Für Kleinanleger
Bund gibt Anleihen mit Inflationsschutz aus

Die Bundesregierung will an die Inflationsrate gekoppelte Anleihen begeben, die speziell auf Privatanleger zugeschnitten sind.

HB FRANKFURT. "So wollen wir dem Wunsch vieler Anleger nach einer inflationsgeschützten Altersvorsorge von höchster Bonität nachkommen", sagte Jörg Asmussen, Leiter der Finanzmarktabteilung im Bundesfinanzministerium bei einer Konferenz der Eurohypo in Frankfurt. Deutschland hatte nach jahrelangen Diskussionen im März erstmals den Markt für inflationsindexierte Anleihen angezapft. Die Anleihe über 5,5 Mrd. Euro, deren Zins- und Rückzahlung sich nach dem harmonisierten europäischen Verbraucherpreisindex ohne Tabakwaren richtet, war bei professionellen Investoren und auch bei auf Privatkunden ausgerichteten Banken sehr gefragt.

Die vom Bund geplanten Inflationsanleihen für Privatanleger sollen - wie bislang schon Bundesobligationen, Finanzierungsschätze und Bundesschatzbriefe - im Direktverkauf über die Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg angeboten werden. Dort können Anleger die Emissionen ohne Gebühr erwerben und ein kostenloses Depot führen. "Wir wollen den Direktverkauf ausweiten, um den fallenden Anteil des Privatkundengeschäfts wieder zu steigern", sagte Asmussen. Bislang entfällt nach früheren Angaben der Finanzagentur nur rund ein Prozent der Bundesemissionen auf das Geschäft mit Privatkunden über die Bundeswertpapierverwaltung und die Banken.

In diesem Jahr begibt Deutschland neue Anleihen und Geldmarktpapiere über 230 Mrd. Euro. An die Teuerungsrate gekoppelte Anleihen haben für Privatanleger allerdings den Nachteil, dass sie steuertechnisch als so genannte Finanzinnovation gelten. Deshalb müssen auch Kursgewinne versteuert werden, und daran wird sich voraussichtlich auch nichts ändern. "Die Einführung von inflationsindexierten Anleihen für Privatanleger wird keinesfalls automatisch eine Änderung der Steuergesetzgebung nach sich ziehen", betonte Asmussen. Bei herkömmlichen Anleihen sind nach einem Jahr Haltefrist Kursgewinne dagegen steuerfrei.

Die erfolgreiche Emission des ersten an die Inflationsrate gebundenen Bonds Deutschlands hatte auch bei Hypotheken- und Landesbanken Überlegungen ausgelöst, ob es sinnvoll sei, inflationsindexierte Pfandbriefe zu begeben. Pfandbriefe sind mit Hypotheken- oder Staatskrediten gedeckte Anleihen. Um inflationsgeschützte Pfandbriefe begeben zu können, müsste das zu Grunde liegende Allgemeine Pfandbriefgesetz geändert werden. "Das wäre keine gute Idee", sagte Henning Rasche, Vorstand der Eurohypo und Präsident des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP) bei der Eurohypo-Konferenz. Bei Pfandbriefen solle jeder Investor genau kalkulierbar den Nennwert von 100 Prozent zurückbekommen, betonte Rasche. Auch Hans-Joachim Strüder, Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg, sagte auf Anfrage, man solle das Gesetz zumindest auf absehbare Zeit nicht ändern. Zudem sei es schwierig, die Deckungsstöcke der Inflationsentwicklung anzupassen.

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