EZB-Zinsentscheidung
Sparer fürchten um ihr Vermögen

Die Europäische Zentralbank hat eine wegweisende Entscheidung getroffen. Sie macht Geld noch billiger. Für Schuldner brechen gute Zeiten an. Sparer sind dagegen in Sorge. Das zeigen die Reaktionen unserer Leser.
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DüsseldorfSpätestens mit dem heutigen Tag ist Mario Draghi zum Lieblingsfeind der deutschen Sparer geworden. „Die Behauptung, wir wollten Sparer enteignen, ist völlig falsch“, versuchte der Chef der Europäischen Zentralbank im Anschluss an die Zinsentscheidung zu erklären. Doch damit konnte er seine Kritiker kaum überzeugen.

Kurz zuvor hatte die EZB den Zins in der Euro-Zone praktisch abgeschafft. Die Leitzinsen sinken von ohnehin niedrigen 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent. Außerdem gibt es Milliardenkredite zum Nulltarif für die Banken. Die sollen das billige Geld in die Wirtschaft weiterleiten, auf dass endlich die Konjunktur anspringt. Banken, die künftig dennoch Geld bei der Zentralbank parken wollen, statt es zu verleihen, sollen Strafzinsen zahlen. Für Schuldner brechen gute Zeichen an. Auch die Aktienmärkte feierten die Entscheidung zunächst. Der Dax sprang kurzzeitig über 10.000 Punkte – auf den höchsten Stand aller Zeiten.

Und die Sparer? Sie fürchten, dass sie für ihre Ersparnisse künftig noch weniger Zinsen erhalten. Diese Sorge wird von vielen Experten geschürt. „Die Zeche zahlen jetzt alle jene, die Geld langfristig anlegen, also die Sparer und die Besitzer von Lebensversicherungen“, sagte Hans-Werner Sinn, der Präsident des ifo-Instituts.

Auch die Sparkassen und Versicherungen warnen vor den Gefahren der Geldschwemme. Die EZB mache die Finanzmärkte nicht stabiler, kritisierte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon: „Im Gegenteil, das überreichliche Geld quillt schon jetzt aus allen Ritzen und sucht sich immer riskantere Anlagemöglichkeiten.“

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold nahm die EZB in Schutz: „Ich bin froh, dass wir mit der EZB eine europäische Institution haben, auf die noch Verlass ist. Menschen, die leichtfertig von Enteignung der Sparer reden, sollten sich vor Augen führen, welches Elend im letzten Jahrhundert durch Deflation ausgelöst wurde.“

Wie groß die Verunsicherung unter Sparern, Hausbesitzern und Kunden von Lebensversicherungen ist, zeigen viele Zuschriften, die bei Handelsblatt Online eingegangen sind. Wir haben die Leser aufgefordert, uns Fragen zur EZB-Entscheidung zu stellen – die meisten betreffen das Thema Geldanlage. Eine Auswahl der Fragen und unserer Antworten präsentieren wir auf den folgenden Seiten.

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  • Die Pläne von Bazooka und dicker Berta von Draghi dienen ja dem einzigen Ziel und die Botschaft ist klar: Die „strengen Haushaltsregeln“- das heisst insbesondere Begrenzung der Schuldenzuwächse – sollen gelockert werden, damit Geld frei wird für dringend benötigte Wachstumsimpulse, und zwar nicht nur in Frankreich, wo gerade die Schlüsselindustrie zusammenbricht und Südeuropa, wo die Wirtschaft in 13 Jahren Euro kaputtgemacht worden ist, sondern auch in Nordeuropa, weil bisher weder das Securities Markets Programme (SMP) von 2009 noch die Folgeprogramme ESFS, ESM und „Outright Monetary Transactions“ (OMT)-Programm der EZB, über die bereits Milliarden oder vielleicht sogar Billionen – wieviel weiß vielleicht nicht mal der EU-Politiker Draghi selbst – in den Sand gesetzt worden sind. Die Pferde können zwar zur Tränke geführt werden, aber saufen müssen sie selbst, sagt Keynes; das ist nicht nur das Problem von Draghi, sondern seit dessen Einsetzung als Übervater von Kommission, Ministerrat und Parlament auch das Problem Europas, und zwar vor allem seiner Menschen. Denn das Volk büßt immer, was die Könige tun, sagt Horaz. Und gerade die Deutschen wissen ja aus eigener leidvoller Geschichte, wohin das führt; zum Beispiel durch Studium des Programms „Mofa (Metall-Forschungs-GmbH)-Wechsel“ und seiner Folgen des ehemaligen Reichsbank-Diktators Hjalmar Schacht: eine Erholung der Wirtschaft durch Rüstung zu erweitern und durch extensive Schuldausweitung die bestehende Sozialordnung in einer diktatorischen Weise zu zerstören oder zu Gunsten neokapitalistischer Dynastien umzugestalten: Auf diesem Wege ist ja Europa schon seit 2000 (siehe – ILO-Bericht) Dies ist die Alternativlosigkeit, die Marionette Merkel immer so fest betont; und da soll mir einer sagen, Geschichte wiederholt sich nicht: In seinen negativen Merkmalen immer!!! Und immer sind auch die Menschen dabei und stimmen mit zu, damals dem Hitler und heute Mutti Mainstream von der CDU/CSU.

  • Mit Mitleid mit den Deutschen und der nun folgenden, schnell rotierenden Enteignungsspirale dagegen hält sich in Grenzen. (Siehe Europawahl) Die Deutschen wollen zahlen, zahlen, zahlen sonst hätten Sie anders gewält damit die Party in den Südländern weiter gehen kann. Nun, dieser Wunsch ist ihnen erfüllt worden...aber meine lieben Landsleute wollten es so. Also dann blecht mal schön, liebe Deutsche!

  • Ach,du Schande. Jetzt kommen wieder die Goldheinis und alle, die einen Einstieg in Atien verpasst hatten (obwohl sie hier alle so scheinschlau daher reden).

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