Girokonto: Banken erhöhen heimlich die Gebühren

Girokonto
Banken erhöhen heimlich die Gebühren

Schon wieder Ärger um die Banken: Immer mehr Geldinstitute führen die Gebühren für Kontoführung wieder ein. Kunden bekommen davon oft gar nichts mit. Verbraucherschützer raten zum Wechsel.
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DüsseldorfSeit Sommer hat sich so manches Geldinstitut auf leisen Sohlen vom Gratis-Girokonto verabschiedet und wieder auf Gebühren umgestellt. „Den Anfang machte die Santander Bank, die HypoVereinsbank zog nach sowie diverse kleinere Sparkassen“, hat Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, beobachtet.

Der Rückzug vom Nulltarif liege bei Filialbanken klar im Trend. Dafür haben reine Online-Banken eine Art Gegenoffensive gestartet, um unzufriedene Kunden abzufischen. Sie zahlen derzeit bis zu 100 Euro Prämie für jeden Neukunden - das kostenlose Girokonto gibt es sowieso.

Das Wiedereinführen von Gebühren für Konten, die oft jahrelang kostenfrei waren, habe viele Verbraucher auf die Palme gebracht, berichtet Oelmann. „In unseren Beratungsstellen machten Unzählige ihrem Ärger Luft.“

„Die Sensibilität für Bankgebühren nimmt bei den Bürgern zu“, betont auch Kerstin Backofen von Stiftung Warentest. Der Großteil der Kunden habe allerdings noch gar nicht mitgekriegt, dass er fürs Konto bald wieder zahlen soll, ist Oelmann überzeugt.

Denn die Umstellung macht sich unterschiedlich bemerkbar, je nach Filialbank. Mal wird das kostenfreie Kontomodell ganz abgeschafft und auf kostenpflichtige Alternativen verwiesen, mal an neue Guthabengrenzen, Mindesteingänge oder -umsätze gekoppelt.

Beispiel Santander: Das spanische Bankhaus, das seine Kunden von der schwedischen SEB-Bank übernahm und offenbar als erstes an der Gebührenschraube drehte, überraschte die Inhaber des Gratis-Kontos Giro4free mit folgendem Schreiben: „Glückwunsch. Ab sofort nutzen Sie GiroStar 1 Jahr kostenfrei!“ Die Angeschriebenen brauchten „nichts weiter zu unternehmen“, außer nach einem Jahr für den Wechsel von „free“ zu „Star“ monatlich 5,99 Euro zu zahlen.

„All die, die den Brief als Werbeaktion wegwarfen, kriegen die Kostenpflicht erst in ein paar Monaten mit“, erläutert Oelmann. Andere Geldinstitute hätten die anstehenden Veränderungen wenigstens klar formuliert und nicht als Marketingaktion verpackt.

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„Nicht ärgern, sondern wechseln“

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  • Anhand der Kommentare habe ich den Eindruck, daß die
    Bankenlobby aktiv ist!
    Zur rechtlichen Seite hat das LG Mönchengladbach unter dem
    AZ.: O 62/12 festgestellt, daß eine einseitige Änderung der Vertragsbedingungen nicht rechtmäßig ist.

  • Ich würde den Sparkassen und Volksbanken vorschlagen, einfach ein kostenloses Konto ohne Mindestgeldeingang einzuführen, bei dem aber für jede beleghafte Buchung (d. h. schriftliche Einreichung einer Überweisung o. ä., Bareinzahlung ohne Automat) ein Entgelt zu zahlen ist und max. 5 Geldabhebungen im Monat kostenlos sind (wie bei den PSD-Banken) - ganz ohne geht es nicht, irgendwie müssen die Personalkosten und sonstige Kosten ja gedeckt werden. So kann eine Abwanderung zu den Direktbanken verhindert werden. Wenn die meisten Kunden allerdings sowieso nicht zu den Direktbanken wechseln, ist dies nicht nötig, wäre aber moderner und kundenfreundlicher.
    Für die Deutsche Bank und Commerzbank gilt das nicht, bei denen gibt es ja die norisbank und comdirect bank als Direktbanken in Form eines Tochterunternehmens.

  • ...Sie haben darüber hinaus vergessen, die GEZ zu erwähnen... ...auch ist sicherlich eine besondere "Leistung" der Versicherer darin begründet, daß z.B. Versicherungsbeiträge, die unterjährig gezahlt werden, bei gleicher "Gegenleistung" einen Ratenzahlungszuschlag von bis zu 6% haben können... ...aber manchem Beitragszahler scheint es noch immer zu gut zu gehen...

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