Finanzvermittler
Beichte des Vertreters – wie unsere Leser reagieren

Ein Finanzvermittler berichtete im Handelsblatt über Provisionsgier, Drückermethoden und Sex-Eskapaden. Die Reaktionen auf die „Beichte“ sind harsch: Kunden melden Beraterfehler und weitere Vertriebler packen aus.
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DüsseldorfDie Beichte, so steht es in Wikipedia, sei ein mündliches Eingeständnis einer schuldhaften Verfehlung des Beichtkindes, „gewöhnlich während eines Gespräches unter vier Augen“. Wenn ein Finanzvermittler diese Sitte bricht, und in aller Öffentlichkeit eigene Verfehlungen und Missstände in der Branche anprangert, muss er mit zahlreichen Reaktionen rechnen.

Nachdem Handelsblatt Online die „Beichte“ eines anonymen Finanzvermittlers veröffentlichte und die Leser aufforderte ihre Erlebnisse mit Finanzvertrieben zu schildern, erreichten mehr als hundert Schilderungen via E-Mail, Facebook, Telefon und als Kommentar zum Artikel die Redaktion. Der Vertriebsmann berichtete über schmutzige Verkaufstricks, Motivationsreisen ins Rotlichtmillieu und immense Verdienstmöglichkeiten der Vertriebler.

Die Reaktionen der Leser sind zum Teil brisant und werden in der nachfolgenden Berichterstattung verwendet. Teils machen sie betroffen, weil sie persönliche Schicksale darstellen. Und teils sorgen sie für Erstaunen, weil einige Kommentatoren die rüden Vertriebsmethoden scheinbar gut finden.

Eine ehemalige Vermittlerin, die für zahlreiche große Gesellschaften tätig war, schildert verheerende Zustände in den Versicherungsvertrieben. Die Gesellschaften beschäftigen selbstständige Vertreter um „sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen zu umgehen“.

Schon bei der Einstellung seien Zielvorgaben vorhanden. „Wer schreibt, bleibt“ scheint ein gängiger Spruch aus dem Vertrieb zu sein. Die Bedeutung: Wer viele Verträge vermittelt, kann beim Unternehmen bleiben. „Die Bedingungen, unter denen ein Vertreter arbeiten muss, sind auch auf das Finanzielle bezogen sehr hart. Sie werden schlichtweg verschlissen und viele werden krank“, erklärt die Insiderin. Dennoch lautet ihr Fazit: „Ich kann für schlechte Beratung und Drückerverhalten beim Kunden kein Verständnis aufbringen. Weder bei einer Bank, Versicherung noch bei einer Bausparkasse. Ihr Protagonist hatte jeden Tag die Wahl.“

Kommentare zu " Finanzvermittler: Beichte des Vertreters – wie unsere Leser reagieren"

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  • Auch wir konnten durch ein geführtes Interview mit einem Kenner aus der Branche die schlimmen Machenschaften in dieser Branche weiter aufdecken.

    Da sollte man sich wirklich langsam überlegen ob Vertreter und Versicherung überhaupt noch gebraucht werden bei all dem Schmu! Anbei ein Ausschnitt aus dem Skandalinterview

    https://m.facebook.com/#!/AllianzAgenturEricHeine?__user=1826192840

  • Was für ein Unsinn... Nach der Logik müßte ich auch Autohersteller verklagen können, wenn die Verbrauchsangaben nicht stimmen, Handyhersteller, wenn die Akkulaufzeit nicht so ist wie angegeben und vor allem den Staat, alle Parteien und Politiker weil hier ja auch nach der Wahl nie irgendwas so ist wie vorher versprochen...
    Ich muß Dinge anständig erklären in der Beratung - egal, ob Verbrauch, Akkulaufzeit oder eben Renditeberechnungen... Nicht der Prospekt ist schlecht, sondern wenn, dann die Beratung... Aber meistens ist es wohl eher so, daß man korrekt aufgeklärt wird und sich dann im Fall, daß es nicht exakt so kommt, wie gedacht einfach lieber nicht mehr daran erinnert, wie das wirklich so war...

  • "Journalisten" natürlich...

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