Fällt der Garantiezins?
Was Sie jetzt zur Lebensversicherung wissen sollten

Die Bundesregierung will den Garantiezins bei klassischen Lebenpolicen abschaffen. Warum eigentlich? Und ist der Schritt aus Kundensicht eher ein Risiko oder eher eine Chance? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
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Berlin, München, DüsseldorfDer Gesetzesentwurf sorgt für Aufregung: Geht es nach dem Wirtschaftsministerium, soll der Höchstrechnungszins bei der Lebensversicherung, umgangssprachlich auch Garantiezins genannt, für die großen Versicherer ab 1.1.2016 wegfallen. Übersetzt bedeutet das: Die Regierung will Versicherern künftig nicht mehr vorgeben, wie viel sie Kunden bei einer klassischen Lebensversicherung versprechen dürfen. Auf den ersten Blick scheint dies alarmierend – schließlich schätzen deutsche Sparer die Sicherheit und hängen ein Stück weit an den Garantien. Tatsächlich birgt die neue Vorgabe Risiken, aber auch Chancen. Ist die Abschaffung des Garantiezinses gut oder schlecht für Lebensversicherungskunden? Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist eigentlich der Höchstrechnungszins?
Der Höchstrechnungszins ist bei der klassischen Lebens- und Rentenversicherung der Zinssatz, den Versicherungsunternehmen ihren Kunden maximal für das angesparte Geld versprechen dürfen. Für Versicherer ist der Zins also eine gesetzlich vorgegebene Obergrenze, die den Wettbewerb um allzu kühne Zinsversprechen unterbinden sollte. Festgelegt wird der Zins seit jeher vom Bundesfinanzministerium, das dabei aber den Empfehlungen aus der Versicherungsbranche folgt.

Was ist der Unterschied zum Garantiezins?
Der Höchstrechnungszins wird umgangssprachlich Garantiezins genannt. Aus Sicht des Kunden ist die entscheidende Information, wie viel der Versicherer ihm mindestens für das Ersparte zusichern, also garantieren, muss. Die Garantie ist also die Untergrenze. In der Regel kommen auf die garantierte Verzinsung dann noch die sogenannten Überschüsse, die der Versicherer zum Beispiel durch gute Kapitalanlagen erzielt. Die Überschussbeteiligung liegt aber im Ermessen des Versicherers.

Warum soll der Höchstrechnungszins jetzt abgeschafft werden?
Offizieller Grund ist die Einführung des europäischen Regelwerks zur Kapitalausstattung der Versicherer zum 1.1.2016 (Solvency II). Das Regelwerk gibt vor, wie hoch bestimmte Anlageklassen mit Kapital hinterlegt werden müssen. Auch Garantieversprechen müssen mit einem bestimmten Anteil an Kapital abgesichert sein. Mit diesen neuen Vorgaben zur Kapitaldeckung werde „der bisherige Höchstrechnungszins für die Zwecke der Aufsicht nicht mehr benötigt“, heißt es vom Bundesfinanzministerium.

Wird es künftig keine Lebenpolicen mit Garantieversprechen mehr geben?
Es wird Versicherern auch künftig möglich sein, Lebensversicherungen mit einer garantierten Verzinsung anzubieten. Allerdings müssen sie zusehen, dass sie die Eigenkapitalvorschriften, die sich aus Solvency II ergeben, erfüllen. Grundsätzlich müssen die Versicherer umso mehr Kapital für die Garantien zurückhalten, je weiter die mittlere Laufzeit der Anlagen und die mittlere Laufzeit der Garantien auseinanderliegen. Garantien sind also weiterhin für die Versicherer teuer.

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Garantiepolicen dürfte es auch weiter geben

Kommentare zu " Fällt der Garantiezins?: Was Sie jetzt zur Lebensversicherung wissen sollten"

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  • @Herr stefan kinlel

    Eine Lebensversicherung lohnt sich sehr wohl, für den Versicherungsmakler und den Begünstigten .
    Vor allem, wenn der "Schadensfall" kurz nach Abschluss eintritt!! :-)

  • Herr Zimmer, der größte Raubzug in der Geschichte trägt den Namen "Euro". Die Autoren Weik und Friedrich haben auch ein gleichnamiges Buch zu diesem Thema geschrieben.
    Ehrlich gesagt verstehe ich es persönlich nicht, warum es überhaupt noch Mitglieder in den sogenannten "Volks-"Parteien gibt. Vor der Hintergrund der fortgesetzen Benachteiligung, Enteignung und Entrechtung des einzelnen Bürgers, müssten diese Parteimitglieder schon längst allesamt zur AfD gewechselt sein. Dann wäre Mama Merkel auch mit ihrem Asylterror am Ende. Die Mitglieder und vor allem die lernresistenten Wähler dieser Parteien tragen eine gehörige Portion Mitschuld an den albtraumhaften Entwicklungen in diesem Land.

  • Wenn der Garantiezins fällt, dann entfällt damit auch die Begründung für das Lebensversicherungsreformgesetz aus dem letzten Jahr.

    Damals wurde argumentiert, dass man den Lebensversicherungskunden das Geld wegnehmen müsste (über 80 Mrd. €), um es in den nachfolgenden Kundenbeziehungen den Kunden wieder zugeben.

    Soweit es sich dabei um Kunden handelte, deren Ansprüche ohnehin später erst ausgezahlt werden, war dies jedoch ein Nullsummenspiel. Soweit Kunden betroffen waren, deren Lebensversicherungen endfällig wurden, wurden diese im wahrsten Sinne des Wortes betrogen.

    Wenn also jetzt dasd Geld der Altkunden nicht auf die Neukunden übertragen werden soll, dann entsteht also "herrenloses" Geld. Wenn es nicht an die Altkunden zurückbezahlt wird, darf man mit Recht unterstellen, dass es vom Betrag her gesehen, der größte Raubzug in der Geschichte Deutschlands war.

    Selbst der Griff in die Rentenkasse zur Finanzierung der deutschen Einheit ist dagegen ein Nichts.

    Was sollen wir denn noch von der sdogenannten Führungselite in Deutschland halten. Werden wir nicht langsam alle zu Unterstützern von Pegida gemacht? - So meinte ich es auch wiederum nicht. Ich meinte, dass wir irgendwie zu einer schweigenden Mehrheit gemacht werden, die allem etwas Positives abgewinnen? Sollen sie doch zuschlagen und wir schauen weg?

    Es liegt nahe. Aber soweit sollte es nicht kommen.

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