Inflation sabotiert Sparer: Wo ihre Ersparnisse jetzt hingehören

Inflation sabotiert Sparer
Wo ihre Ersparnisse jetzt hingehören

Der deutliche Anstieg der Inflation hat die Sparer aufgeschreckt. Mit den niedrigen Zinsen auf ihre Ersparnisse verlieren sie jetzt Geld. Anleger müssen was riskieren, um es zu schützen.
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DüsseldorfDer Ölpreis ist schuld. Weil er in den vergangenen Jahren immer wieder Tiefpunkte ausgelotet hatte, schlug die Erholung gerade dieses wichtigen Rohstoffs voll auf die Verbraucherpreise durch. Unter anderem hatte die Opec nach langer Uneinigkeit unter ihren Mitgliedsstaaten tatsächlich eine Kürzung der Ölförderung beschlossen und so den Preisanstieg befeuert.

Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Ölpreis für die Nordseesorte Brent von 27 auf 56 Dollar je Fass in etwa verdoppelt. Weil sich der höhere Ölpreis nicht nur an den Zapfsäulen für Autofahrer bemerkbar macht, sondern auch bei Heizung und vielen Produkten auf Ölbasis, schlug das zusammen mit einem deutlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise auf die Verbraucherpreise durch. Die Entwicklung bescherte Deutschland im Dezember eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent. Das ist die höchste Inflationsrate seit drei und zugleich der stärkste Anstieg seit mehr als 20 Jahren.

Die Gelackmeierten dieser Entwicklung sind auch die Sparer. Bisher ließen sich die mickrigen Zinsen, die es auf Konten oder für festverzinste und damit sichere Sparanlagen derzeit gibt, aufgrund der ebenfalls niedrigen Inflationsrate noch einigermaßen ertragen. Zwar wuchsen die Ersparnisse kaum, es gingen aber auch kaum Kaufkraftverluste damit einher. Nach dem plötzlichen Anstieg der Inflation droht Sparern hier nun eine Negativbilanz, weil erstmals eine signifikante Inflation mit einer Nullzinsphase seitens der europäischen Notenbank einhergeht.

Viele Experten gehen davon aus, dass die Inflationsrate vorerst nicht wieder sinkt, sondern im Gegenteil sogar weiter steigt. Die Europäische Zentralbank selbst rechnet zum Beispiel mit einer Inflationsrate von 1,3 Prozent für das laufende Jahr sowie 1,5 Prozent für 2018. Die Deka-Bank etwa rechnet für 2017 mit sogar mit durchschnittlich 1,7 Prozent, für 2018 sagt sie 1,8 Prozent voraus.

Auf der anderen Seite ist nicht erkennbar, dass die EZB in absehbarer Zeit mit Hilfe einer Leitzinserhöhung gegensteuern will. Warum auch, schließlich ist die Inflation in der übrigen Euro-Zone mit zuletzt 1,1 Prozent deutlich niedriger als in Deutschland.

Was Deutsche Sparer tun können

Deutsche Sparer sind somit die Verlierer der Nullzinspolitik in Europa. Freuen dürften sich über die steigende Inflation und den EZB-Nullzins lediglich Immobilienkäufer, die noch länger günstige Baufinanzierungen bekommen können, und andere Schuldner. Was aber können Sparer tun, die sich allmählich ein Vermögen aufbauen wollen, unter dem Strich aber den schleichenden Kaufkraftverlust ihrer Ersparnisse hinnehmen müssen?

Schnell verfügbare Liquidität ist auch in Niedrigzinszeiten nicht zu unterschätzen. Je nach Anlagetyp bieten sich verschiedene Spar- und Geldanlagen an. Dabei geht es aber darum, nicht zu viel Geld auf Giro-, Tagesgeldkonten oder Sparbüchern zu parken. Die liquide Reserve sollte auf zwei bis drei Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto beschränkt werden.

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