EU-Vermittlerrichtlinie
Unversicherte Risiken nicht außer Acht lassen

Die neue EU-Vermittlerrichtlinie verlangt eine lückenlose Dokumentation aller Beratungen. Dies bedeutet für Vermittler einen gehörigen Mehraufwand, der bei mangelhafter Durchführung zu Problemen führen kann. Worauf Berater bei der Wahl ihres Dokumentationssystems achten sollten.

NEßLBACH. Eine Auflage der EU-Vermittlerrichtlinie ist die Beratungs- und Dokumentationspflicht. Die Berater stehen in der Pflicht, den Kundenwunsch korrekt zu interpretieren und einen konkreten Bedarf zu formulieren. Versicherungslösungen müssen die Anforderungen des Kunden erfüllen und können erst nach objektiver Selektion des Marktangebotes vorgelegt werden. Seit jeher ist diese Vorgehensweise Grundlage seriöser Beratertätigkeit. Doch die nun gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation verursacht einen enormen Mehraufwand. Auf die Berater kommen umfassende Dokumentationspflichten zu, die bei mangelhafter Durchführung zu gravierenden Haftungsproblematiken führen.

Der Markt bietet Vermittlern inzwischen verschiedene Lösungen. Doch nicht jede wird der Beratertätigkeit gerecht. So sind Lösungsvorschläge, die auf Musterprotokollen basieren, für freie Vermittler ungeeignet. Sie berücksichtigen weder die individuellen Kriterien des Kunden noch des freien Vermittlers. Versicherungsgesellschaften bieten im Rahmen ihrer Angebotssoftware ebenfalls Dokumentationsprogramme an. Doch diese Protokolle orientieren sich ausschließlich an den eigenen Produkten der Versicherer, ermöglichen also keinen Marktvergleich. Geeigneter erscheinen Protokolle der Vergleichssoftware-Hersteller. Sie berücksichtigen in der Marktuntersuchung verschiedene Produktanforderungen. Problematisch ist allerdings, dass bei diesen Programmen keine Bedarfsanalyse der Kunden vorgesehen ist. Oft berücksichtigen unabhängige Softwarehersteller diesen Aspekt. Ihre Protokollierungssysteme verlaufen aber meist abgekoppelt vom Beratungsprozess, was wiederum den Arbeitsaufwand erhöht.

All diese Lösungsansätze vernachlässigen zudem einen ganz wesentlichen Aspekt der Protokollierung - nämlich die Negativ-Dokumentation. Hier werden diejenigen Versicherungen dokumentiert, die vom Vermittler empfohlen, vom Kunden aber nicht gewünscht werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein fehlender Versicherungsschutz mehr Haftungspotential besitzt als ein abgeschlossener Vertrag. Trotzdem lassen fast alle gegenwärtigen Lösungen unversicherte Risiken gänzlich außer Acht. Viele Berater müssen deswegen einen eigenen Betriebsprozess in ihrer Unternehmung implementieren. Die Dokumentation muss im Beratungsprozess integriert sein und darf keine zusätzliche Arbeit verursachen.

Die Berater sollten daher bei der Wahl eines Dokumentationssystems darauf achten, dass sie ein softwaregebundenes ganzheitliches Beratungssystem erwerben, das parallel die einzelnen Beratungsschritte verfolgt und im Hintergrund protokolliert. Damit erfüllen sie die Auflagen der Richtlinie: die umfassende Beratung und ihre genaue Protokollierung.

Ludwig Reitinger ist Geschäftsführer der Maklersoftware.com GmbH.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%