Fremdkunden zahlen mehr
Gebührenschreck am Geldautomaten

Wer beim falschen Geldautomaten Bares zieht, muss demnächst oftmals mehr dafür zahlen. Einige Banken erhöhen in den nächsten Monaten ihre Gebühren deutlich. Welche Banken besonders teuer sind und wo die Kosten steigen.
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Ab September wird es für viele Kunden, die mit ihrer Maestrocard an einem fremden Geldautomat abheben, deutlich teurer. Die Deutsche Bank erhöht zum September ihren Satz von 1,95 Euro auf 3,95 Euro. Diesen Betrag zahlen allen Kunden, deren Institut nicht der Cash Group der Privatbanken angehören. Einen Grund für die Anhebung nannte die Deutsche Bank nicht. „Fremdkunden werden wie bisher am Bildschirm über das Verfügungsentgelt informiert“, erklärt eine Sprecherin. „Der Kunde muss dem Entgelt explizit zustimmen oder kann die Transaktion kostenlos abbrechen“.

Die Konkurrenz zieht bald nach. Bei der Commerzbank müssen Kunden fremder Institute, die nicht der Cash Group angeschlossen sind ab Oktober 3,90 Euro pro Vorgang entrichten. „Langfristig niedrige Zinsen und steigende Kosten zwingen uns wie andere Banken auch, Gebühren zu erhöhen“, erklärte eine Sprecherin. Die Kosten für die Versorgung der Kunden mit Bargeld seien seit 2011 auf mehr als hundert Millionen Euro gestiegen. „Wir können die Bargeldversorgung für Fremdkunden im aktuellen Umfeld nicht weiter deutlich unter Marktpreis anbieten“, erklärt die Sprecherin.

Die Kosten bei den beiden Großbanken liegen trotz Preiserhöhung unter denen vieler regionaler Sparkassen und Volksbanken. „Sparkassen zum Beispiel nehmen von Coba-Kunden durchschnittlich 4,28 Euro“, erklärt die Sprecherin. Eine Auswertung der FMH Finanzberatung unter hundert Banken aus dem Juli ergab zuletzt durchschnittliche Kosten von gut 3,90 Euro. Einige Sparkassen berechnen sogar fünf Euro pro Vorgang.

Einen massenhaften Anstieg der Gebühren erwarten die Sparkassen derzeit nicht. „Wir beobachten keine große Welle von Gebührenerhöhungen bei unseren Mitgliedern“, erklärt ein Sprecher des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes.

Der Trend zu höheren Gebühren dürfte vor allem Kunden von Sparkassen und Volksbanken treffen, die andernorts Geld abheben, erklärt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Der Marktbeobachter weiter: „Damit leiden sie unter der Retourkutsche, die vor allem diesen Instituten gelten dürfte – haben sich diese doch jahrelang geweigert, „nur“ die 1,95 Euro zu kassieren, auf die sich Geschäfts- und Direktbanken geeinigt hatten“.

Bankenkreise lassen verlauten, das die Enttäuschung über die regionalen Institute groß sei. Diese würden weiterhin hohe Gebühren verlangen, obwohl sich die Privatbanken im Jahr 2010 auf eine freiwillige Obergrenze von 1,95 Euro geeinigt hätten.
Kunden, die künftig keine Gebühren an fremden Geldautomaten bezahlen möchten, können ein Girokonto eröffnen, bei dem sie per Kreditkarte gratis abheben können.

Einige Banken bieten diesen Service sogar weltweit an, darunter die Volkswagenbank, Santander, Santander Consumer, DKB, DAB Bank und die Consorsbank. Bei der die Ing Diba können Kunden innerhalb der Eurozone gratis Geld abheben.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Fremdkunden zahlen mehr: Gebührenschreck am Geldautomaten"

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  • Lt. P/L Verzeichnis der ING Diba fallen auf Nicht-Euro Bargeldabhebungen 1,75% Auslandseinsatzentgeld an. Diese Gebühr wird z.B. von der DKB nicht auf Abhebungen erhoben. Somit sind die Aussagen gemäß den aktuell auffindebaren Informationen korrekt.

  • Frau Engel, bei den meisten Kreditkarten kommen noch Gebühren für die Nutzung der Karte im Ausland hinzu. Diese Gebühr hat die Ing Diba zum Beispiel nicht. Somit ist der Artikel schon richtig geschrieben.
    In Thüringen habe ich schon Sparkassenautomaten gesehen, die die Annahme von Kreditkarten der Ing Diba, Santander, etc. verweigern.

  • Sie machen schon wieder die selben falschen Angaben. Bei der Ing-Diba ist das Geldabheben weltweit genauso kostenlos bzw Gebührenpflichtig mit der Visa-Card wie bei den anderen Banken mit der Kreditkarte. Wobei die Bezeichnung Gebühren falsch ist. An Kosten fallen nämlich die An-und Verkauf-Wechselkurse an, mehr nicht.
    DIese Kosten gab es schon seit eh und je. Mußte man schon zahlen wenn man am Bankschalter war, im In-und Ausland.
    Ihr habt wohl den Artikel als Lückenfüller ausgegraben. Ich habe jedenfalls damals, vielleicht voriges Jahr um dieselbe Zeit bei der Ing-Diba angerufen und mir versichern lassen, das es so ist wie ich hier beschrieben habe.

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