Girokonten
Kostenlos in die Kostenfalle

Für Banken sind Girokonten ein Minusgeschäft. Viele Institute streichen inzwischen ihre kostenlosen Angebote. Kunden, die vergleichen, können aber profitieren – ein neues Gesetz macht es möglich.

Etwa drei Viertel aller Bankkunden haben noch nie ihr hauptsächlich genutztes Girokonto gewechselt. Das zeigen Marktforschungen wie die der Unternehmensberatung zeb. Einer großen Mehrheit der Deutschen erscheint es demnach als zu aufwendig, zu einem anderen Geldinstitut zu gehen, und viele sind schlicht zufrieden mit ihrer Bank.

Das geringe Wechselinteresse mag auch daran liegen, dass deutsche Kunden im Vergleich zu anderen EU-Ländern wie Spanien, Frankreich oder Österreich deutlich geringere Kontoführungskosten haben. Diejenigen aber, die wechseln, vergleichen der zeb-Untersuchung zufolge sehr genau die Konditionen ihrer Kontoführung mit der anderer Banken.

Was kostet mein Girokonto und wie teuer ist das Angebot anderswo? Wie wechsele ich meine Bank? Künftig könnten es deutlich mehr Kunden werden, die sich diese Fragen stellen – denn immer mehr Banken schaffen ihre bedingungslos kostenlosen Girokonten ab. Der Kampf um Kunden, bei dem sich viele Banken in den letzten Jahren gegenseitig in den Konditionen unterboten haben, scheint beendet.

Die Postbank wird künftig kein bedingungslos kostenloses Girokonto mehr anbieten und will Kunden, die den neuen Vertragsbedingungen widersprechen, das Konto kündigen. Schon zum 1. Juli hatte die Hypovereinsbank ihr kostenloses Girokonto abgeschafft, um sich an das „aktuelle Marktumfeld“ anzupassen. Die deutsche Direktbank ING-DiBa hatte kürzlich zwar angekündigt, weiterhin an ihrem kostenlosen Girokonto festzuhalten. „Doch sollte das Niedrigzinsumfeld wirklich lange anhalten, werden Maßnahmen unausweichlich werden“, gibt auch ING-Vorstand Koos Timmermans zu verstehen.

Ein Sprecher der Postbank nennt es gar „einen Fehler der Banken“, dass diese ihren Kunden überhaupt jemals kostenlose Girokonten angeboten haben. Dadurch sei der Eindruck entstanden, dass es diesen Service umsonst geben könne. Das Dilemma, in dem viele Banken in Deutschland angesichts der andauernden Niedrigzinsphase stecken, haben sie selbst geschaffen. Mit dem Versprechen, keine Entgelte zu verlangen, hatte die Postbank in den letzten Jahren besonders auffällig um Kunden geworben. In einer Kooperation mit Tchibo war die größte deutsche Privatkundenbank gar so weit gegangen, neuen Kunden ein „lebenslang“ kostenloses Girokonto zu versprechen. Kontoführung, Überweisung, Ein- und Auszahlung – alles umsonst, für immer.

Doch es gibt offensichtlich Grenzen. Wie für andere Banken wird auch für die Postbank das unerlässliche Standardprodukt längst zum Minusgeschäft. Niedrige Zinsen und die bei der Europäischen Zentralbank teils zu entrichtenden Strafzinsen machen es den Unternehmen zunehmend unmöglich, mit dem Geld der Kunden selbst Geld zu verdienen.

Denn die Kosten bleiben trotz Sparmaßnahmen: IT-Strukturen, Internetserver, Servicecenter und Geldautomaten müssen von Filialbanken und den meisten Direktbanken dennoch betrieben werden. Inzwischen machen Banken im Durchschnitt pro Girokonto-Kunde bis zu 30 Euro Verlust im Jahr, wie eine Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zeigt.

Auch weil jahrelang mit Kostenlosigkeit geworben wurden, empören sich nun viele Kunden über die anstehenden Preiserhöhungen. Der bekannte Rechtsanwalt Udo Vetter kündigte gar an, er werde die Postbank wegen des einst getätigten „Lebenslang-Versprechens“ verklagen und vor Gericht beweisen, dass er noch lebe. Tatsächlich will die Postbank das unzureichend kommuniziert haben und will eine Ausnahme machen für Kunden, denen dieses lebenslange Versprechen über Tchibo einst gemacht wurde. "Es handelt sich dabei um eine kleine fünfstellige Anzahl von Konten", sagt ein Sprecher zu ZEIT ONLINE. Diese Ausnahmekunden müssen den neuen Vertragsbedingungen allerdings aktiv widersprechen, damit sie ihr Konto weiterhin kostenlos führen können.

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