Global Wealth Report
Wo der Reichtum plötzlich schmilzt

Milliardäre aufgepasst: Erstmals seit 2008 ist das weltweite Vermögen und damit die Zahl der Superreichen gesunken. Die Ursachen sind in den USA zu finden – ausgerechnet in dem Land, das nicht in dem Abwärtssog steckt.

DüsseldorfSeit der Finanzkrise 2008 kannten die Privatvermögen nur eine Richtung – es ging stetig nach oben. Doch erstmals seit sieben Jahren sank das weltweite Vermögen. In Dollar gemessen befanden sich bis Ende Juni des laufenden Jahres 250,1 Billionen Dollar auf den Konten privater Haushalte. Das sind 4,7 Prozent weniger als 2014. Zu diesem Ergebnis kommt die Credit Suisse in ihrem aktuellen Vermögensreport.

Laut den Experten der Schweizer Großbank dürfte diese Entwicklung zwar nur eine Ausnahme sein. Dennoch könnten die Vermögen langsamer wachsen als erwartet. So hat sich das Privatvermögen seit dem Jahr 2000 verdoppelt – in China hat es sich sogar verfünffacht – doch das Wachstumstempo hat sich der Credit Suisse zufolge in den vergangenen Jahren abgeschwächt.

Bis Ende Juni 2020 werden die Privatvermögen voraussichtlich nur um 6,6 Prozent jährlich steigen und 345 Billionen Dollar erreichen. In früheren Prognosen haben die Analysten noch mit einer jährlichen Steigerungsrate von sieben Prozent auf 369 Billionen Dollar gerechnet.

„Der globale Wirtschaftsausblick ist schwächer als erwartet“, heißt es in der Studie. „Daher haben wir unsere Projektionen nach unten revidiert.“ Hauptgrund für die Verflachung der Vermögensentwicklung ist die Geldpolitik der Federal Reserve und der damit verbundene starke Dollar.

Der stärkere Greenback führte dazu, dass die Zahl der Superreichen mit einem Nettovermögen von über 50 Millionen Dollar seit Mitte 2014 um 800 gesunken ist. Der Dollar hat der Studie zufolge zwischen Juni 2014 und Juni 2015 acht Prozent gegenüber dem Pfund zugelegt und 19 Prozent gegenüber Euro und Yen.

Rückenwind erhält der Dollar von den Spekulationen rund um die Geldpolitik der Federal Reserve. So wurde in diesem Jahr im September mit der ersten Leitzinsanhebung in den USA seit 2008 gerechnet. Mit Aussicht auf diese Erhöhung stiegen im Vorfeld vor allem in Schwellenländern wie Brasilien oder Kolumbien die Kapitalabflüsse. Zwar wurde nach Veröffentlichung ernüchternder US-Konjunkturdaten die Leitzinserhöhung verschoben – wahrscheinlich auf Ende 2015 – doch unabhängig von Zeitpunkt bleibt klar: steigt der Zins in den USA, müssen die Emerging Markets mit weiteren Geldabflüssen rechnen.

So verwundert es nicht, dass gleichzeitig die Vermögen in den USA wieder stark gestiegen sind. Zwar kommt die größte Volkswirtschaft der Welt mit einem Anstieg um 4,6 Billionen Dollar nicht an die Vorjahresrate von neun Milliarden Dollar heran. Doch im globalen Vergleich stiegen in keinem anderen Land die Privatvermögen so stark wie in den USA.

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