Einlagenzinsen
Drohen Strafgebühren für Girokonten?

Nach der Europäischen Zentralbank denkt auch die US-Notenbank über negative Einlagenzinsen für Geschäftsbanken nach. Damit soll der Anreiz sinken, Geld bei der Zentralbank zu bunkern. Die US-Banken wehren sich.
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DüsseldorfWenn es um das Wiederbeleben der Konjunktur geht, ziehen die Notenbanken alle Register: Sie denken sogar über einen Strafzins nach. Wenn Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld hinterlegen, würden sie nach diesen Plänen mit einem negativen Einlagenzinssatz belegt werden. Sie müssten also dafür Geld bezahlen.

Gegenwärtig hinterlegen die Banken Geld lieber bei der Zentralbank, als es in den Wirtschaftskreislauf zu bringen. Die Idee der Notenbanker: Die Geldhäuser hätten bei einem Strafzins keinen Anreiz mehr, das Geld zu bunkern, sondern würden es gleich in den Kreislauf bringen, um damit der Konjunktur in die Spur zu helfen. Zuletzt hielt etwa EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure einen negativen Einlagenzins für Banken für denkbar.

Nachdem solche Gedankenspiele bereits in Europa bekannt wurden, wurden nun auch ähnliche Gedankenspiele der US-Notenbank Fed bekannt. Wie aus dem Sitzungsprotokoll der FED in der vergangenen Woche bekannt wurde, denkt die US-Notenbank ernsthaft über einen solchen Schritt nach: Nach dem Kaufprogramm für Anleihen und den historisch niedrigen Zinsen wäre ein negativer Einlagenzins ein weiterer radikaler Schritt, um die Konjunktur anzukurbeln.

Doch die Pläne stoßen auf keine Gegenliebe. Führende US-Banken drohen damit, dass sie im Gegenzug für einen negativen Einlagenzinssatz die Einlagen von Unternehmen und Konsumenten ebenfalls mit einem Strafzins belasten könnten. Fünf US-Topbanken haben nach einem Bericht der Financial Times schon damit gedroht, die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. „Die Banken würden dann mit den Einlagen ihrer Kunden kein Geld mehr verdienen, sondern Verluste schreiben“, sagt ein US-Banker. Ein anderer Banker meinte, dass negative Einlagenzinsen nicht nur die Margen der Finanzinstitute belasten würden, sondern für das Finanzsystem insgesamt nach hinten losgehen könnten.

Die japanische Zentralbank hält einen Strafzins für Geschäftsbanken nicht für ein nachhaltiges Instrument der Geldpolitik. „Negative kurzfristige Zinsen könnten zwar möglich sein, einige Länder haben damit in der Vergangenheit experimentiert“, sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda am Montag in Tokio. „Aber nur in einem gewissen Rahmen und nur für eine begrenzte Zeit.“ Die Folgen eines solchen Schrittes für die Wirtschaft seien unklar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Einlagenzinsen: Drohen Strafgebühren für Girokonten?"

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  • http://central.banktunnel.eu/neuroflt.jpg

    Das ist das andere "nEURO-FOLTER"-Grafitti im Sandweg 41 in Frankfurt a.M. (da wo auf der Karte Penny vermerkt ist) auf das ich im Mai 2013 letztmalig aufmerksam gemacht hatte.

    http://www.openstreetmap.org/#map=16/50.1173/8.6990

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    http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/ratgeber-hintergrund/einlagenzinsen-drohen-strafgebuehren-fuer-girokonten/v_detail_tab_comments/9123742.html?commentSort=chrono



  • http://central.banktunnel.eu/20131126-1916-ecbint-hanauer-land-ecke-rueckert-notarzt-und-krankenwagen.jpg

    Zufall?

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/ratgeber-hintergrund/einlagenzinsen-drohen-strafgebuehren-fuer-girokonten/v_detail_tab_comments/9123742.html?commentSort=chrono

  • @Bliespirat
    Naja, das eigentliche "warum" kann man wohl nur erraten. Aber es ist schon auch ein Zeichen von "Stärke" was man damit suggerieren will. Man hat es gar nicht nötig, sich nach ertragbringenden Anlagen umzusehen. Dann ist es in der Tat die Angst vor dem Morgen und auch Alternativlosigkeit. Unverkennbar hat aber die EZB Möglichkeiten die "Kontoführung" für die Banken zu übernehmen und damit so schnell wie keine andere Bank die Möglichkeit, Gelder zwischen den Banken zu dirigieren, vor allem zwischen den "Europartnern". Ich denke aber, das nicht jede Bank von dieser Möglichkeit Gebrauch macht. Sollte der Negativzins wirklich kommen und das glaube ich in der Tat, dann wird man sicherlich derlei Bestände auf ein Mindestmaß reduzieren. Über kurz oder lang werden eventuell anfallende Kosten dann auch auf das Tages-geschäft mit Kunden durchschlagen.

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