Inflationsgeschützte Anleihen: Der Inflation ein Schnippchen schlagen

Inflationsgeschützte Anleihen
Der Inflation ein Schnippchen schlagen

Wenn Investoren ihre Rendite nicht der Inflation aussetzten wollen, steht ihnen ein effizientes Instrument zur Verfügung: inflationsgeschützte Anleihen. Diese Produkte generieren eine Rendite, die direkt an die Inflation gebunden ist.

Die so genannten "Inflation Linkers" unterscheiden sich von herkömmlichen Bonds. Bei beiden Anleiheformen bekommt der Anleger während der Laufzeit regelmäßig den Kupon und zum Rückzahlungstermin den Nennwert der Anleihe ausgezahlt. Bei inflationsgeschützten Anleihen erhöhen sich jedoch automatisch in regelmäßigen Intervallen Kupon und Nennwert in Abhängigkeit von einem Inflationsindex. Das gleicht die Geldentwertung aus. Bei europäischen Inflation Linkers etwa erhöhen sich Kupon und Nennwert im Gleichklang mit dem harmonisierten Verbraucherpreisindex der Eurozone ohne Berücksichtigung des Tabakpreises.

Inflationsgeschützte Anleihen bieten Anlegern damit das gleiche niedrige Risikoprofil wie herkömmliche Anleihen. Zusätzlich sichern sich Investoren aber eine reale Rendite - ein wichtiger Vorteil gegenüber herkömmlichen Anleihen. Denn deren Ertrag wird über die gesamte Laufzeit von der Geldentwertung beeinflusst. Inflationsgeschützte Anleihen neigen im Übrigen dazu, weniger volatil als klassische Bonds zu sein, was ihnen ein attraktiveres Risiko/Ertrags-Profil verleihen kann.

Das Interesse an dieser Anlageklasse in Europa wächst, da die Verpflichtungsseite institutioneller Anleger häufig durch die Inflation beeinflusst wird. Vor allem Pensionsfonds müssen angesichts der Verlustrisiken im Aktienbereich, der steigenden Lebenserwartung und veränderter regulatorischer Anforderungen immer stärker darauf achten, ihre Ertragsstruktur an ihre künftigen Zahlungsverpflichtungen anzupassen.

Auf der Emittentenseite liegen ähnliche Gründe vor, inflationsgeschützte Anleihen aufzulegen. Weil Staatseinnahmen mit zunehmender Inflation steigen, ist es aus Sicht der Regierungen sinnvoll, auch die staatlichen Zinszahlungen an die Geldentwertung zu koppeln. Ein weiterer Aspekt ist Diversifizierung der Investoren - weg von einheimischen und hin zu einem zunehmend internationalen Anlegerkreis. Dies erhöht die zur Verfügung stehenden Geldmittel und reduziert zusätzlich die Abhängigkeit von lokalen Marktfaktoren. In den vergangenen Jahren ist der weltweite Markt für inflationsgeschützte Anleihen stark gewachsen: Immer mehr Staaten treten als Emittenten auf. Anfang 2004 gab es bereits inflationsgeschützte Papiere von Ländern wie den USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Kanada. Japan hat 2004 seine erste inflationsgeschützte Anleihe aufgelegt, in diesem Jahr folgte die Zweite.

Allein im Jahresverlauf 2004 wuchs der Markt für diese Anlageklasse von 380 Mrd. Euro Anfang des Jahres auf 513 Mrd. Euro zum Ende des Jahres. Die Gründe für diesen starken Zuwachs liegen zum einen in der Auflage größerer Emissionen als auch in der Ausweitung der Laufzeitenstruktur. So emittierte beispielsweise Italien erstmals eine inflationsgeschützte Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit. Bis Ende Juni 2005 ist der weltweite Markt weiter auf 635 Mrd. Euro angewachsen. Mit einem weiteren Anstieg ist zu rechnen. Denn immer mehr Regierungen, supranationale Organisationen oder Unternehmen planen einen eigenen Markteintritt.

Quelle: Handelsblatt Nr. 178 vom 14.09.05 Seite b06

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