um 14,30 Euro zu erlaufen müsste man also 1.000 Kilometer im Jahr mit der Activity App laufen. Ob das Anreiz genug ist?

Die Aktion gibt es seit etwa Anfang des Jahres, ist aber immer noch in der Beta-Phase. Wann eine fertige Version erscheinen soll, wird nicht angegeben. Der große „Run“ das Programm scheint wohl ausgeblieben zu sein.

Walter Epp
Walter Epp
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Ein Rubel pro 100 Meter: Wenn die Bank den Dauerlauf bezahlt"

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  • Zitat: "Für 100 Meter bekommt man einen Rubel mit sieben Prozent Zinsen pro Jahr. Wer also 100 Kilometer im Jahr läuft, bekommt 1.000 Rubel zu sieben Prozent verzinst."

    Das mit dem Taschenrechner üben wir lieber nochmal, Herr Epp: 1 km = 1000 Meter; 100km = ? Meter.

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