Geldanlage
Österreicher sparen weniger

Die Sparquote ist in der Alpenrepublik auf ein historisch niedriges Niveau von 5,2 Prozent gesunken. Trotz der niedrigen Zinsen setzt nur ein Viertel der Haushalte auf Wertpapiere und Fonds .
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Die Lust auf das Sparen ist den Österreichern angesichts niedriger Zinsen vergangen. Die Sparquote von 5,2 Prozent ist auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Zum Vergleich: 2009 lag sie kurz nach dem Ausbruch der Finanzkrise noch bei über zwölf Prozent. Das geht auf einer am Mittwoch in Wien vorgelegten Studie der österreichischen Die Erste und von Sparkassen hervor.

Die Mehrheit der Österreicher ist mit dem niedrigen Zinsniveau unzufrieden. Nach der Erhebung stieg der Anteil der Unzufriedenen auf 53 Prozent. Vor drei Jahren waren es noch 43 Prozent. „Um die Inflation zu schlagen, muss der Kunde das Risiko eingehen, in Wertpapiere zu investieren“, sagte Peter Borek, Vorstand des Privat- und Firmenkundengeschäft der Ersten. Doch dazu sind die Österreicher nicht bereit. Noch immer sind Sparbuch, Sparkarte sowie das Bausparen mit großem Abstand die beliebteste Anlageform. Nur ein gutes Viertel aller Haushalte in der Alpenrepublik setzen auf Wertpapiere und Fonds. Im Durchschnitt legen die Österreicher im Monat 181 Euro zurück, so die Studie. Das sind elf Euro mehr als im Vorjahr. Die Sparquote sinkt dennoch, weil die Gehälter gestiegen sind.

Die Angst vor der Inflation wächst in Österreich weiter. Bei der Parlamentswahl vor wenigen Wochen wählten ein Drittel der Wähler Parteien, die den Euro ablehnen. Laut Studie geben 72 Prozent aller Haushalte an, dass die Furcht vor einer Geldentwertung ihr Hauptmotiv sei, Geld auf die Seite zu legen. Vor den Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise war es weniger als die Hälfte aller Befragten. „Die Sicherheit und die schnelle Verfügbarkeit des Geldes sind für die Sparer das Wichtigste“, sagte Bankmanager Bosek, „Österreich ist kein Aktienland.“ Der Vorstand prognostizierte am Mittwoch kein schnelles Ende der Niedrigzinsphase. „Die Nachfrage nach Krediten ist relativ bescheiden“, resümierte der Privat- und Firmenkundenchef der Ersten.

Insgesamt haben die österreichischen Haushalte über 200 Milliarden Euro in Sparbüchern angelegt. Davon sind knapp 147 Milliarden Euro Spareinlagen und annähernd 62 Milliarden Sichteinlagen privater Haushalte. Für die Studie wurden vom Institut Imas International insgesamt 900 Kunden befragt, die älter als 15 Jahre sind. Die Erste Bank und die Sparkassen betreiben in Österreich mehr als 1000 Filialen für über drei Millionen Kunden.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Geldanlage: Österreicher sparen weniger"

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  • 3480 Euro Gehalt, glaub ich nicht. Das die weniger sparen
    eher. Die Mieten steigen u.s.w. Es bleibt also weniger übrig .

  • 5,2% = 181 Euro?? Ganz schön gutes Gehalt im Schnitt :) Und 11 Euro mehr? das wäre ja eine durchschnittliche Gehaltssteitgerung von 6 %... Immerhin, wenigstens bei den Ösis scheint der Groschen langsam zu fallen, dass doch wir ALLE für die "Eurorettung" zahlen!

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