Griechen verspotten ihre Geldautomaten
"Kein Geld hier. Nur Liebe!"

Die griechischen Banken bleiben Tage geschlossen, auch Geldautomaten sollen zunächst außer Betrieb gesetzt werden. Am Sonntagabend hat ein Run auf die noch gefüllten Geräte begonnen - und im Netz greift Spott um sich.
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DüsseldorfDie Lage am Sonntag hat sich in Griechenland innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschärft. Die Banken bleiben am Montag geschlossen, nachdem die Europäische Zentralbank die Maximalgrenze für ELA-Notkredite für die griechischen Banken nicht erhöht hatte. Von neun Kalendertagen Schließung ist die Rede, am Montag sollen die Geldautoamten nicht funktionieren und möglicherweise ab Dienstag erst nur Beträge von höchstens 60 Euro pro Tag und Kunde abgehoben werden dürfen.

Die Nachricht löste einen Andrang an vielen Geldautomaten aus, wie nicht nur Handelsblatt-Korrespondent Gerd Höhler berichtete und TV-Bilder belegten. Zahlreiche Griechen dokumentierten in sozialen Netzwerken das Schlangestehen. Doch auch mit Humor reagierten etwa im Kurznachrichtendienst Twitter viele Menschen auf die Situation.

Ein Experte für Gasgeräte teilte eine Bildmontage, die auf dem Bildschirm eines Geldautomaten den Videospiel-Klassiker Pacman zeigte.

Ein griechischer Journalist schrieb "Herr, erbarme dich!" zu einem Foto, dass ein überarbeitetes Bild einer Prozession zeigt. Statt einer Monstranz trägt eine Gruppe Männer im Anzug einen Geldautomaten spazieren. Einer der Träger: der ehemalige griechische Ministerpräsident Antonis Samaras, Amtsvorgänger von Alexis Tsipras. Das Originalbild der Prozession scheint aus dem Jahr 2011 zu stammen.

Der griechische Comedian "Blink Mike" wählte ein anderes Motiv. Er kombinierte Bilder von riesigen Rockkonzerten und einem Truppenaufmarsch aus dem Filmepos "Herr der Ringe" und verglich sie mit dem Gedränge vor griechischen Geldautomaten.

Der Fotograf Savvas Karmaniolas verbreitete ein Foto eines Geldautomaten, an dem ein Scherzkeks einen Zettel angebracht hatte: "Abhebungen nur über 500 Euro", stand darauf. Wer Wechselgeld möchte, wende sich bitte "an die deutsche Botschaft".

Auf einem Zettel an einem Geldauotmaten auf der Insel Mykonos, den eine Frau im Kurznachrichtendienst verbreitete, stand schlichtweg: "Kein Geld hier. Nur Liebe!"

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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