Frugalist Oliver Noelting
„Ich gehe mit 40 Jahren in die Rente“

Viele Deutsche könnten ohne zu arbeiten jahrelang von ihrem Vermögen leben, sagt eine Studie. Oliver Noelting will das auch. Im Interview erklärt der sogenannte Frugalist, wie er schon mit 40 in Rente gehen will.
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45 Prozent der deutschen Haushalte könnten mehrere Jahre lang von ihrem Vermögen leben, ohne arbeiten zu gehen oder ihren Lebensstandard zu senken. Das geht aus dem aktuellen Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) hervor, das zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gehört. 30 Prozent der Haushalte könnten dem Bericht zufolge ihr Konsumniveau maximal acht Jahre halten, ohne arbeiten zu gehen. Bei zehn Prozent der Haushalte reicht das Ersparte sogar dafür, ihren Lebensstil mindestens 13 Jahre aufrecht zu erhalten. Und fünf Prozent der Haushalte könnten zwei Jahrzehnte lang ausschließlich von ihrem Vermögen leben.

Oliver Noelting überraschen diese Zahlen nicht. Der 29-jährige Webdesigner ist überzeugt, dass viele Menschen weniger arbeiten oder früher in Rente gehen könnten – wenn sie sparsam leben und ihr Geld sinnvoll investieren würden.

Herr Noelting, die WSI-Studie zeigt, dass fast die Hälfte der deutschen Haushalte mehrere Jahre lang ausschließlich von ihrem Vermögen leben könnte, ohne einen einzigen Tag zu arbeiten. Stellen Sie sich so auch Ihre eigene Zukunft vor?

Im Grunde ja. Ich glaube, diese Statistik zeigt, dass vielen Menschen gar nicht klar ist, wie gut es ihnen geht. Sie haben so viel Vermögen angehäuft, dass sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder sich eine längere Auszeit nehmen könnten. Ab einem gewissen Einkommen kann man es sich durchaus leisten, sich darüber Gedanken zu machen.

Sie machen sich diese Gedanken bereits seit einigen Jahren und bezeichnen sich selbst als Frugalist. Was ist das?

Frugalisten sind Menschen, die aus dem Hamsterrad der Arbeitswelt ausbrechen wollen. Die Bewegung kommt aus den USA. Da gibt es mehrere tausend Menschen, die sich damit beschäftigen, wie sie möglichst früh finanziell unabhängig von ihrem Einkommen werden, also nur noch von ihrem angesparten Vermögen leben. In Europa ist die Bewegung noch recht klein. Aber auch hier finden sich immer mehr Menschen, die nicht arbeiten wollen, bis sie 67 Jahre alt sind.

Ist das eine Luxusbewegung? Man muss doch einen gut bezahlten Job haben oder Geld erben, um ein solches Vermögen zu bilden.

Nein, es ist auch mit einem niedrigen Einkommen möglich, sich ein Vermögen anzusparen. Ich habe berechnet: Wenn man stets die Hälfte seines Einkommens spart und sein Konsumniveau beibehält, hat man nach etwa 18 Jahren Arbeit genug Vermögen angespart, um in Rente zu gehen.

Kommentare zu " Frugalist Oliver Noelting: „Ich gehe mit 40 Jahren in die Rente“"

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  • Aus meiner Sicht läuft etwas gewaltig schief in einer Gesellschaft, in der Geld eine derart dominante Rolle spielt, dass einige es sich "leisten" können mit 40 in "Rente" zu gehen, während andere sich ihr ganzes Leben lang abstrampeln müssen (u.a. auch für die 40-jährigen "Rentner").

    Dass sich eine solche Diskrepanz nie und nimmer mit einer vorab erbrachten "größeren Leistung" begründen lässt, wird wohl jeder ehrliche Mensch bestätigen können, der sich wenigstens ansatzweise für das interessiert, was in der Gesellschaft vorgeht.

    Ich finde, jeder sollte unabhängig von Geldfragen nach seinen individuellen Möglichkeiten seinen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft beitragen.

    Apropos "Möglichkeiten":

    „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ (Konfuzius)

  • Der Frugalist ist eine harmlose Konsequenz der aktuellen Ideologie des Radikalfeminismus und der resultierenden Fortpflanzungsverweigerung.

    Wenn ein Normalverdiener eine Familie gründet und dann mit einem Gehalt 4, oder mehr Mäuler zu stopfen hat, dürfte es sehr herausfordernd sein sich in die finanzielle Unabhängigkeit zu sparen.

    Herausfordernd für Frugalisten dürfte ein finanzieller Kollaps des € werden. Das € - System leidet an enormen Ungleichgewichten die sich irgendwann in irgeneiner Form ausgleichen. Die Konsequenz wird eine teilweise Entwertung der Geldvermögen sein. Dann bleibt dem Frugalisten nichts.

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